Wohnen in Berlin-Spandau: Frust in Haselhorst – wird der Ortsteil zum Ghetto?

Im Ortsteil Haselhorst in Berlin-Spandau steigen die Mieten, während kaputte Heizungen und Vermüllung das Wohnumfeld verschlechtern. Bürger verlieren zunehmend die Hoffnung, dass sich dies ändert. Warum? (Symbolbild)
picture alliance/dpa/Wolfgang Kumm- In Haselhorst, Berlin-Spandau, steigen Mieten bei schlechterer Wohnqualität.
- Neubauprojekte wie Waterkant und Speicherballett verändern den Ortsteil.
- Bürger beklagen Müll, kaputte Heizungen und Rattenplagen.
- SPD plant Verbesserungen, u.a. durch das Bundesprogramm „Wachstum und nachhaltige Erneuerung“.
- Bewohner sollen sich bei Partizipationen einbringen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Steigende Mietpreise, kaputte Heizungen und Vermüllung sind einige Probleme im Spandauer Ortsteil Haselhorst. Neben bezahlbaren Wohnraum wünschen sich Bürgerinnen und Bürger auch, dass ihr Berliner Kiez wieder lebenswert wird. Ihre Hoffnung auf Besserung schwindet.
In Haselhorst wird viel gebaut. Waterkant und das Quartier Speicherballett sind nur zwei Beispiele. Dennoch scheint Haselhorst oft im Schatten des Siemensstadt Squares zu stehen, sagt Stephan Machulik (SPD), Staatssekretär für Wohnen und Mieterschutz, auf der Diskussionsveranstaltung „Wohnen in Haselhorst“.
Neubau in Haselhorst – Veränderungen und Ängste in Berlin-Spandau
Neubau bedeutet neue Dynamiken im Viertel, führt Machulik aus. Er weiß jedoch auch, dass Veränderungen Ängste mit sich bringen können. Am Donnerstagabend (10. Oktober 2024) hatte die SPD Haselhorst-Siemensstadt zum Dialog in die evangelische Weihnachtskirchengemeinde geladen, um ein offenes Ohr für die Sorgen der Anwohnenden zu zeigen.

Miloslava Büger, Bezirksverordnete und Vorsitzende der SPD Haselhorst-Siemensstadt (Zweite v. l.) und Bezirksverordneter Miodrag Nikolic (l.) diskutieren mit Stephan Machulik (SPD) (Zweiter v. r.) über die Wohn- und Lebensqualität in Haselhorst. Moderiert wurde der Dialog von Michael Wetzel (r.).
Jessica NeumayerRund 15 Personen sind der Einladung gefolgt. Die dominierenden Themen des Abends: der Wandel der Bevölkerungsstruktur in Haselhorst, Mieterhöhungen und die zunehmend vermüllte Umgebung.
Roland Knödler wohnt schon seit über 50 Jahren in seinem Kiez. Er bemängelt, dass ein Zuzug „bestimmter Personengruppen“ bemerkbar ist. „Wenn wir so weiter machen, werden wir in ein Ghetto abrutschen.“
Im vorletzten Schreiben seines Vermieters sei eine Mieterhöhung im Rahmen des Kooperationsvertrags mit dem Land Berlin angekündigt worden, um Neubauprojekte zu finanzieren. „Das verstehen viele Mieter nicht“, sagt Knödler.
Er könnte Mieterhöhungen nachvollziehen, wenn sie notwendig sind oder deutlich wird, dass damit etwas für die Mieter getan wird. Doch das sehe er nicht. Es gebe kaum noch anständige Geschäfte oder schöne Orte, an denen sich Menschen aufhalten können.
Ratten und Mieterfrust im Stadtteil Haselhorst in Spandau
Auch Andreas H. hält sich nicht mehr gerne in seinem Kiez auf. Die Abwärtsspirale habe er seit 60 Jahren mitansehen können. „Bei der nächsten Ratte, die ich sehe, rufe ich gleich das Gesundheitsamt an“, macht er seinem Ärger über die Handlungsohnmacht der Wohnungsvermietungen Luft.
Mit seinem Wohnungsunternehmen habe er meist nur über externe Dienstleister Kontakt. Seit zwei Jahren habe er Ärger mit seiner Heizkostenabrechnung. Auch Mängel im Außenbereich der Gebäude meldet er regelmäßig dem Dienstleister der Hausverwaltung – ohne Erfolg.

