Frauentag in Königs Wusterhausen
: Frauen in Männerjobs – von Harley-Davidson bis Flugzeugbau

Sie haben keine Angst vor Schweiß und krempeln die Ärmel hoch, um anzupacken. Zum Frauentag zeigen Powerfrauen aus Königs Wusterhausen und Schönefeld ihre harten Jobs.
Von
Jana Scholz
Königs Wusterhausen
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Romy und Lisa sind beides Powerfrauen, die ihr berufliches Glück in Jobs gefunden haben, die normalerweise eher männlich sind.

In Schönefeld und Königs Wusterhausen am Werk: Romy und Lisa sind beides Powerfrauen, die ihr berufliches Glück in Jobs gefunden haben, die normalerweise eher männlich sind.

Fotos und Montage: Jana Scholz
  • Romy (37) und Lisa (23) arbeiten in typischen Männerberufen in Königs Wusterhausen und Schönefeld.
  • Romy lackiert Leder für Privatjets, arbeitet seit 2009 bei F/List und liebt ihren Job.
  • Lisa, bald Zweiradmechanikermeisterin, schraubt in der Harley-Station an Motorrädern.
  • Beide Frauen folgen familiären Vorbildern und setzen sich in ihren Berufen durch.
  • Harley-Night am 14. März in Königs Wusterhausen: Event für Harley-Fans.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Was können Männer besser als Frauen? Nichts! Denn im 21. Jahrhundert muss in vielerlei Hinsicht gar nicht mehr unterscheiden werden, ob bestimmte Tätigkeiten nun besser von Frauen oder Männern erledigt werden können. Erst recht nicht, wenn es um den Job geht.

Allerdings begleitet Frauen immer noch das Klischee, besser in einem warmen Büro zu sitzen – oder es typisch weiblich sei, als Erzieherin Kinder anderer Menschen zu betreuen. Doch Frauen können mehr als das. Sie machen sich gerne auch mal die Hände schmutzig und ertragen blöde Sprüche aus der Männerwelt. Denn es gibt sie, die Frauen, die mit ihrem Traumberuf aus der Rolle fallen und lieben, was sie tun.

Romy macht’s mit Lack und Leder in Schönefeld

So wie Romy, 37 Jahre, zweifache Mutter und gelernte Malerin und Lackiererin. Seit Ende ihrer Ausbildung im Jahr 2009 arbeitet sie bei der Firma F/List in Schönefeld, die sich auf den Innenausbau von Flugzeugen spezialisiert hat. „Als ich angefangen habe, haben wir den Flugzeugen innen und oder außen einen neuen Anstrich verpasst“, erzählt Romy im Gespräch mit unserem Medienhaus. „Inzwischen habe ich mich aber auf das Lackieren von Leder spezialisiert und hauche so dem edlen Innenleben eines Privatjets neues Leben ein.“

Der Weg zum Traumberuf war einfach. Romy hat auf ihre Eltern geschaut – und wusste so genau, worauf sie Lust hat und worauf eher weniger. „Meine Mutter arbeitet als Steuerfachangestellte, wälzt Akten und sitzt viele Stunden still am Schreibtisch, das ist so gar nichts für mich“, erzählt sie. „Mein Vater, der ist auch Maler und Lackierer. Das fand ich als Kind schon spannend, dass man etwas mit seinen Händen machen kann, dass man am Ende auch direkt sieht.“ Damit war der Weg geebnet und Romy lernte zwischen vielen Männern ihren Traumberuf.

Romy führt bei der Firma F/List in Schönefeld Arbeiten für besonders anspruchsvolle Kunden aus. Wo sie Hand anlegt, wird das Ergebnis meistens perfekt.

Romy führt bei der Firma F/List in Schönefeld Arbeiten für besonders anspruchsvolle Kunden aus. Wo sie Hand anlegt, wird das Ergebnis meistens perfekt. Das Ausbessern dieser kleinen Stelle hat übrigens einen Zeitaufwand von etwa zehn Stunden.

Jana Scholz

Auch wenn die zierliche Frau anfangs von ihren Kollegen belächelt wurde, weil viel über Kopf gearbeitet wird und man auch schwere Dinge wie Farbeimer von A nach B getragen werden müssen, hat sich Romy durchgesetzt. „Ich konnte meine männlichen Kollegen immer schnell beruhigen und habe ihnen gezeigt, was ich kann – nämlich anpacken ohne zu jammern“, freut sie sich.

Dekadenz im Handwerk – ein mit Leder bezogener Toilettendeckel

Das muss Romy auch. In den vergangenen Jahren hat sie sich bei ihrem Arbeitgeber darauf spezialisiert, Leder zu lackieren. Sie bearbeitet die einstige Rinderhaut, die beispielsweise als bequeme Sitzmöbel in Privat- oder Geschäftsmaschinen verbaut wird, in die Wunschfarbe des jeweiligen Kunden. Als wir sie in Schönefeld während der Arbeit treffen, arbeitet Romy gerade an einem mit Leder bezogenen Toilettendeckel.

Romy arbeitet mit Hingabe und Sorgfalt mit ihren Werkstoffen "Lack und Leder" und gerade weil sie so viel Weiblichkeit mit in die Sprühkabine nimmt, können ihre männlichen Kollegen ihr nichts vormachen.

Romy arbeitet mit Hingabe und Sorgfalt mit ihren Werkstoffen "Lack und Leder" und gerade weil sie so viel Weiblichkeit mit in die Sprühkabine nimmt, können ihre männlichen Kollegen ihr nichts vormachen.

