Auch am Dienstag: Massive Zug-Ausfälle frustrieren Bahn-Pendler
Draußen steht gerade der 161er-Bus mit dem Fahrtziel Erkner, in den sie nun steigt. Gegenüber ist gerade eine Woltersdorfer Straßenbahn angekommen. Fahrgäste: zwei. Im Laufe des Vormittags, als sich die massiven Störungen auf Brandenburgs wichtigster Ost-West-Pendlerstrecke wohl herumgesprochen hatten, seien immer weniger Menschen eingestiegen, berichtet die Straßenbahnfahrerin. Ungewohnt viel Platz ist an diesem Vormittag auch im Alten Fischerweg, sonst von Schöneicher S-Bahn-Pendlern gern zum Parken genutzt.
Aber Pendlern stand am Montag über weite Strecken in Rahnsdorf nur der Bus nach Erkner zur Verfügung. Von dort aus fuhren der RE 1, wenn auch unregelmäßig und über Lichtenberg umgeleitet, und Schienenersatzverkehr mit Bussen, nur eben nicht über Rahnsdorf.
Ursache für Ausfälle und Verspätungen
Unbekannte hatten an einer Bahnstrecke im Osten Berlins in der Nacht zum Montag zwei Feuer gelegt. Unter anderem habe im Stadtteil Karlshorst ein Kabelschacht gebrannt, teilte die Polizei mit. Ein Lokführer bemerkte das Feuer, das ebenso wie ein zweiter Brand in der Nähe von Bundespolizisten und Feuerwehrleuten gelöscht wurde.
Ein Bundespolizist wurde wegen des Verdachts einer Rauchgasvergiftung zur ambulanten Behandlung in ein Krankenhaus gebracht. Durch die Beschädigungen waren der S- und Regionalbahnverkehr auf der Strecke unterbrochen. Der Staatsschutz des Berliner Landeskriminalamts leitete Ermittlungen ein.
Auf der linken Internetseite Indymedia tauchte ein Bekennerschreiben auf. Darin hieß es, dass zu einem Generalstreik, zu dem die Umweltaktivisten von Fridays for Future am vergangenen Freitag aufgerufen hatten, auch „Blockaden und feurige Sabotageaktionen“ gehörten. Der Staatsschutz prüft die Echtheit des Schreibens, wie ein Sprecher am Montag sagte.
„Heute haben wir die Reiseverbindung zwischen Flughafen Schönefeld, Berlin, Erkner, Cottbus und Frankfurt (Oder) gekappt“, hieß es im Schreiben. Der Pendelverkehr der Regionalbahn zum Flughafen sei dadurch unterbrochen worden. „Flugpersonal und Reisende kamen zu spät an - eine Gefährdung von Menschenleben haben wir ausgeschlossen. Mit unserem Aktionsbeitrag wollen wir nicht die „Fridays for Future“ Bewegung vereinnahmen - doch sind wir auch dieser Bewegung zugehörig.“
Keine Durchsagen
Marion Hoffmann sitzt derweil am Montag auf einem Fürstenwalder Bahnsteig und wartet genervt auf einen Zug, der sie nach Jacobsdorf bringen soll. Von dort aus muss sie mit dem Auto zum Dienst ins Frankfurter Klinikum. „Ich bin völlig fertig und komme zu spät zur Arbeit“, erzählt Marion Hoffmann. Gegen 9 Uhr ist die Frau, die am Sonntag zu Besuch bei ihrer Tochter war und dort übernachtete, in Berlin aufgebrochen. Sie hatte extra viel Zeit eingeplant, um mittags pünktlich zur Arbeit zu kommen. Normalerweise hätte das auch geklappt. „Am Haltepunkt Ostkreuz endete die S-Bahn. Alle mussten raus. Es erfolgten keine Durchsagen“, erzählt die Jacobsdorferin verärgert. In ihrer Not suchte sie ein Taxi, was sie schließlich mit drei weiteren Fahrgästen für stolze 46 Euro bis nach Erkner brachte. Dort musste die Frau wiederum lange auf eine Weiterfahrt warten. Der schließlich einfahrende Zug endete aber in Fürstenwalde. „Wann ich von hier wegkomme, steht in den Sternen“, sagt Marion Hoffmann, die Informationen durch das Bahnpersonal und dementsprechende Durchsagen vermisste.
Ankunftszeit unklar
Da ging es Passagieren in Berlin nicht anders. Gegen 9.45 Uhr erhielten Reisende in Richtung Erkner auf Nachfrage die Auskunft, dass wohl acht Busse im Umlauf seien. Wann einer davon eintreffen würde, um wenigstens einen Teil der mehr als 200 an der Haltestelle wartenden Fahrgäste mitzunehmen, konnte der Sicherheitsmann nicht sagen. Via Bahn-App wurde Reisenden dann die Fahrt nach Lichtenberg empfohlen. Der dort angekündigte RE1 fuhr aber nicht. Plötzlich wurde ein Zug mit dem Ziel Frankfurt (Oder) angekündigt, zehn Minuten später ergänzt mit dem Hinweis: „Fällt aus.“ Als gute 20 Minuten später ein gar nicht mehr angekündigter RE1-Zug in den Bahnhof einfuhr, applaudierten viele Fahrgäste auf dem Bahnsteig.
Während die S-Bahnen am Abend wieder nach Fahrplan fahren konnten, war der Zugverkehr der RE1 weiterhin unregelmäßig. Auch am Dienstag setzt sich dieses Dilemma fort.

