Gigafactory Grünheide: „Heil Tesla“-Bild mit Elon Musk an der Außenwand – echt oder Fake?

„Heil Tesla“: Elon Musk hatte mit einer Hitlergruß-ähnlichen Geste für Aufsehen gesorgt. Nun machen Fotos von einer angeblichen Projektion auf der Gigafactory Grünheide die Runde. Ist es fake?
Sceenshot Led by Donkeys auf "X"/Christian Heinig- Elon Musk sorgt mit Hitlergruß-ähnlicher Geste bei Trumps Amtseinführung für Kritik.
- Künstlerkollektiv projiziert "Heil Tesla"-Bild an Gigafactory Grünheide.
- Polizei vermutet gefälschte Bilder, Ermittlungen laufen noch.
- Historiker uneinig über die Bedeutung der Geste.
- Musk weist Vorwürfe zurück, nennt sie "langweilig" und fordert "bessere Tricks".
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Hitler-ähnliche Geste, mit der Elon Musk bei der Amtseinführung des US-Präsidenten Donald Trump aufgefallen war, zieht weitere Kreise. Nun sind auf Social-Media-Kanälen der deutschen und britischen Aktionskünstler vom „Zentrum für politische Schönheit“ und „Led by Donkeys“ Fotos aufgetaucht, die eine Projektion an der Fassade der Gigafactory Grünheide zeigen.
Zu sehen ist darauf ein „Heil Tesla“-Schriftzug an einem Fabrik-Gebäude, daneben ein projiziertes Bild von Musk mit ausgestrecktem rechten Arm.
"Heil Tesla" an der Tesla-Gigafactory? Das sagt die Polizei
Die Fotos werden seit Mittwochabend (22. Januar) sowohl auf Facebook als auch auf Musks Plattform „X“ verbreitet und wurden binnen Stunden tausendfach geteilt. Zu Beginn war unklar, ob es die Laser-Installation am Werk in Grünheide tatsächlich gegeben hat.
Ein Sprecher der Brandenburger Polizeidirektion Ost hatte am Donnerstagvormittag (23. Januar) gegenüber diesem Nachrichtenportal zunächst angegeben, man gehe von „gefakten Bildern“ aus. Auch der Wachschutz von Tesla soll laut Medienberichten von einem Fake gesprochen haben.
Die Prüfung des Sachverhaltes dauert an, teilte die Polizeidirektion dann am Nachmittag mit. „Nach rechtlicher Würdigung der zuständigen Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) begründet die Projektion mit mehreren durch bislang Unbekannte hinzugefügten Schriftzügen und die Verbreitung der Bilder im Netz zumindest den Anfangsverdacht des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen“, heißt es außerdem. Der Staatsschutz ermittele nun, noch gegen Unbekannt. Zum Echtheitsgrad der Aufnahmen machte die Polizei keine weiteren Angaben.
Tesla-Aktion: Aktivisten haben „eine Stunde Kunst gemacht“
In der Zwischenzeit hatten sich auch die Aktivisten zu Wort gemeldet. Sie widersprachen den Erstmeldungen, wonach es sich bei den Bildern um ein Fake handele. Ihnen zufolge soll die Aktion mit der Videoprojektion am Werk in Grünheide stattgefunden haben. Das bestätigte ein Sprecher des „Zentrums für politische Schönheit“ gegenüber dem „Tagesspiegel“. Die Aktivisten von „Led by Donkeys“ seien vor Ort gewesen, heißt es, auch eine Drohne sei zum Einsatz gekommen. Ab 20 Uhr seien die ersten Aufnahmen gemacht worden.
Auf Instagram wurden entsprechende Fotos gepostet, die die Aktion dokumentieren sollen. Auch auf „X“ sind Videos von der Aktion zu sehen. „Wir haben gestern über eine Stunde aus der Tesla Gigafactory in Berlin Kunst gemacht“, heißt es dazu.
Elon Musk: Nazi-Gruß wie bei Hitler – Historiker uneins
Ob echt oder unecht – sicher scheint in jedem Fall, dass die Kunstaktivisten mit ihrer Aktion bewusst auf Elon Musks zunehmende Nähe zum Rechtspopulismus hinweisen wollen. Der Tech-Milliardär ist schon häufiger durch rassistische Posts auf „X“ (ehemals twitter) aufgefallen. Zudem sucht er gezielt die Nähe zu Parteien am rechten Rand, darunter der AfD in Deutschland. Seine Geste bei der Inauguration von Trump sorgte für teils heftige Kritik.
Umstritten ist, ob es sich um eine bewusste faschistische Geste handelte. Laut der US-Historikerin Claire Aubin sei der Gruß von Musk in der Tat ein „Sieg Heil“ wie bei Hitler gewesen. „Nach meiner professionellen Einschätzung haben sie alle Recht“, schrieb sie beim Onlinedienst „X“. Auch andere Forscher wie Ruth Ben-Ghiat nannte die Geste einen „Nazi-Gruß“. Dieser sei zudem ziemlich "aggressiv" gewesen. Doch es gab auch gegenteilige Interpretationen. Der Historiker Aaron Astor sprach von einer „ungeschickten Geste“.
Musk selbst hatte die Kritik zurückgewiesen: Seine Gegner bräuchten „bessere schmutzige Tricks“, schrieb er bei „X“. Der „‚Jeder ist Hitler‘-Angriff“ seiner Gegner sei „sooo langweilig“, fügte er hinzu.
Holocaust-Mahnmal neben Wohnhaus von Björn Höcke
Was Musk über das „Heil Tesla“-Bild an seiner Grünheider Fabrik denkt, ist bislang offen. Noch hat er nicht auf die Posts reagiert.
Das „Zentrum für politische Schönheit“ als einer der Urheber ist für Aktionen dieser Art bekannt. 2017 etwa hatten Aktionskünstler der Gruppe neben dem Wohnhaus des Thüringer AfD-Chefs Björn Höcke ein Holocaust-Mahnmal errichtet. Das andere Künstlerkollektiv „Led by Donkeys“, das sich 2018 in Großbritannien gegründet hat, ist ebenfalls schon in Erscheinung getreten – sogar mit Tesla-Bezug. So hatten Aktivisten der Gruppe erst im Januar Musk-kritische Videoprojektionen am europäischen Sitz des US-Unternehmens in Amsterdam gezeigt.
In Grünheide haben sich die Künstler für ihre Aktion nicht das Hauptgebäude ausgesucht, in dem die E-Autos gefertigt werden, sondern die Batteriefabrik. Diese steht direkt an der Landesstraße L38 und trägt wie die Produktionshalle einen "Tesla"-Schriftzug.

Tesla in Grünheide: Das Gebäude der Batteriefabrik steht direkt an der Landesstraße L38. Auf die Außenwand haben die Aktionskünstler offenbar ihre Videoprojektion geworfen.
Christian HeinigTesla betreibt in Grünheide sein bislang einziges europäisches E-Auto-Werk. Die „Giga Berlin“ hatte im März 2022 mit der Produktion begonnen. Die Ansiedlung gilt als umstritten und hat schon mehrfach für Protest gesorgt.

