Goltz Baude in Berlin-Spandau: 130 Jahre Kneipe – wie sie allen Problemen trotzt

130 Jahre gibt es die Goltz Baude in Hakenfelde schon. Ein Ende für den Betrieb in Berlin-Spandau ist nicht in Sicht. Wie schafft die Kneipe das?
Kai Wielert- Die Goltz Baude in Berlin-Spandau existiert seit 130 Jahren und trotzt den Schließungen anderer Kneipen.
- 1966 hörte die Familie Strauch auf, die Kneipe direkt zu führen, und verpachtet sie seitdem.
- Helga Strauch ließ den Pachtvertrag zum Juli 2024 auslaufen; neue Pächterin ist Lydeven K.
- Lydeven K. führt seit acht Jahren die Kiezkneipe Norberts und hat die Goltz Baude renoviert.
- Die Kneipe bleibt ein beliebter Treffpunkt in Hakenfelde trotz Lärmbeschwerden.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Als Hermann Strauch 1894 in Berlin das Restaurant „Hermanns Baude“ eröffnete, wurde das Lokal noch mit Kutschen beliefert. Nebenan ist durch die Streitstraße die Straßenbahn gefahren. Seitdem hat sich in der Goltzstraße im Spandauer Ortsteil Hakenfelde einiges geändert. Die Straßenbahn musste den Autos weichen, aus dem Restaurant wurde die Kneipe Goltz Baude.
Inhaberin Helga Strauch – Hermann Strauch ist der Opa ihres verstorbenen Mannes – möchte ihr genaues Alter nicht verraten. Was sie aber sagt: Würde ihr Mann noch leben, wäre sie seit 62 Jahren mit ihm verheiratet gewesen. Seit Hermann Strauch die Kneipe vor 130 Jahren eröffnete, wohnen Strauchs immer nebenan in einem kleinen Haus. So wie Helga Strauch heute noch.
Immer wieder neue Pächter in Kneipe in Spandau
„So wahr ich hier sitze, ich fühle mich sehr wohl“, betont die Rentnerin. Ihr gefalle es, die vielen Menschen aus der Kneipe zu treffen, besonders, wenn sie in ihrem kleinen Vorgarten sitzt. Manchmal verwechseln Kneipenbesucher die Eingänge und klingeln bei ihr Zuhause, sie antworte dann immer: „Tut mir leid, ich hab’ kein Bier.“
Bis 1966 wurde die Kneipe direkt von der Familie Strauch geführt. Ihr Mann habe darauf aber keine Lust mehr gehabt. „Mein Mann wollte nicht, aber ich hätte es gemacht“, sagt Helga Strauch. Seitdem verpachten sie das Lokal. Das ging lange Zeit auch gut, mit den Pächtern hätten sie sich immer gut verstanden. Doch vor einigen Jahren habe sich die Situation verschlechtert.

Damals hieß die Kneipe in Spandau noch „Hermanns Baude“. Ob das Foto bei der Eröffnung gemacht wurde, ist nicht ganz klar, viel später war es aber nicht.
Helga Strauch„Die Baude ist immer voll“, sagt Strauch, auch in schweren Zeiten. Probleme hatte die Familie trotzdem, denn im Hintergrund gab es Unstimmigkeiten über die Finanzen. Eine Weile sei das noch gut gegangen, irgendwann musste Strauch aber die Reißleine ziehen. Zum Juli 2024 ließ sie den Pachtvertrag auslaufen.
Seit Kurzem ist die Familie wieder optimistisch zur Zukunft der Kneipe gestimmt. Lydeven K. hat den Laden übernommen. Sie hatte bereits einiges an Erfahrung mitgebracht. Sie führt seit acht Jahren die Kiezkneipe Norberts in der Falkenhagener Straße in Spandau.
Wo sich die Kneipe Goltz Baude in Spandau befindet:
Die erste Verbesserung nach der Übernahme liegt auf der Hand: Bei den Finanzen sind sich beide Seiten einig. Aber auch darüber hinaus krempelt die neue Pächterin den Laden um. Regelmäßig gibt es jetzt besondere Veranstaltungen, so etwa eine Halloween-Party oder „Haxe essen“ zum Oktoberfest. Sie hat die Ladenfläche renoviert, den Fußboden neu gemacht, alle Wände gestrichen und zusätzliche Dartscheiben angeschafft.
Spandau funktioniert anders als das restliche Berlin
„Ich bin eine Verfechterin der Kiezkneipe und der Kultur der Kiezkneipe“, sagt sie. Deshalb sei die Goltz Baude ein Herzensprojekt für sie. „Für viele ist das hier ein zweites Wohnzimmer.“ In der Kneipe gebe es noch richtige Gespräche zwischen allen Gesellschaftsschichten und Altersgruppen, keiner sitze einfach nur am Handy. „Die Dame, die vorne sitzt, hatte Montag Geburtstag und ist 92 geworden“, sagt die Wirtin im Gespräch. Die ganze Baude habe mit ihr gefeiert.
Aber wieso läuft die Goltz Baude regelmäßig über, während andere Kiezkneipen in Berlin schließen müssen? „Hier hast du wirklich noch Alteingesessene“, sagt Lydeven K. Für die sei die Baude einfach ein Begegnungsort. In anderen Bezirken und auch anderen Ortsteilen in Spandau lebten die Menschen viel verstreuter, die Gesellschaft in Hakenfelde sei sehr eng verstrickt. „Es ist einfach eine Gemeinschaft, die sich hier trifft.“
Anwohner in Spandau haben Probleme mit der Lautstärke
Oft müssen in Berlin auch gut besuchte Kneipen schließen, weil die Anwohner Probleme mit der Lautstärke haben. Auch die Goltz Baude schießt dabei übers Ziel hinaus, manchmal beschweren sich die Nachbarn direkt bei der Familie Strauch. „Dann sollen sie die Polizei rufen, wenn es zu laut ist, mir tun sie damit nichts Böses“, sagt Helga Strauch. Bisher habe sich aber niemand amtlich beschwert.