Jana Scholz

Über Preise für die Bearbeitung wird nicht gesprochen, das ist ein Berufsgeheimnis. Die Flugzeuge, dessen Interieur Romy bearbeitet, sind meistens die Fabrikate „Challenger“ oder „Global“ und gehören nicht zu bekannten Flotten wie Lufthansa oder EasyJet. Es sind meistens Firmen- oder Privatjets, erklärt Romy die Kundenklientel. Ihren Job mag sie sehr, aber das Fliegen findet sie äußerst unbehaglich und bleibt lieber am Boden. „Ich bin nicht wirklich fürs Fliegen gemacht, aber die Arbeit an den vielen unterschiedlichen Flugzeugen macht mir unwahrscheinlich viel Spaß.“

Lisa ist 23 Jahre jung und liebt die Freiheit

Ebenfalls viel Spaß bei der Arbeit hat die 23-jährige Lisa. Und das, obwohl sie wahrlich den Traum fast jeden Mannes leben darf. Sie verdient ihren Lohn nicht nur damit, pausenlos an Motorrädern zu schrauben – es handelt sich zudem um das Symbol der Freiheit: Harley-Davidson. Nach einer erfolgreichen Ausbildung zur Zweiradmechanikerin, die Lisa in der Harley Stadtion am Bahnhof Königs Wusterhausen absolvier hat, hat sich die knapp 160 Zentimeter große Frau entschieden, direkt ihren Meister dranzuhängen. In wenigen Wochen wird sie eine der wenigen Meisterinnen ihres Fachs, Zweiradmechanikermeisterin, sein.

Wie Romy kam auch Lisa durch ihren Vater zu ihrem Traumjob. „Mein Papa hat immer an seinen Mopeds geschraubt, das waren meist die Fabrikate MZ“, erzählt sie. Deswegen ist ihr Meisterstück natürlich eine alte MZ, die sie in Eigenregie als Meisterstück von Grund auf neu aufgebaut hat – als Chopper. „Es ist quasi eine Hommage an meinen Papa und so schließt sich der Kreis“, strahlt sie.

Sie liegt in den letzten Zügen – die MZ als Chopper-Umbau. Es ist das Meisterstück der 23-jährigen Lisa, die demnächst den Titel Zweiradmechanikermeisterin tragen wird.

Sie liegt in den letzten Zügen – die MZ als Chopper-Umbau. Es ist das Meisterstück der 23-jährigen Lisa, die demnächst den Titel Zweiradmechanikermeisterin tragen wird.

Lisa von der Harley Station

Harley-Davidson war eher ein Zufall

Sie sagt, dass ihr das Schrauben schon immer großen Spaß gemacht hätte und es deswegen nahe lag, eine Ausbildung im KfZ-Bereich zu machen. Dass es dann bei der Kultmarke Harley-Davidson geklappt hat, ist für die Mittenwalderin eher Zufall gewesen. Für die Inhaber der Harley-Station war klar, dass die talentierte junge Frau die Richtige für den Job ist. Sie brachte erste Vorkenntnisse und Lernbereitschaft mit und wollte direkt klarstellen, dass für sie nur der Meisterbrief die Erfüllung bringt und sie allein als Gesellin nicht glücklich werde. Gesagt, getan – und mit gerade einmal 23 Jahren.

Leidenschaft und Hingabe – wenn Lisa in der Harley Station in der Werkstatt schraubt und die fetten Bikes zum Laufen bringt, ist das für sie pure Erfüllung.

Leidenschaft und Hingabe – wenn Lisa in der Harley Station in der Werkstatt schraubt und die fetten Bikes zum Laufen bringt, ist das für sie pure Erfüllung.

Jana Scholz

In der Berufs-, aber auch in der Meisterschule ist Lisa während der Ausbildung die einzige Frau. Genau wie in der Harley-Werkstatt. Als „Ölwechslerin“ oder „Getriebetauscherin“, wenn es diese Verweiblichung in der Gendersprache wirklich benötigt. Probleme mit männlichen Kollegen hatte sie bisher noch nie – im Gegenteil. Die holen sich bei ihr Tipps und gucken sich einige Fingerfertigkeiten ab. „Als Frau habe ich die nötige Ausdauer, kleinteilige Arbeiten mit Ausdauer und der nötigen Ruhe durchzuziehen. Außerdem kann ich durch meine nicht ganz so großen Hände filigraner arbeiten als die meisten meiner Kollegen“, lacht sie.

Lisa fährt selbst eine Harley-Davidson Sporster S

Wenn Lisa mit ihrem Meisterstück fertig ist, freut sie sich schon auf die anstehende Motorradsaison. Sie schwärmt von einer Ausfahrt in den Harz, die sie mit ihrer eigenen Harley-Davidson Sporster S gemacht hat. „Das ist ein Freiheitsgefühl, dass man da erlebt, das macht schon was mit einem. Und wenn jetzt die Saison wieder losgeht, dann geht es hier für mich auch wieder los.“ Statt sich nach der einjährigen Vollzeitausbildung zur Meisterin erst einmal etwas Urlaub zu gönnen, will Lisa in der Werkstatt der Harley-Station gleich wieder voll durchstarten.

Lisa in der Männerwelt: Hier erklärt sie einem Kollegen, welches Teil welchen Nutzen hat und warum es wichtig ist, regelmäßige Wartungen durchzuführen.

Lisa in der Männerwelt: Hier erklärt sie einem Kollegen, welches Teil welchen Nutzen hat und warum es wichtig ist, regelmäßige Wartungen durchzuführen.

Jana Scholz

Aber vorher wird noch gefeiert bei der großen Harley-Night am 14. März ab 16 Uhr in der Harley-Station in Königs Wusterhausen. Harley-Fans, Harley-Fahrer und die, die es noch werden wollen, haben an diesem Tag die Möglichkeit, sich alle vorrätigen Modelle anzusehen und bei coolen Drinks, krassen Beats und reichlich Fingerfood die Motorradsaison 2025 einzuläuten.