Auf dem Gelände der Gigafactory von Tesla in Grünheide ist in der Nacht zu Montag ein Brand ausgebrochen. Die Feuerwehren der Gemeinde Grünheide wurden um 3.33 Uhr von der Werkfeuerwehr von Tesla angefordert. Auf dem Gelände soll ein Papphaufen gebrannt haben. Nach Informationen der Regionalstelle Oderland kamen mehrere Feuerwehren der Gemeinde Grünheide und die Drehleiter aus Erkner zum Einsatz.
Wie Feuerwehrkräfte gegenüber MOZ.de sagten, soll das Feuer seit 7.45 Uhr gelöscht sein. Der Löscheinsatz dauere aber weiter an. Es gebe weiterhin Rauchentwicklungen, heißt es.
Ein Papphaufen steht bei Tesla in Grünheide in Flammen.
Ein Papphaufen steht bei Tesla in Grünheide in Flammen.
© Foto: privat

Grünheide

Gebrannt haben sollen 800 Kubikmeter Papier, Pappe und Holz. Bei der Brandbekämpfung soll auch Löschwasser mit Schaummittel verwendet worden sein. „Es werde geprüft, ob Schredderarbeiten den Brand ausgelöst hätten“, teilte die Polizei mit. Verletzt wurde niemand. Nach Informationen von MOZ.de ist die Kriminaltechnik vor Ort.

37 Feuerwehr-Kräfte aus Grünheide

Insgesamt waren mehr als 50 Feuerwehrleute im Einsatz, darunter zwölf, die für die Werkfeuerwehr von Tesla selbst arbeiten. Die Feuerwehren der Gemeinde Grünheide unterstützten mit 37 Kräften. Zum Brandgeschehen machte Grünheides Wehrleiter Norman Elsner auf Nachfrage keine Angaben und verwies stattdessen an den Landkreis Oder-Spree und das Unternehmen Tesla.

Brandort ist eine Recyclinganlage

Die Stelle, an der es gebrannt hat, befindet sich auf dem nordöstlichen Teil des Fabrik-Geländes. Nach Auskunft von Kreisbrandmeister Klaus-Peter Schulz soll sich dort eine kleine Recyclinganlage befinden. „Dort wird Verpackungsmaterial an Ort und Stelle recycelt und geschreddert.“ Tesla habe damit eine Firma beauftragt.
Aus Feuerwehrkreisen ist zu hören, dass zunächst eine Pressmaschine für Pappe Feuer gefangen habe. Die Reifen der Maschine seien dann aufgrund der Hitze „nach links und rechts explodiert“. Dies habe dann die Pappe und Hackschnitzel in Brand gesetzt.
Laut Schulz befinde sich die Anlage innerhalb eines Betonrings. Das verwendete Löschwasser sei nicht nach draußen gedrungen, es werde von einem Unternehmen abgesaugt. Dieser Vorgang sei bereits im Gange.

Wasserverband WSE reagiert mit „großer Besorgnis“

Beim Wasserverband Strausberg Erkner (WSE) ist man nach dem Begutachten von Drohnen-Aufnahmen von dem Brand allerdings alarmiert. „Also, was dort zu sehen ist, bestätigt deutlich, dass Löschwasser im unbefestigten Bereich versickert“, sagt WSE-Chef André Bähler zu MOZ.de. „In Anbetracht der Tatsache, dass an der Stelle das Grundwasser ungeschützt – also ohne wasserundurchlässige Abdeckung – ansteht, sehen wir das mit großer Besorgnis“, so Bähler.
Auf Drohnenfotos ist zu erkennen, wie Löschwasser auch auf unbefestigte Flächen und an das Löschwasser-Rückhaltebecken und Regenwasserauffangbecken gelangt. Ein Großteil des Geländes liegt im Wasserschutzgebiet.
Auf Drohnenfotos ist zu erkennen, wie Löschwasser auch auf unbefestigte Flächen und an das Löschwasser-Rückhaltebecken und Regenwasserauffangbecken gelangt. Ein Großteil des Geländes liegt im Wasserschutzgebiet.
© Foto: Sven Schuster
Weil auch die belebte Oberbodenzone mit Zustimmung der Unteren Wasserbehörde als Puffer entfernt wurde, stehe dem System keine Barriere zum Rückhalt von Schadstoffen zur Verfügung. „Hier helfen jetzt nur schnelle, beherzte Maßnahmen um ein Eindringen von Schadstoffen in den Grundwasserleiter zu verhindern“, so Bähler.

