Heinzelmännchen
: Mutter und Kind auf ganz privater Müllsammeltour in Grünheide

Pauline und Pepe Rink sammeln entlang Grünheider Fuß- und Radwege Müll. Seit März sind 50 Säcke zusammengekommen.
Von
Anke Beißer
Grünheide
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Vier fleißige Hände: Pauline Rink und ihr Sohn Pepe (3) sammeln als "Waldfreunde" Müll entlang der Wege in Grünheide auf. Lange war ihre Identität unbekannt.

Anke Beißer

Freitag ist bei Familie Rink traditionell Mutter-Sohn-Tag. An ihrem arbeitsfreien Tag steht Pepe an erster Stelle und es wird gemeinsam etwas unternommen. Zuerst geht es für die Zwei von Altbuchhorst aus stets zum Bäcker in der Grünheider Karl-Marx-Straße. Dort warten ein Schinken-Käse-Brötchen, ein Spritzring und ein Splitterbrötchen auf das hungrige Duo. Am 20. März sollte es dann weiter nach Erkner zum Einkauf ins City-Center gehen. Vom Fahrrad aus fiel beiden der viele Müll neben dem Radweg auf. Die 33-Jährige und ihr 3-jähriger Filius fassten den Entschluss, hier für Sauberkeit zu sorgen.

Müllsäcke bei der Gulaschkanone abgegeben

So ging es in Erkner schnurstracks in eine Drogerie, um Müllsäcke und Handschuhe zu kaufen. Nach vier Stunden zu Fuß zwischen dem Ortsausgang von Erkner und der Zufahrt zur Feldküche am Heidereutersee war der Abfall entlang der Radtrasse in drei fetten Müllsäcken verstaut. „Wir haben den Mann an der Gulaschkanone gebeten, sie uns abzunehmen, wir wollten sie ja nicht einfach am Rand abstellen“, erinnert sich Pauline Rink. „Mäuschen, ich kenne da jemanden, der sie abholt“, habe die freundliche Antwort gelautet. „Am Sonnabend haben wir nachgeschaut, sie waren tatsächlich weg.“

Dann nahm die Corona-Krise Fahrt auf. Für Pepe gab es keine Kita-Betreuung, Mama Pauline wurde von der Arbeit frei gestellt. „Unser Tag brauchte eine Struktur, da haben wir täglich ein bis zwei Stunden Müllsammeln eingetaktet. Das Frühstück packte sie als Proviant ein, dazu Lollys als Belohnung. Pepe bekam Handschuhe in der für ihn passenden Größe übers Internet bestellt. „Das Sammeln war anfangs richtig anstrengend, das ewige Hoch und Runter“, gibt die Altbuchhorsterin zu. Da blieben auch Rückenschmerzen nicht aus.

Um das Abholen der Säcke über die Gemeinde zu organisieren, habe sie im Rathaus angerufen und die ungläubige Frage geerntet: „Wie, Müll gesammelt? Wer hat sie denn beauftragt?“ „Wir fanden uns toll“, resümiert die junge Frau. Schritt für Schritt taten das aus andere. Der Bauhof stellt inzwischen nicht nur leere Säcke zur Verfügung. Pepe bekam auch einen Greifer geschenkt und einmal eine Individualführung bei der Feuerwehr. Der Gastwirt aus Jägerbude hat sie gesehen, angehalten und auf ein Eis eingeladen. Und beim Bäcker gibt es jetzt immer einen Kameruner gratis dazu. „Die Reaktionen sind meist positiv. Aber Nachahmer haben wir leider noch nicht festgestellt. Jedenfalls haben wir noch keine gesehen.“ Einmal, so erzählt die 33-Jährige, habe sie jene Frau aus Kagel getroffen, die mit ihren traurigen Smily-Bechern an Straßenbäumen auf das Müllproblem aufmerksam macht. „Sie hat uns gedankt, weil sie gerade nicht so viel sammeln kann.“

Einmal die Woche auf Tour

Jetzt, da der Alltag zurückkehrt, halten die Zwei wieder am Wochenrhythmus fest. Insgesamt sind in den zwei Monaten 50 prall gefüllte Säcke zusammen gekommen. Die Top-Drei der Schmuddelsachen: Zigarettenverpackungen, Becher to go sowie Schnaps- und Bierflaschen. Für Pepe ist die Waldaktion auch lehrreich. Sie haben schon ein Wildschweingebiss gefunden, er weiß jetzt, dass Metall rostet und vieles mehr.

Übrigens: Dass über ihr Engagement jetzt in der Zeitung geschrieben wird, lässt Pauline Rink schmunzeln. „Als Kind war ich mit meiner Oma in Zeuthen im Wald Müll sammeln. Darüber hat die Zeitung dort damals auch berichtet“, werden bei ihr Kindheitserinnerungen wach.