Durch auf die Straße geworfenen Müll werden verschiedene Ecken Spandaus zum Paradies für Nagetiere. Ein Anwohner in Haselhorst beklagt, dass nichts gegen die Rattenplage unternommen wird. (Symbolbild)
Jessica NeumayerDie Entscheidung der landeseigenen Wohnungsunternehmens, Dienste wie Hausreinigung, Winterdienst und Hausmeistertätigkeiten zu privatisieren, führt zu allgemeinem Unmut. Die Dienstleister kämen ihren Aufgaben nicht hinterher. Zustimmendes Gemurmel im Raum lässt vermuten, dass dieses Problem nicht nur Andreas H. hat.
Soziale Durchmischung und Wohnprojekte in Spandau
Machulik, der zehn Jahre lang Bezirksstadtrat für Bürgerdienste, Ordnung und Jugend in Spandau war, sind die Probleme des Kiezes bekannt. „Haselhorst macht eine Entwicklung mit, die mir nicht gefällt.“
Er weiß aber auch, dass die landeseigenen Wohnungsunternehmen ein diskriminierungsfreies Vergabeverfahren haben und bestimmte Quoten erfüllt werden müssen. „Wir wollen weder ein Ghetto noch nur Transferleistungsbezieher in Haselhorst, und daran arbeiten wir.“
Soziale Durchmischung soll durch die Gesamtplanung der Wohnflächen geschehen. „Deswegen setzen wir andere Bauprojekte neben landeseigene Projekte, damit so ein Ausgleich geschieht.“ Solche Projekte privater Investoren sind zum Beispiele die Eigentumswohnungen auf der Insel Eiswerder, das Quartier Speicherballett oder die Eigentumswohnungen in Holz-Hybrid-Bauweise an der Spandauer Havelpromenade.
Können sich die Menschen die Mieten noch leisten?
„Bezahlbare Mieten heißt nicht billig“, weist der Staatssekretär auf einen Irrglauben hin. „Wir wollen, dass Leute sich die Miete leisten können“, fügt er jedoch ebenso hinzu wie den Hinweis, dass Betroffene, deren Nettokaltmiete nach einer Erhöhung höher als 27 Prozent des Haushaltseinkommens liegen würde, sich an ihre Verwaltung wenden sollen. In diesen Fällen gebe es Möglichkeiten zur Unterstützung.
Bezüglich der Entscheidung, Hausreparaturen und Co. an externe Dienstleister zu vergeben, kann Machulik bestätigen, dass es hier Veränderungen geben wird. Die landeseigenen Wohnungsunternehmen rudern zurück. „Ein Gesicht vor Ort soll wieder gegeben sein.“ Eine wirkliche Verbesserung werde jedoch wohl erst in drei bis sechs Monaten bemerkbar sein.
Ebenso will sich der Staatssekretär dafür einsetzen, dass die Quartierbüros wieder eröffnen und Haselhorst Teil des Programms „Wachstum und nachhaltige Erneuerung“ des Bundesministeriums wird.
Das Programm hilft Städten und Gemeinden, mit wirtschaftlichen und demografischen Veränderungen umzugehen. Es ist insbesondere für Gebiete mit großen städtebaulichen Problemen und Veränderungen gedacht.
Menschen in Haselhorst sollen sich selbst engagieren
Doch Veränderung geschehe nicht nur von außen. Miloslava Büger, Haselhorster Bezirksverordnete und Vorsitzende der SPD Haselhorst-Siemensstadt, betont, dass das Mitwirken der Bürgerinnen und Bürger an Machbarkeitsstudien, am Geschäftsstraßenmanagement oder bei Online-Partizipationen wichtig und sinnvoll ist.
„Wir sind jetzt noch am Anfang“, sagt Büger. „Da kann man noch etwas bewegen.“ Eine hohe Beteiligung sei wichtig für Veränderungen. Doch die engagierten Bürgerinnen und Bürger, die den Weg zur Diskussionsveranstaltung geschafft haben, wirken frustriert. Andreas Knödler fasst es so zusammen: „Die Mieter sind demotiviert. Sie wollen nicht mehr reden.“




