Finanzen
: Schwierige Haushaltsdebatte in Woltersdorf

Die Gemeindevertreter haben den Beschluss über den Etat für 2020  vertagt. Extrawünsche müssen eingearbeitet werden
Von
Mara Kaemmel
Woltersdorf
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Gut gelaunt bei der Arbeit: Woltersdorfs Kämmerin Eve Möckel

Mara Kaemmel

Kämmerin formuliert Ziele

In ihrem ersten Haushaltsplan für die Gemeinde und der mittelfristigen Finanzplanung bis 2023  hatte Eve Möckel Ziele für die Gemeinde formuliert - ein Novum. „Ich möchte, dass sich die Gemeindevertreter darüber einig sind, wie sich die Gemeinde entwickeln soll, damit wir die Mittel vernünftig planen können.“ Denn der Haushalt ist angespannt, große Investitionen kann sich Woltersdorf nicht leisten. Die größten Ausgaben sind Personalkosten und die Kreisumlage. Die Kämmerin hat die Einnahmen aus Steuern vorsichtig geplant, eine mögliche Wirtschaftsflaute bereits im Blick. Das Fazit: Bei gering steigenden Erträgen werde auf Dauer kein ausgeglichener Haushalt zu schaffen sein.

Jelle Kuiper (Grüne/B90) stimmte ihr zu: "Wir müssen dringend darüber sprechen, wo wir mit der Gemeinde hinwollen.“ Wie sollen die Infrastruktur, der öffentliche Nahverkehr oder der Tourismus entwickelt werden? Aber weder für ein Ortsentwicklungskonzept noch für ein Radwegekonzept seien Mittel im Haushaltsentwurf  vorgesehen, kritisierte er und erklärte: „Ich werde keinem Haushalt zustimmen, in dem dafür kein Geld eingeplant ist.“ Sein Antrag, 10 000 Euro für einen Ortsentwicklungskonzept einzustellen, wurde angenommen.

Achim Schneider (CDU) konnte sich wenig später mit seinem Antrag auf eine Änderung bei der Sportförderung durchsetzen, die eine Mehrausgabe von rund21 000 Euro zur Folge hat. Elske Hildebrandt (SPD) stellte den Antrag, 5000 Euro für das Sommerfest und 5000 Euro für eine kleinteilige Kulturförderung zur Verfügung zu stellen. Auch diese Anträge wurden angenommen. Karl-Heinz Ponsel (FBW/FDP) äußerte seinen Unmut über die schnell gefassten Beschlüsse: „Ich fühle mich wie auf dem Jahrmarkt, da braucht man über kleinere Einsparungen eigentlich nicht zu reden.“

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Steigende Personalkosten

Stefan Grams (WBF) schlug vor, an anderer Stelle zu sparen - fand aber keinen Zuspruch. Er wollte 1000 Euro weniger bei der Öffentlicheitsarbeit und kritisierte die steigenden Personalkosten, insbesondere für zwei neue Stellen, die geschaffen werden sollen – für einen Informationstechniker und einen Mitarbeiter für das Interne Kontrollsystem (IKS).  „Wir haben die Mittel nicht“, sagte er. Die Bürgermeisterin Margitta Decker widersprach heftig. „Wir brauchen die Stellen, wir können die Aufgaben mit dem vorhandenen Personal nicht bewältigen.“

Mit den zusätzlichen Ausgaben wird der Haushaltsentwurf voraussichtlich ein Minus ausweisen. „Wenn wir einen ausgeglichenen Haushalt erreichen wollen, müssen wir bei der nächsten Sitzung beraten, ob wir die Einnahmen erhöhen können“, sagt die Kämmerin. Mehr Einnahmen lassen sich für die Gemeinde etwa über höhere Steuern, Gebühren oder Fördermittel generieren.

Woltersdorfs neue Kämmerin

Die Wirtschaftsjuristin Eve Möckel (34) hat im November den Posten als Kämmerin in Woltersdorf übernommen. Zuvor war sie zehn Jahre lang an der Technischen Universität als Teamleiterin für Drittmittelverwaltung zuständig. "Auch dort hatte ich  mit Haushaltsrecht zu tun, das war inhaltlich ähnlich", sagt sie.  Warum sie die Stelle in Woltersdorf angenommen hat? "Ich wollte mich weiterentwickeln", sagt sie, "und mich reizt es, dass ich die Gemeinde mitgestalten kann."  Sie hat sich zum Ziel gesetzt, den Haushaltsplan auf stabile Füße zu stellen. Die noch fehlenden Jahresabschlüsse seit 2014 sollen in den nächsten zwei Jahren fertiggestellt werden. "Ich möchte künftig auch den Haushaltsentwurf für das kommende Jahr bereits im Juni vorlegen, damit er bis zum Jahresende beschlossen werden kann." Eve Möckel hat einen fünfjährigen Sohn und lebt mit ihrer Familie in Fredersdorf Für Hobbys bleibt ihr neben Arbeit, Haus und Familie wenig  Zeit. "Ich arbeite aber sehr gern im Garten."⇥mk