BER in Schönefeld
: Flughafen setzt auf neue Navigation – Fluglärm nimmt zu

Die Hoffmannkurve soll 2025 über Gemeinden wie Zeuthen, Schulzendorf und Eichwalde führen. Was das für die Anwohner rund um den Flughafen Schönefeld bedeutet.
Von
Jana Scholz
Schönefeld
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Marcel Hoffmann zeigt 2013 nach einer Sitzung der Fluglärmkommission in Schönefeld Flugrouten zur Lärmentlastung, die er selbst entwickelt hat.

Marcel Hoffmann zeigt 2013 nach einer Sitzung der Fluglärmkommission in Schönefeld Flugrouten zur Lärmentlastung, die er selbst entwickelt hat.

Bernd Settnik/dpa
  • BER in Schönefeld wird 2025 auf PBN-Navigation umgestellt.
  • Hoffmannkurve soll um 2 km nach Osten verschoben werden.
  • Anwohner in Zeuthen, Schulzendorf und Eichwalde betroffen.
  • Marcel Hoffmann kritisiert die geplante Änderung.
  • Entscheidung über Lärmreduktion erfolgt im Januar 2024.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Es wird nicht ruhiger im Umfeld des Flughafens in Schönefeld. Auch wenn die Passagierzahlen im November leicht zurückgegangen sind, so bleiben die Flugbewegungen am BER weiterhin auf einem hohen Niveau. Der damit verbundene Fluglärm könnte sich in Zukunft sogar noch verstärken.

Die Deutsche Flugsicherung (DFS) will im Oktober nächsten Jahres den BER auf den neuen Navigationsstandard PBN umstellen. PBN steht für „Performance Based Navigation“, also „leistungsbasierte Navigation“.

Diese soll die bodengestützte Navigation schrittweise durch Satellitennavigation ersetzen und damit Lärm ärmeres und effizientes Fliegen erlauben. Für die Systemeinführung besteht die DFS allerdings auf eine Verschiebung der Hoffmannkurve Richtung Osten. Wie effizient ist das neue System also, wenn dafür tausende Menschen um ihre Ruhe gebracht werden?

Namensgeber ist gegen Verschiebung der Hoffmankurve

Die berühmte Kurve wurde im Jahr 2012 durch das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung im Rahmen der ursprünglichen Flugverfahrensfestlegung für den BER festgelegt. Sie soll, im Vergleich zum standardmäßigen Geradeausabflug, den Fluglärm für die Anwohner im Airport-Umfeld deutlich verringern.

Die um 2 km nach Osten verschobene Kurve ist schwarz eingezeichnet. Rot das Toleranzgebiet, über das Flugzeuge ohne Konsequenzen fliegen dürfen, bis zum Eisenbahnstrang in Eichwalde und Zeuthen und dort fast bis an den Zeuthener See.

Die um 2 km nach Osten verschobene Kurve ist schwarz eingezeichnet. Rot das Toleranzgebiet, über das Flugzeuge ohne Konsequenzen fliegen dürfen, bis zum Eisenbahnstrang in Eichwalde und Zeuthen und dort fast bis an den Zeuthener See.

Screenshot aus der Präsentation der DFS vom 15.10.2024/Jana Scholz

Entwickelt wurde die sogenannte Hoffmannkurve von Marcel Hoffmann. Der Eichwalder ist sehr darauf bedacht, unnötigen und vermeidbaren Fluglärm maximal zu minimieren. Dass man seine Kurve nun verschieben möchte, schmeckt dem Privatpiloten überhaupt nicht.

Er sagt: „Die DFS hat eine Verschiebung um mehr als 2.000 Meter Richtung Osten fest geplant, wo die Ortschaften Waltersdorf, Schulzendorf, Eichwalde, Zeuthen, Wildau und Königs Wusterhausen komplett dem Lärm von sämtlichen auf der Südbahn nach Osten startenden Flugzeuge ausgesetzt werden.“ Nach Angaben der DFS soll die Verschiebung der Hoffmannkurve Richtung Schulzendorf aber nötig sein, um Flugzeuge zu berücksichtigen, die schwerer steigen können.

Marcel Hoffmann: Das Problem liegt bei der Flugsicherung!

Hoffmann selbst bestreitet das Problem und sieht es in den eigenen Reihen der DFS. Laut dem Kurven-Erfinder würden viele Flüge noch immer von der Intersection aus starten. So nennt man das Flugverfahren, wenn das Flugzeug nicht vom Bahnanfang aus startet, sondern von einer Zwischenkreuzung. Mit diesem Verfahren steht dem Flugzeug weniger Strecke für den Start zur Verfügung und es benötigt mehr Schub, um in die Luft zu kommen. Dadurch würde es laut Hoffmann zu einer unnötigen Verlärmung kommen, da viele der Flieger am BER so die Ideallinie der Hoffmannkurve nicht fliegen können. Er bekräftigt: „Würden die Piloten mit schlecht steigenden Flugzeugen, wie von der Fluglärmkonferenz empfohlen, die gesamte Startbahn nutzen, wäre die Kurve einwandfrei zu fliegen.“

Doch statt die Rollbahn auf den kompletten 4.000 Metern auszunutzen, will man mit dem neuen System an den lärmenden Kurzstarts festhalten. Das heißt, dass Flugzeuge künftig, statt an der Autobahn A13 abzuknicken, bis an die Eichwalder Bahnschienen heranfliegen könnten.

„Beschlossen ist noch nichts“, sagt Marcel Hoffmann. „Die Vorsitzende der Fluglärmkommission, Dietlind Biesterfeld, hat während der Sitzung am 10. Dezember auch vergessen, einen außerordentlichen Versammlungstermin vor dem Beschluss der Änderungen durch die DFS zu Beginn des neuen Jahres mitzuteilen“, so der Kurvenpräger weiter. Somit würden der DFS wichtige Empfehlungen der Fluglärmkommission fehlen.

Wenn Hoffmann sich etwas wünschen könnte, dann eine Antwort auf seine Frage: „Warum kann man das System hier in Berlin nicht wie in Frankfurt am Main umstellen?“ Der erfahrene Pilot meint damit, dass man in Frankfurt bereits auf ein GPS-basiertes Ortungssystem setzt. Dieses soll anscheinend steilere und präzisere An- und Abflüge ermöglichen, was wiederum den Fluglärm minimiert.

Im Januar wird über zukünftigen Lärm entschieden

Doch ob Marcel Hoffmanns Weihnachtswunsch erhört wird, ist fraglich. Die Fluglärmkommission als auch die Deutsche Flugsicherung haben sich bisher nicht auf eine Anfrage unseres Medienhauses zurückgemeldet.

Wenn die DFS im Januar sämtliche Vorlagen ohne die Berücksichtigung der Einsprüche der Fluglärmkonferenz beschließt, wird der BER in Schönefeld im Oktober 2025 auf das neue PNB-System umgestellt werden. Klar ist jedoch schon heute, dass durch die Umstellung auf ein moderneres Navigationssystem wie PBN keine Abweichungen in Kauf genommen werden dürften. Von daher könnte das Vorgehen der DFS von den mehr als 40.000 betroffenen Bürgern schon im Vorfeld für Unmut sorgen.