Flughafen BER
: Ryanair nennt es Diskriminierung - neuer Zoff um Nachtflugverbot

Am Flughafen BER in Schönefeld gibt es erneut Ärger um das Nachflugverbot. Ryanair konnte nicht starten und schäumt. So reagiert die Deutsche Flugsicherung.
Von
Maria Häußler
Schönefeld
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Ein Flugzeug von Ryanair wird am Freitag (17.12.2010) auf dem Flughafen in Schönefeld entgeist, während davor ein Räumfahrzeug über die Piste fährt. Trotz der Witterungsbedingungen verlief der Flugverkehr auf dem Airport Berlin-Schönefeld weitgehend normal. Foto: Bernd Settnik dpa/lbn ++ +++ dpa-Bildfunk +++

Kein Start in Schönefeld: Die Enteisung am Berliner Flughafen hat bei starkem Schneetreiben zu lange gedauert. Ein Flug von Ryanair konnte deshalb nicht abheben – und sorgt für Ärger. (Archivbild)

Bernd Settnik/dpa
  • Ryanair beschwert sich über das Nachtflugverbot am Flughafen BER wegen Verzögerungen durch Enteisung.
  • Deutsche Flugsicherung weist Vorwürfe zurück und verweist auf Zuständigkeit der Luftfahrtbehörde.
  • Ryanair fordert Reform des Nachtflugverbots und ermutigt Passagiere, sich an Verkehrsminister Wissing zu wenden.
  • Fluglinie plant, Angebot am BER im Sommer zu reduzieren.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Fluggesellschaft Ryanair hat sich erneut über das Nachtflugverbot am Flughafen BER beschwert. Ende Januar ging es noch um eine Maschine, der wegen einer Verspätung die Landung verweigert wurde. Sie musste nach Hannover ausweichen. Auslöser diesmal ist, dass der Ryanair-Flieger mit der Nummer FR177, der am Donnerstagabend (13.2) von Schönefeld Richtung London abheben sollte, am Boden bleiben musste.

Geplant war der Start am BER in Schönefeld im aktuellen Fall ursprünglich um 21.25 Uhr. Laut Ryanair kam es „durch lange Enteisungsschlangen nach starkem Schneefall“ zu einer Verspätung. „Obwohl das Flugzeug 45 Minuten vor dem Beginn des Nachtflugverbots in Berlin abflugbereit war, weigerte sich die Berliner Flugsicherung, das Flugzeug zu seinem Enteisungsplatz rollen zu lassen“, heißt es in der Pressemitteilung von Ryanair weiter. Laut Ryanair hätte sich der Abflug so auf 15 Minuten nach Beginn des Nachtflugverbots verzögert. Ein Antrag auf Ausweitung der Startzeit sei abgelehnt worden.

Laut Ryanair durften andere Flüge in der Sperrzeit starten

Weiterhin ist die Rede von „Inkonsequenz bei der Anwendung der Nachtflugregelungen“, da andere Fluggesellschaften wie Condor „weit über die Sperrzeit hinaus“ abfliegen durften. Diese Anwendung der Regelung sei „unangemessen und diskriminierend“.

Stefan Jaekel, Pressesprecher der Deutschen Flugsicherung (DFS), nimmt zu den Vorwürfen Stellung: „Die ständigen Angriffe auf die Berliner DFS zeigen einmal mehr, dass Ryanair offenbar immer noch nicht die Zuständigkeiten und Betriebsabläufe am Berliner Flughafen kennt.“ Die DFS sei nicht für die Ausnahmegenehmigungen rund um die Nachtflugbeschränkungen zuständig. Diese erteile die Luftfahrtbehörde Berlin Brandenburg.

Ryanair nennt in der Pressemitteilung explizit die „Berliner Flugsicherung“ und den Bundesverkehrsminister Volker Wissing. Auf Nachfrage antwortet ein Pressesprecher der Fluggesellschaft: „Wir sprechen in erster Linie Herrn Wissing an. Natürlich sind wir uns bewusst, dass da weitere Instanzen, wie die Deutsche Flugsicherung, die Berliner Flugsicherung etcetera involviert sind.“ Ryanair ginge es um eine Reform des Nachtflugverbots in Berlin. „Wir sprechen in diesem Sinne alle an“, so der Ryanair-Sprecher.

Die Airline ermutigt alle Passagiere, „die durch die übermäßig strenge und uneinheitlich angewandte Nachtflugregelung am Berliner Flughafen beeinträchtigt wurden, sich an Verkehrsminister Dr. Wissing zu wenden und ihn aufzufordern, dringend Maßnahmen zur Reform der Flugsicherung zu ergreifen und eine faire Behandlung aller am Berliner Flughafen tätigen Fluggesellschaften sicherzustellen“, heißt es in der Mitteilung.

DFS bezeichnet Pressemitteilung als „fragwürdig“

In Bezug auf die Enteisung sagt Jaekel von der Deutschen Flugsicherung, dass WISAG, ein Dienstleister des Flughafens, die Reihenfolge vorgibt. „Wir arbeiten sie nur ab“, sagt er. Die DFS-Kolleginnen und Kollegen in der Kanzel hätten an diesem Tag mit außergewöhnlichem Schneefall „maximalen Einsatz“ gezeigt und „einen exzellenten Job“ gemacht. „Dafür von der Ryanair fälschlicherweise angegriffen zu werden, ist ein Affront für unsere Kolleginnen und Kollegen und sagt eigentlich alles über Ryanair und die fragwürdigen Pressemitteilungen, die diese Airline in den letzten Tagen und Wochen veröffentlicht.“

Planmäßige Flüge sind am BER nur zwischen 6 und 22 Uhr erlaubt, bis 0 Uhr dürfen verspätete Flugzeuge landen oder starten. Das Nachtflugverbot gilt zwischen 0 und 5 Uhr und soll die Anwohner vor Fluglärm schützen. Die Maschine, die in Hannover gelandet ist, befand sich laut Medienberichten um 23.59 im Landeanflug über Berlin.

Ryanair will Angebot am BER reduzieren

Die Billigfluglinie Ryanair kommt aus Irland und hat ihren Sitz in Dublin. Sie ist derzeit der größte Anbieter am Berliner Flughafen in Schönefeld, noch vor EasyJet. Ryanair kündigte allerdings an, sein Angebot am BER im Sommer zu reduzieren. „Grund dafür sind die horrenden Zugangskosten, die von der deutschen Regierung und dem Flughafenmanagement nicht gesenkt werden konnten“, teilte das Unternehmen mit. Die Zahl der in Berlin stationierten Flugzeuge soll deshalb von derzeit neun auf dann sieben sinken.