Verdachtsflächen: Nur das Grundrisiko ist sicher

Waldexperte. Oberforstrat Henry Herold (65), Leiter der Oberförsterei Siehdichum in Müllrose.
Dietmar PuttinsAls die Feuerwehren ab dem 26. Juni den Waldbrand bei Wiesenau und Ziltendorf bekämpften, donnerte es in den Flammen. Das sei nichts Kleinteiliges gewesen, versicherte später Amtsbrandmeister Michael Lyszczok. Munition war explodiert. Heute ist der Wald auf rund 68 Hektar Fläche verkohlt. Private Waldbesitzer, wie etwa die Bauerngesellschaft Ziltendorfer Niederung, organisieren Brandwachen, die Glutnester ablöschen. Sie werden damit noch lange beschäftigt sein, meint Oberforstrat Henry Herold (65), Leiter der Oberförsterei Siehdichum im Landesbetrieb Forst Brandenburg (Müllrose). Doch wieviel Munition liegt noch im Erdreich? Kann man in angrenzenden Gebieten sorglos spazieren?
Die Antwort auf die letzte Frage, so erweist sich, muss jeder Bürger für sich selbst finden. Das Waldbrandgebiet ist auf Karten als Kampfmittelverdachtsfläche ausgewiesen. „Verdacht“: Dort kann, muss aber nicht Munition im Erdreich liegen.
Bei Waffenfund Polizei rufen
„In den Kampfmittelverdachtsflächen besteht immer eine Gefährdung, die aber weitaus geringer ist als auf ehemaligen Schießplätzen wie in Lieberose oder Lübtheen. Es ist ja nicht so, dass es sich um Minenfelder handelt. Wenn ein Waldbesucher alte Munition findet, dann sollte er diese nicht berühren, sich den Standort merken und markieren und den Kampfmittelbeseitigungsdienst bei der Polizei benachrichtigen“, stellt Henry Herold klar.
„Ungefähr ein Drittel aller Waldflächen in Brandenburg sind als Kampfmittelverdachtsflächen eingeordnet“, weiß der Oberforstrat. Das entspricht rund 300 000 Hektar.
„Die genaue Munitionsbelastung für jede Fläche zu bestimmen, ist nicht möglich. Es handelt sich um Erfahrungswerte“, betont Henry Herold.
Was bleibt, ist ein Grundrisiko — auch für Grundstückseigentümer. Es liege in deren Ermessen, sagt Peter Ewler, ihre Immobilien auf Munitionsbelastung überprüfen zu lassen. Ewler leitet den Kampfmittelbeseitigungsdienst (KMBD) beim Zentraldienst der Polizei des Landes Brandenburg in Wünsdorf.
Ein Waldbesitzer könne beispielsweise beim KMBD einen Antrag auf Überprüfung stellen und dessen Mitarbeiter würden anhand von Karten über Kampfmittelverdachtsflächen den Forst untersuchen.
31500 Stück Munition entsorgt
Was das kostet? Die Überprüfungsgebühr, sagt Peter Ewler, spanne sich von 50 Euro über 800 Euro bis hin zu höheren Beträgen. Ob per Zufallsfund oder Überprüfungsauftrag: Der Kampfmittelbeseitigungsdienst ist ausgelastet. Im ersten Halbjahr 2019, so der KMBD–Leiter, habe sein Dienst 31500 Stück klein– und großkalibrige Munition im Landkreis Oder–Spree beseitigt — insgesamt 2,9 Tonnen.
In der Oberförsterei Siehdichum zeigt Oberforstrat Henry Herold eine Waldbrandschutzkarte des Landesbetriebes Forst Brandenburg. Die gibt es auch im Internet. Auf seiner Karte ist eine ganze Region lila gefärbt. Die Schraffuren reichen von der Oder–Niederung nördlich von Frankfurt (Oder), entlang der Oder bis nach Eisenhüttenstadt und noch weiter südlich sowie nach Westen bis Müllrose und Siedichum — allesamt Kampfmittelverdachtsflächen.