Flughafen BER in Schönefeld
: Weniger Flugzeuge über Erkner dank neuer Routen?

Die deutsche Flugsicherung (DFS) will am Flughafen BER in Schönefeld sogenannte „segmentierte Anflüge“ einführen. Was das für die Gemeinden rund um Erkner heißt.
Von
Till Eichenauer,
Jana Scholz
Erkner
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Im Anflug auf Schönefeld: Obwohl wegen Corona weniger Jets den neuen Flughafen BER ansteuern als geplant, gibt es in der Gemeinde Gosen-Neu Zittau Ärger wegen Fluglärm.

ARCHIV - Ein Passagierflugzeug befindet sich am Abend im Landeanflug auf den Flughafen im brandenburgischen Schönefeld, aufgenommen am 14.11.2011.. Fünf Monate vor dem Start des Hauptstadtflughafens gibt das Umweltbundesamt der Flugrouten-Debatte möglicherweise neue Nahrung. Die Behörde stellt an diesem Dienstag (10.01.2012) ihr Lärmgutachten vor, das in die endgültige Flugrouten-Entscheidung einfließen kann. Foto: Patrick Pleul dpa/lbn (zu lbn 0871 vom 09.01.2012) +++ dpa-Bildfunk +++

Im Anflug auf den BER in Berlin: Ein Flugzeug befindet sich am Abend im Landeanflug auf den Flughafen Schönefeld. Dabei fliegen sie auch über die Gemeinden rund um Erkner.

Patrick Pleul/dpa
  • DFS plant "segmentierte Anflüge" am BER zur Lärmminderung.
  • Neue Routen sollen Erkner entlasten, außer einer nördlichen Route.
  • Erkner unterstützt drei von vier neuen Anflugrouten.
  • Neue Technologie "PBN" für präzisere Flugrouten.
  • Gemeinden protestieren gegen mögliche Lärmzunahme durch Routenänderungen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Können veränderte Routen die Lärmbelästigung beim Anflug auf den Flughafen Berlin-Brandenburg  in Erkner reduzieren? Die deutsche Flugsicherung (DFS) hat sogenannte „segmentierte Anflüge“  vorgestellt. Hierbei werden die Flugrouten in Segmente unterteilt, die dazu beitragen können, den Lärmpegel in der Umgebung von Flughäfen zu reduzieren. Etwa, indem sie Flugzeuge über weniger dicht besiedelte Gebiete leiten.

Genau das soll bald auch über dem südöstlichen Speckgürtel von Berlin passieren und dort zu „einer weiteren Entlastung beispielsweise für Ludwigsfelde und Erkner“ führen, wie die DFS als Antwort auf MOZ-Anfrage angab. Die neuen Routen zeigen leicht versetzte Anflugkurse aus Osten und Westen, und zwar jeweils für die Nord- und Südbahn.

Zwei Flugrouten vom BER führen über Erkner

Erkner wird von zwei Landerouten des Flughafens BER überflogen. Die Route A25L wird von Flugzeugen im Anflug auf die Südbahn des BER genutzt und führt in etwa einem Kilometer Höhe über die südlichen Stadtgebiete von Erkner, einschließlich Neu-Buchhorst, Neuseeland, Klein-Afrika und Am Schützenwäldchen. Die zweite Route, A25R, fliegt die Nordbahn des BER an und überquert dabei ebenfalls Erkner. Dabei sind insbesondere die Bahnhofssiedlung und Teile der Innenstadt betroffen.

Ein Screenshot aus dem Sitzungsprotokolle der Fluglärmkommission vom Dezember 2024 zeigt die alternative Anfluglinie (in rote), die südlich zur Grundanfluglinie (hellblau) verläuft.

Ein Screenshot aus dem Sitzungsprotokoll der Fluglärmkommission vom Dezember 2024 zeigt die alternative Anfluglinie (in rot) zum BER. Die Grundanfluglinie (in hellblau) verläuft nördlich.

DFS/Screenshot MOZ

Auf den Karten der DFS ist zu erkennen, dass die neue Anflugroute (rot) nach Südosten verschoben ist. Damit würden die Flugzeuge im Landeanflug nicht mehr über Erkner, sondern direkt über die Tesla-Gemeinde Grünheide fliegen, bevor sie über Gosen wieder auf den ursprünglichen Verlauf der Route A25L einscheren.

Stadt Erkner unterstützt drei von vier segmentierten Anflugrouten

Die Stadt Erkner war als Mitglied der Fluglärmkommission (FLK) in die Planung der neuen Routen eingebunden. Clemens Wolter, zweiter Bürgermeister und Erkners Vertreter in der FLK, sagte gegenüber MOZ.de, dass die Kommission „drei von vier Anflugrouten“ unterstützt: „Hier werden viele Menschen vom Fluglärm entlastet.“ Lediglich die nördliche Anflugroute über Erkner würde bei einem segmentierten Anflug zu Mehrbelastungen führen, so Wolter. „Hier teilt die Stadt Erkner die Auffassung der FLK, dass hier kein segmentierter Anflug erfolgen soll.“

Ein weiterer Screenshot zeigt eine segmentierte Anfluglinie (in rot), die nördlich zur bisherigen Anfluglinie (hellblau) über Erkner verläuft.

Ein weiterer Screenshot zeigt eine segmentierte Anfluglinie (in rot), die nördlich zur bisherigen Anfluglinie (hellblau) über Erkner verläuft.

DFS/Screenshot MOZ

Die neuen Routen sollen jedoch nur abseits der Hauptverkehrszeiten und bei gutem Wetter geflogen werden. Clemens Wolter wünscht sich, dass die segmentierten Anflüge zu all jenen Zeiten genutzt werden, „in denen das aus Sicherheitsgründen und bei Gewährleistung eines flüssigen Flugbetriebs möglich ist“. Laut DFS werden segmentierte Anflüge bereits in Frankfurt am Main angewendet, was zu den erhofften Lärmentlastungen geführt habe.

Gemeinden rund um den BER protestieren gegen die Änderung

Die neuen Routen sollen mithilfe des neuen satellitengestützten Navigationssystems, der sogenannten Performance Based Navigation (PBN) Technologie, geflogen werden. Im Südosten von Berlin, in den Orten Schulzendorf, Eichwalde und Zeuthen, kamen zuletzt Sorgen auf, dass, wenn die Hoffmannkurve angepasst würde, sich die Lärmbelästigung erhöhen könnte. Dagegen wurden im Januar 2025 7000 Protestbriefe in den betroffenen Gemeinden gesammelt und der Deutschen Flugsicherung übergeben.

Die nach dem Privatpiloten Marcel Hoffmann aus Eichwalde benannte Hoffmannkurve ist ein spezielles Flugverfahren. Dieses sieht vor, dass Piloten beim Start von der Südbahn des BER in Richtung Osten normalerweise unmittelbar nach dem Abheben eine steile Rechtskurve fliegen. Dadurch sollen die Orte Schulzendorf, Eichwalde und Zeuthen vor größerem Lärm geschützt werden.