Bombe im Wald bei Tesla: Samstag wird gesprengt – auch Werksgelände im Sperrkreis

Der Kampfmittelbeseitigungsdienst der Polizei Brandenburg ist zwischen Telsa-Werk und Bahnhof Fangschleuse in Grünheide vor Ort und hat bereits entsprechende Räumungs-Warnschilder aufgestellt.
Dennis Lloyd BrätschIn einem Wald nahe der Gigafactory von US-Elektroautobauer Tesla bei Grünheide ist eine 250 Kilogramm schwere Fliegerbombe gefunden worden. Sie soll gesprengt werden. Das Ordnungsamt der Gemeinde Grünheide bestätigte, dass die Bombe im beschlossenen B-Plan-60-Gebiet liege.
Das Protestcamp von Umweltaktivisten am Rande der Fabrik sei nicht betroffen, genauso wie auch nicht die Bahnstrecke Frankfurt (Oder)-Berlin des RE1, sagte der Leiter des Ordnungsamtes der Gemeinde Grünheide, Nico Bauermeister. „Das Camp liegt aber in unmittelbarer Nähe des Sperrkreises.“
Betroffen vom Sperrkreis sind dagegen Gewerbebetriebe, die nun zeitnah informiert werden sollen. Das schließt auch Tesla mit ein, wie Bauermeister gegenüber der dpa mitteilte. Der Autobauer liege mit einem Teil der Werksfläche im Sperrkreis.
Was das für die Produktion bedeute, wisse er nicht, so Bauermeister. Das Unternehmen war für eine kurzfristige Stellungnahme am Donnerstagnachmittag (27. Juni) nicht zu erreichen.
Bombe nahe Tesla in Grünheide – Sprengung nötig
Die Bombe „englischen Fabrikats“ sei der Gemeinde Grünheide am Mittwoch (26. Juni) vom Kampfmittelbeseitigungsdienst gemeldet worden, sagte Bauermeister. Sie sei nicht transportfähig und müsse daher gesprengt werden. Man plane die Beseitigung am Samstag (29. Juni) in der Zeit von 6:30 Uhr bis 15 Uhr.

Eine 250 Kilogramm schwere Bombe ist im Wald nahe der Tesla in Grünheide gefunden worden. Es waren am Dienstag bereits Sucharbeiten nahe des Bahnhofes Fangschleuse und des Protest-Camps zu beobachten.
Janine RichterSperrkreis im Radius von einem Kilometer
In dem Waldstück in der Nähe des Bahnhofs Fangschleuse haben Umweltaktivisten Ende Februar ein Camp mit mehreren Baumhäusern aufgebaut. Sie protestieren unter anderem gegen den enormen Wasserverbrauch und die mögliche Grundwasser-Verunreinigung durch den US-Elektroautobauer sowie gegen eine geplante Werks- und Geländeerweiterung. Der Landesforst ist Eigentümer der Fläche.

Wenn man von den genannten Punkten aus der Pressemitteilung der Gemeinde Grünheide sowie dem RE1 jeweils einen Abstand von einem Kilometer einzeichnet, bleibt der gelb markierte Bereich für die Fundstelle der Weltkriegsbombe übrig.
Janine RichterWie die Gemeinde auf ihrer Homepage mitteilt, werde als Sicherheitsmaßnahme ein Sperrkreis im Radius von einem Kilometer um die Sprengstelle eingerichtet, sowie die L38 zwischen der Baustelle am Knotenpunkt L23 bis zur Einmündung Große Lindenstraße und die L23 zwischen der Baustelle am Knotenpunkt L38 bis zum Bahnhof Fangschleuse für den Fahrzeugverkehr gesperrt.

