Müll in Königs Wusterhausen
: Wälder und Wohngebiete werden immer öfter zur Müllhalde

Müllsäcke stapeln sich vor Altkleider-Containern. Waldeinfahrten sehen aus wie Mülldeponien. Die Region Königs Wusterhausen verdreckt. Das hat Folgen. Verursachern drohen sogar Gefängnisstrafen.
Von
Jana Scholz
Königs Wusterhausen
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Vor dem vollen Altkleidercontainer stapeln sich die Müllsäcke. Das Areal gleicht einem Müllhaufen. Dieses Bild ist leider kein Einzelfall in der Region.

Vor dem vollen Altkleider-Container stapeln sich die Müllsäcke. Das Areal gleicht einem Müllhaufen. Dieses Bild ist leider kein Einzelfall in der Region Königs Wusterhausen.

Jana Scholz
  • Müllproblem in Königs Wusterhausen nimmt zu; Müllsäcke stapeln sich vor Altkleider-Containern.
  • SBAZV reinigt Standorte alle 14 Tage; oft Hausmüll und Sperrmüll in Containern.
  • Forstamtsleiter Nass beklagt illegale Müllentsorgung in Wäldern; Kosten bei 100.000 Euro.
  • Illegale Entsorgung kann bis zu 5 Jahre Gefängnis bedeuten.
  • Über Onlineportal „Maerker“ können Müllsünden gemeldet werden.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Es sieht nicht schön aus und es ist schlecht für die Umwelt. Immer häufiger landen Müll und Dreck auf freien Plätzen und in Brandenburgs Wäldern. Nicht nur Erkner, Grünheide und Schöneiche sind massiv davon betroffen. Das Müllproblem gibt es zunehmend auch rund um Königs Wusterhausen.

Eine Onlinebefragung unter 15.000 Brandenburgern hat ergeben, dass KW und Umgebung ein Müll-Problem haben. 414 von 631 befragten Personen aus der Rundfunkstadt und der umliegenden Städte und Gemeinden (Bestensee, Wildau, Zeuthen, Eichwalde, Schönefeld und Schulzendorf) meinen, dass in ihren Wohngebieten und drumherum unbedingt mehr gegen die illegale Müllentsorgung getan werden müsse.

Aber wo fängt man an, und wo hört man auf? Hässlichkeiten wie den von Müllsäcken umlagerten Altkleider-Container sind keine Seltenheit. Allerdings, statt den gepackten Sack wieder in sein Auto zu laden und den nächsten Altkleider-Container anzusteuern, wird der Sack daneben gelegt – einer wird sich schon kümmern. Aber wer ist dafür zuständig?

Statt Altkleidern findet sich Hausmüll in den Containern

Im Stadtgebiet KW und Umgebung hat der Südbrandenburgische Abfallzweckverband (SBAZV) als Entsorgungsbetrieb der Region neben der Leerung der Hausmülltonne und die Abholung von Pappe und Papier auch die Leerung der Altkleider-Container übernommen. Holger Riesner ist der Verbandsvorsteher des SBAZV. Sein Entsorgungsunternehmen führt zudem noch die Standplatzreinigung an Glassammelplätzen und an den Alttextilcontainern in den Gemeinden des SBAZV-Gebiets durch. Er sagt: „Das festgelegte Säuberungsintervall ist 14-tägig getaktet. Es gibt jedoch auch Standorte, die aufgrund der bekannten stärkeren Vermüllung oder Nutzung öfter angefahren werden“.

Allerdings werden nicht immer nur Altkleider entsorgt. In den Containern befinden sich zusätzlich Sperrmüll und teilweise sogar Hausmüll. Da die Altkleider jedoch durch den Verband weiterverkauft werden, müssen die im Altkleider-Container entsorgten Sachen einige Auflagen erfüllen. „Die Entsorgung der Fehlwürfe und des Unrates verursacht Kosten, welche durch die Gebührenpflichtigen getragen werden“, erklärt Holger Riesner gegenüber MOZ.de.

Was gehört in einen Altkleider-Container?

Bekleidung wie Hosen, Hemden, Jacken, Kleider, Shirts usw., Schuhe (paarweise gebündelt), Decken, Gardinen, Bettwäsche und andere Haushaltstextilien, die in Tüten verpackt sind, damit sie nicht durch Fehlwürfe verschmutzt werden.

Das gehört nicht in einen Altkleider-Container?

Stark verschmutzte oder verschlissene Kleidung/Schuhe, Stoffreste, Putzlappen, Lumpen

Müllablagerungen in Wäldern um KW nehmen zu

Ein weiterer hässlicher Punkt sind die Ablagerungen von Müll in Wäldern in der Nähe von Autobahn An- und Abfahrten sowie auf Waldeinfahrten an den Bundesstraßen in der Region. Forstamtsleiter des Landkreises Dahme-Spreewald, Burkhard Nass beklagt unter anderem den Müll, den Privathaushalte illegal entsorgen: „Dabei handelt es sich um gelbe Säcke, Sperrmüll, Gartenabfälle, Altreifen, verdorbene Lebensmittel, Schlachtabfälle, Asbest, Bitumenbahnen, Dämmung sowie feste und flüssige Baustoffe.“

Illegal abgelagerter Bauschutt an einer Waldstraße, der immer häufiger in der Region Königs Wusterhausen abgelagert wird.

