Eskalation
: Ein Angriff auf den Betreuer eines Flüchtlingsheims in Erkner und seine Folgen

Ein Bewohner der Unterkunft lauert einem Betreuer auf und schlägt ihn. Der Vorfall vom Juli verursacht noch Kopfzerbrechen.
Von
Kerstin Ewald
Erkner
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Die Einrichtung in der Erkneraner Walter-Smolka-Straße.

Kerstin Ewald/MOZ

Reichen die Mittel und Personalausstattung, um Geflüchtete mit schweren psychischen Problemen in Erkner zu versorgen? Wird die Gefährdung von Mitarbeitern ausreichend verhindert?

Hintergründe des Übergriffs

Die Auseinandersetzungen trugen sich an drei Tagen im Juli zu und gipfelten am 22. Juli in den gewaltsamen Übergriff. Anwohnern der Smolkastraße konnte der teils lautstark ausgetragene Konflikt nicht verborgen bleiben. Deshalb erklärte sich die Gefas einvernehmlich mit dem betroffenen Betreuer bereit, Hintergründe zu erläutern. Der jetzt 63-jährige Sozialarbeiter mit therapeutischer Ausbildung will namentlich nicht genannt werden.

Zwei Tage vor dem genannten Übergriff sei es im Waschmaschinen-Raum der Unterkunft Smolkastraße zwischen Betreuer und Bewohner zu einer Auseinandersetzung gekommen. Dabei habe der Mann – in jenem Moment noch Bewohner der Einrichtung – seinen Betreuer mit einer Waschmittelflasche geschlagen und eine Drohung gegen dessen Leib und Leben ausgesprochen. „Wir stellten noch am gleichen Tag den Antrag beim Landkreis auf Aufhebung des Nutzungsvertrags und seine Ausweisung aus der Smolkastraße“, erklärt Siegfried Unger, Vorstandsvorsitzende der Gefas. Dem Antrag habe der Landkreis sofort stattgegeben.

Mit Polizeigewalt rausgeworfen

Da der Bewohner nicht ausziehen wollte, wurde er am 21. Juli nach langer Auseinandersetzung von der Polizei aus der Unterkunft geführt. Wieder habe der Mann mehrfach Drohungen gegen Leib und Leben des Betreuers ausgesprochen. Schließlich sei er vom Rettungswagen in die Psychiatrie des Krankenhauses Rüdersdorf eingeliefert, dort aber noch am gleichen Tag entlassen worden. Am nächsten Tag habe der – jetzt ehemalige – Bewohner dem Betreuer auf dessen Arbeitsweg aufgelauert und Fahrgeld von ihm gefordert. Als der Betreuer dieses verweigerte, habe der Mann zu einem Ast gegriffen und den Betreuer mehrfach geschlagen. Der Sozialarbeiter, der sich wegen Verletzungen wie Prellungen drei Wochen krankmelden musste, zeigte den Angreifer an.

Mann ohne Meldeadresse

Siegfried Unger sorgt sich nun um seine Mitarbeiter, zumal der ehemalige Bewohner noch eine weitere Betreuerin bedroht habe. Er hält den Umgang der Sicherheitsbehörden mit dem aggressiven Täter für unzureichend. „Die Polizei will lediglich eine Gefährderansprache machen“, erklärt Unger. Die Polizei will sich auf MOZ-Nachfrage nicht zu dem Fall äußern. Grundsätzlich hält Unger die Übergangseinrichtung in Erkner wegen ihrer Lage und Personalausstattung nicht für Menschen geeignet, die sich drastisch unsozial verhalten oder umfassender psychologischer oder psychiatrischer Hilfe bedürfen. Deswegen habe er schon im Vorfeld mehrfach Verlegungsanträge für den späteren Angreifer gestellt. Wo der Mann mit Aufenthaltstitel bis zum Jahr 2022 zurzeit untergekommen ist, weiß niemand. Über eine Meldeadresse verfügt er nicht, wie der Kreis bestätigt. Vermutlich ist er obdachlos. So kann er zu seiner Sicht der Dinge nicht gefragt werden.

„Bedauerlicher Einzelfall“

Katja Kaiser, Leiterin des Amts für Ausländerangelegenheiten und Integration Oder-Spree, sieht im Erkneraner Übergriff vom Juli einen „bedauerlichen Einzelfall“. Man habe der Gefas einst zugesagt, es müsse wegen des Umfelds der Smolkastraße im Stadtgefüge Erkners eine „sensible Auswahl“ der Bewohner getroffen werden. Wie sich Bewohner später entwickeln, könnte man aber nicht vorhersagen. Psychische Probleme gebe es überall, in Erkner häuften sich aber derartige Fälle nicht. Sie verweist außerdem auf ein Hilfesystem für psychisch Kranke, das auch Geflüchteten offenstünde.

Zur Personalsitation sagte Amtleiterin Katja Kaiser: „Die Personalausstattung in jeder Unterkunft im Kreis geht über das hinaus, was das Land finanziert."  In einem Treffen bei der Gefas Anfang August habe man über Möglichkeiten der Vermeidung solcher Eskalationen beratschlagt.

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⇥(Stand Juni 2020)