Gigafactory liegt im Trinkwasserschutzgebiet

Die Gigafactory Fabrik liegt größtenteils in einem Trinkwasserschutzgebiet des Wasserverbandes Strausberg-Erkner. Der WSE versorgt 170.000 Menschen der Region mit Trinkwasser. Giftige Stoffe könnten über das Löschwasser in die unversiegelten Flächen versickern und das Grundwasser gefährden.

Landkreis: Löschwasser gelangt auch ins Erdreich

Im Gegensatz zu den ersten Äußerungen des Kreisbrandmeister, teilte der Landkreis Oder-Spree am Nachmittag mit, dass das Löschwasser nicht nur auf dem Recyclingplatz geblieben ist. „Bei der Bekämpfung des Brandes musste das Brandgut auseinander gezogen werden“, so Kreissprecher Mario Behnke. Dabei seien die Ballen auch in den unbefestigten Bereich neben dem Recyclingplatz gezogen und dort gelöscht worden. „Es konnte daher nicht vollständig vermieden werden, dass Löschwasser auch ins Erdreich gelangt ist.“
Feuer auf Fabrik-Gelände: Gegen 9 Uhr gab es weiterhin Rauchentwicklungen. Verbrannte Papierballen wurden von den anderen mit einem Bagger getrennt.
Feuer auf Fabrik-Gelände: Gegen 9 Uhr gab es weiterhin Rauchentwicklungen. Verbrannte Papierballen wurden von den anderen mit einem Bagger getrennt.
© Foto: Christian Heinig
Die untere Wasserbehörde sei am Morgen vor Ort gewesen. Sie habe angeordnet, dass „alle unbefestigten Bereiche markiert werden und sofort nach Beendigung der Löschmaßnahmen umfangreich ausgekoffert werden und das verbleibende Erdreich beprobt wird“, sagte Kreissprecher Behnke. Die betroffenen Flächen müssten zudem bis zur Auswertung der Bodenanalysen abgedeckt werden. Der beim Löschen eingesetzte Schaumbildner sei so beschaffen, dass er nicht als wassergefährdender Stoff eingestuft ist, heißt es.

Brand nicht der erste Zwischenfall

Das Feuer ist nicht der erste Zwischenfall seit Eröffnung der Gigafactory Ende März. Mitte April waren 15.000 Liter einer Lackierung ausgelaufen, die nach Behördenangaben schwach wassergefährdend gewesen sind. Ende August hatte zudem ein Container mit Abfall auf dem Fabrik-Gelände gebrannt.

Bürgerinitiative fordert Produktionsstopp und Aufklärung

Die Bürgerinitiative Grünheide (BI) fordert einen sofortigen Produktionsstopp: „Unsere schlimmsten Befürchtungen sind wahr geworden. Wir fordern einen Produktionsstopp, bis die Ursachen und Umstände aufgeklärt und alle sicherheitsrelevanten Maßnahmen im Wasserschutzgebiet umgesetzt sind“, sagt Steffen Schorcht von der BI.
Es ist nicht der erste Vorfall im Trinkwasserschutzgebiet: Auf Drohnenvideos ist zu erkennen, wie der Löschschaum auch auf unbefestigte Flächen läuft.
Es ist nicht der erste Vorfall im Trinkwasserschutzgebiet: Auf Drohnenvideos ist zu erkennen, wie der Löschschaum auch auf unbefestigte Flächen läuft.
© Foto: privat
Zuletzt hatte die Grüne Liga beim zuständigen Landkreis Oder-Spree einen Antrag auf Untersagung der Betriebserlaubnis für das Werk eingereicht, nachdem es zum Lackunfall gekommen war. Auch da war anhand von Bildmaterial ersichtlich, dass bei der Betriebsstörung im April der Bereich zwischen der Lackiererei und der asphaltierten Verkehrsfläche noch unbefestigt und nicht – wie in den Antragsunterlagen für eine immissionsschutzrechtliche Genehmigung gefordert – versiegelt war.
Mehr zur Gigafactory von Tesla in Grünheide bei Berlin gibt es auf einer Themenseite.
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