Verdächtige Absperrung im Wald beim Bahnhof Fangschleuse: Nach MOZ-Informationen soll es sich nicht um den Fundort der Bombe handeln, sondern „nur“ um eine Sammelstelle für Munition.
Dennis Lloyd BrätschBei einem Besuch vor Ort am Donnerstagmittag fiel bisher nur eine verdächtige Absperrung im Wald zwischen Protestcamp und der RE1-Strecke Frankfurt (Oder)-Berlin nahe des Bahnhofes Fangschleuse und eines Waldweges auf.
Hierbei soll es sich aber nach MOZ-Informationen nicht um den Fundort der Bombe handeln, sondern „nur“ um eine Sammelstelle, wenn weitere Munition gefunden würde. Bauermeister zum genauen Bombenfundort: "Man kann dort nichts sehen", sagte er. Sie sei im Boden sondiert worden. In dem Bereich gelte auch ein Betretungsverbot.
Baumbesetzer müssen nicht in Sicherheit gebracht werden
Nach MOZ-Informationen wurden die rund 20 Umweltaktivisten, die aktuell das Protestcamp nahe der Tesla-Fabrik bewohnen, von der Bombenfundmeldung überrascht. Man sei "total verunsichert" und würde erst einmal den Anwalt kontaktieren, weil man eine möglich bevorstehende Räumung befürchte. Viele Umweltaktivisten seien aktuell zum Parteitag der AfD in Essen gefahren, der dort am Wochenende stattfindet, und deshalb aktuell nicht im Camp in Grünheide.
Bombe in Grünheide: Kampfmittelräumdienst war bereits vor Ort
Bereits am Dienstag, 25. Juni, war der Kampfmittelbeseitigungsdienst der Polizei des Landes Brandenburg (KMBD) rundum das Tesla-Erweiterungs-Gelände im Einsatz. Entlang der Schienen der RE1-Strecke nahe des Bahnhofes Fangschleuse, waren Bagger und Arbeiter zu sehen, die meterweit die Erde umgegraben und ein großes Loch gebuddelt hatten.

Der Kampfmittelbeseitigungsdienst hatte ein Schild aufgestellt, welches Spaziergänger davor warnte, den Waldweg zu betreten. Links daneben liegt wenige Meter weiter das Protestcamp der Tesla-Gegner. Rechts verläuft die RE1-Strecke Frankfurt (Oder) - Berlin.
Janine RichterEin Schild der OBK Ortung und Bergung von Kampfmitteln GmbH warnte Besucher, den Waldweg zwischen Schienen und Protestcamp zu betreten. Ein weiteres kündigt an: "Räumstelle betreten verboten". Rundum den Wald des Edis-Umspannwerkes an der L23 waren ebenfalls Männer des Kampfmittelbeseitigungsdienstes zu beobachten, die Messungen vornahmen.
Waldgebiet wird im Auftrag des Umweltministeriums sondiert
Das Brandenburger Innenministerium hatte vor möglichen Gefahren durch alte Kampfmittel gewarnt. Im April sagte Innenminister Michael Stübgen (CDU) dazu: „Wir halten die Gefährdung nicht nur für abstrakt - wie bei hunderttausenden Hektar von Wald in Brandenburg - sondern für konkret.“ Das betroffene Waldgebiet sei zum Ende des Zweiten Weltkrieges bombardiert worden. Er hatte Umweltminister Axel Vogel (Grüne) aufgefordert, das Risiko von Kampfmitteln klären zu lassen.
Wie das Umweltministerium am Donnerstagnachmittag bestätigt, sind Spezialisten im Auftrag des Landesforstbetriebes unterwegs. "Sie suchen die Fläche nach Kampfmitteln aus dem Zweiten Weltkrieg ab. Es wird jede Form von Kampfmitteln gesucht, von der Handgranate bis zur Fliegerbombe", erläutert Pressesprecher Sebastian Arnold. Zuerst erfolge eine Sondierung des Gebietes mit Metalldetektoren, dazu müsse teilweise der Bewuchs an Bäumen entfernt werden.
"Nach der Sondierung und Markierung von Fundstätten erfolgt die Bergung und anschließend, wenn es sich um Kampfmittel handelt, werden diese durch den KMBD abtransportiert oder vor Ort unschädlich gemacht." Begonnen wurde zunächst entlang der Schienen und der geplanten Baustraße. Anschließend wird die gesamte Fläche des B-Plan 60 Gebietes abgesucht, welche bebaut werden soll. Wie lange dies dauere, hinge von den Funden ab.
Tesla-Shuttle fährt bis August nicht zur Gigafactory
Aktuell fährt der Tesla-Shuttle vom Bahnhof Erkner zum Haltepunkt "Tesla Süd" an der Gigafactory in Grünheide nicht. Dies hat aber nichts mit dem Bombenfund zu tun, verriet Tesla auf Nachfrage. "Die Shuttlebetrieb Einstellung hat nichts mit dem Bombenfund zu tun. Auch der Regionalverkehr ist davon bislang unbeeinträchtigt", heißt es. "Ab spätestens 1. August wird der Shuttle Betrieb wieder von einem Batterie-elektrischen Zug aufgenommen. Bis dahin verkehrt kein Shuttle Zug aufgrund von Fahrzeugverfügbarkeiten."