Illegal abgelagerter Bauschutt an einer Waldstraße, der immer häufiger in der Region Königs Wusterhausen abgelagert wird.

Jana Scholz

Doch auch Unternehmen entsorgen ihren Müll in der freien Natur. Forstleiter Nass: „Schlimmer ist illegaler Abfall aus Gewerbebetrieben, der LKW-weise im Wald abgekippt wird. Dieser besteht hauptsächlich aus gemischten Baustoffen von Abrissen und Baustellen sämtlicher Art.“

Illegale Müllentsorgung verursacht Kosten um 100.000 Euro

Die Entsorgung von bis zu einem Kubikmeter Müll muss die Forst selbst tragen. Das heißt, den Müll aufsammeln, sortieren und ihn anschließend zu einem nahegelegenen Recyclinghof zu transportieren. „Alles darüber hinaus wird in Absprache mit dem SBAZV im Zuständigkeitsbereich kostenpflichtig aus dem Wald abgefahren und entsorgt“, sagt Nass. Derzeit liegen die Kosten für die illegale Müllentsorgung bei etwa 100.000 Euro.

Jedoch herrscht auch beim Thema Müllentsorgung die behördliche Bürokratie. Der Forstamtsleiter erklärt: „Die Bürokratie rund um die Entsorgung ist enorm und bindet Personalkapazitäten, die eigentlich dem Wald zugutekommen sollten. Darüber hinaus ist die Abrechnung aufwendig und teuer.“ Auch Verbandsvorsteher Riesner weiß, dass es nicht mit einem Anruf getan ist: „Bevor der SBAZV involviert wird, muss die untere Abfallwirtschaftsbehörde prüfen, ob ein Verursacher ermittelt werden kann oder ob wir für die Beräumung zuständig sind.“

Wer erwischt wird, muss mit bis zu fünf Jahren Gefängnis rechnen

Dass es sich bei der Müllentsorgung außerhalb von den dafür vorgesehenen Behältnissen und den Recyclinghöfen um eine illegale Entsorgung handelt, sollte jedem klar sein, der sich für den Weg in die Natur entscheidet, um dort seinen Abfall und Unrat loszuwerden. Der Paragraf 326 des Strafgesetzbuches regelt genau, welche Strafen im Falle eines Erwischtwerdens drohen.

Auszug aus dem § 326 StGB

Wer unbefugt Abfälle, Gifte oder Erreger, die für den Menschen krebserzeugend, fortpflanzungsgefährdend oder erbgutverändernd sind, oder explosionsgefährlich, selbstentzündlich oder nicht nur geringfügig radioaktiv sind (…) außerhalb einer dafür zugelassenen Anlage oder unter wesentlicher Abweichung von einem vorgeschriebenen oder zugelassenen Verfahren sammelt, (…) wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit einer Geldstrafe bestraft.

Allerdings werden nur sehr selten Umweltsünder auf frischer Tat ertappt und zur Rechenschaft gezogen. Denn so viel Müll, der aktuell in den Wäldern liegt, benötigt Zeit zur Aufarbeitung, wie Burkhard Nass sagt: „Aufgrund der unglaublichen Menge an Abfall und der hohen Anzahl der Delikte gibt es längere Wartezeiten und Auftragstaus mit vielen Nachfragen von Bürgern und Behörden, warum der Müll immer noch nicht entsorgt ist.“ Dennoch sei das Problem nachwachsend, sodass man auf die Mithilfe von Bürgern angewiesen sei.

Einfach im Wald entsorgt: Asbesthaltige Wellplattendächer sind in den Wäldern bei Königs Wusterhausen keine Seltenheit. Die Menge zeigt, dass es sich hier nicht unbedingt um Privatmüll handeln muss.

Einfach im Wald entsorgt: Asbesthaltige Wellplattendächer sind in den Wäldern bei Königs Wusterhausen keine Seltenheit. Die Menge zeigt, dass es sich hier nicht unbedingt um Privatmüll handeln muss.

Jana Scholz

Wo Müllsünden gemeldet werden können

Wer herrenlose Abfallablagerungen in den Wäldern entdeckt, kann sich über das Onlineportal ‚Maerker‘ melden. Dort können genaue Angaben über die Örtlichkeiten und Details zum Abfall, wie Adresse oder GPS-Koordinaten, Zugänglichkeit, Abfallzusammensetzung, Fotos und eventuelle Hinweise über die Abfallherkunft übermittelt werden. Dies erleichtert nicht nur das Auffinden des Abfalls, sondern auch die spätere Zusammenarbeit mit den Ämtern. Auch die Ordnungsämter nehmen die Meldungen ernst und kümmern sich, sobald sie Kapazitäten haben, um die Bearbeitung.