Riedels Gasthof in KW
: Ringen um traditionelles Restaurant – wie es weitergeht

Über 1.000 Menschen aus Königs Wusterhausen kämpften zuletzt für den Erhalt der Gaststätte Riedels Gasthof. Der Eigentümer will es abreißen lassen und Wohnungen bauen. Wie ist der aktuelle Stand?
Von
Jana Scholz
Königs Wusterhausen
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Riedels Gasthof im Königs Wuterhausener Ortsteil Neue Mühle ist durch seine lange Geschichte ein Traditionslokal in der Region. Die Nachricht, dass die Gaststätte abgerissen werden soll, um Wohnraum zu schaffen, hat die Städter in KW hart getroffen. Die Entscheidung, wie es mit dem beliebten Restaurant weiter geht, liegt nun teilweise in den Händen der Stadt.

Riedels Gasthof in Königs Wusterhausen: Das Restaurant im Ortsteil Neue Mühle ist durch seine lange Geschichte ein Traditionslokal in der Region. Die Nachricht, dass die Gaststätte abgerissen werden soll, um Wohnraum zu schaffen, hat viele KWer hart getroffen.

Jana Scholz

Nur selten hat eine Gaststätte in der Region so viel Bürgerengagement erfahren wie zuletzt „Riedels Gasthof“. Das Restaurant im Königs Wusterhausener Ortsteil Neue Mühle ist bereits mehrere Jahrhunderte ein Begriff für Hausmannskost und unterhaltsame Abende am Wasser. Und das weit über die Stadt hinaus.

Erstmals erwähnt in den 1370er Jahren als Mühle wurde es später als Gastlichkeit für die arbeitenden Bauern der Region mit dem Namen „Krug“ weitergeführt und nach der Wende, Anfang der 90er-Jahre, für viele Jahre geschlossen. Erst nach der Jahrtausendwende wurde am Objekt herumprobiert und umgebaut, aber immer wieder erfolglos. Die Ausflugsgaststätte hatte für die Menschen in KW und die Bewohner der Nachbargemeinden an Attraktivität verloren.

„Riedels Gasthof“ erwacht 2023 zu neuem Leben

Als im Jahr 2021 zunächst nur der Biergarten mit einem Ausschank wiedereröffnet wurde und im Jahr 2023 die ehemaligen Betreiber von „Hönckes Altes Wirtshaus“ vom Schlossplatz in KW die Bewirtschaftung komplett übernahmen, erwachte das Traditionslokal aus einem langjährigen Dornröschenschlaf. Heute gehört „Riedels“ wieder zu den gefragtesten Häusern am Platz und lädt sowohl die Menschen aus den umliegenden Städten und Gemeinden sowie zahlreiche Touristen zum Verweilen ein.

Doch die Zukunft ist ungewiss. Das liegt an der Eigentümerin, der PSD Bank Berlin-Brandenburg. Denn diese hat mit der charmanten Geschichte von „Riedels Gasthof“ eher weniger am Hut und betrachtet das Areal an der Dahme-Schleuse rein wirtschaftlich.

Die Abrissanzeige für Riedels gab es schon 2021

Nachdem in den vergangenen Wochen bekannt wurde, dass das Grundstück schon vor einigen Jahren von der PSD Bank aufgekauft wurde und man auf dem Areal dringend benötigten Wohnraum schaffen möchte, sprangen die Königs Wusterhausener auf die Barrikaden. Das Gerücht, dass der Gasthof abgerissen werden soll, bestätigte sich schnell und verbreitete sich in den sozialen Medien wie ein Lauffeuer. Dass es für den Wohlfühlort sogar schon seit dem Jahr 2021 eine Abrissanzeige gab, brachte so manchen KWer auf die Palme.

In der Königs Wusterhausener Facebook-Gruppe wurde diskutiert und eine Petition zum Erhalt des einstigen Vergnügungstempels aus DDR-Zeiten ins Leben gerufen. Zusätzlich wurden Medien wie der Robo-Bus vom RBB mobilisiert. Mit Erfolg. Wegen des Medienrummels und den aufgebrachten Bürgern machte die Bank scheinbar zunächst einen Rückzieher und bot der Stadt an, dass sie das Grundstück zurückkaufen könne.

Bürgermeisterin spricht von Mehrwert für die Stadt KW

Doch wie geht man im Rathaus von Königs Wusterhausen mit diesem Angebot um – und wie ist der aktuelle Stand? Bürgermeisterin Michaela Wiezorek (parteilos) sagt gegenüber MOZ.de: „Wir müssen uns bewusstmachen, dass das eine private Fläche ist. Riedels Gasthof ist ein privates Betriebsunternehmen in bester Lage, dass die Öffentlichkeit nur hat, wenn die Gaststätte geöffnet ist.“ Allerdings liegt der Grundtenor seitens der Stadt auch in zukünftigen Veränderungen. Wiezorek erklärt: „Wenn hier Veränderungen stattfinden, dann auch so, dass die Stadt einen Mehrwert davon hat.“

Michaela Wiezoreck ist Bürgermeisterin der Stadt Königs Wusterhausen.

Michaela Wiezorek ist Bürgermeisterin der Stadt Königs Wusterhausen.

Jana Scholz

Was sie damit meint, ist die Schaffung von Wohnraum in der Stadt, denn auch dieser ist derzeit begrenzt. Nach den derzeitigen Plänen möchte die PSD Bank auf dem Grundstück, das sich direkt an der Dahme befindet, mehrere Wohnhäuser entstehen lassen. Genaue Details, ob es letztendlich Miet- oder Eigentumswohnungen werden, sind aktuell noch nicht ersichtlich. Für das Grundstück wurde bereits im Jahr 2021 ein Abrissvorhaben eingereicht.

Die parteilose Bürgermeisterin Wiezorek erklärt, warum Riedels Gasthof auch einfach so hätte abgerissen werden können: „Bis zu einem gewissen Maß kann ein Bauherr einen Abriss einfach nur anzeigen. Es sei denn, hier liegt ein Denkmalschutz drauf. Aber ansonsten kann man als Eigentümer hier schalten und walten wie man möchte, weil es ein Privatgrundstück ist.“

Denkmalsschutz für „Riedels Gasthof“?

Inzwischen ist nicht mehr nur die Stadtverwaltung rund um die Bürgermeisterin mit dem Thema beschäftigt, sondern auch das Land Brandenburg. Matthias Stefke ist Mitglied des Landtags und stellvertretender Gruppensprecher von BVB/Freie Wähler im Landtag. Er stellte der Landesregierung die Frage, ob sie zustimme, dass „Riedels Gasthof“ der Definition nach ein Baudenkmal ist.

Die Antwort der Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Manja Schüle, dürfte für viele KWer und Freunde des Traditionsgasthofes ernüchternd sein. Sie erklärt, dass das Riedels nach dem Abriss des Tanzsaales sowie insbesondere durch die neueren Sanierungsarbeiten sowohl im Inneren als auch im Äußeren stark verändert, überformt und weitgehend erneuert wurde. Somit seien die Kriterien für ein Denkmal nicht mehr erfüllt. Dies gelte auch für das kleine Nebengebäude an der Dahme, von dem einzig die straßenseitige Feldsteinwand erhalten sei. Allerdings wäre die frühestens um die Mitte des 19. Jahrhunderts errichtet worden und weise zusätzlich Veränderungsspuren sowie einen nachträglich eingearbeiteten Mühlstein auf.

Planungshoheit liegt bei der Stadt

Einen Trumpf hat Michaela Wiezorek als Bürgermeisterin von Königs Wusterhausen dennoch im Ärmel – und der nennt sich Planungshoheit. „Und das ist ein Instrument, dass man nutzen sollte. Denn nur damit kann man bestimmen, was vor Ort passiert und genau das wäre jetzt zunächst das große Ziel“, sagt sie.

Doch geben sich die KWer damit zufrieden? Immerhin hatten vor gut einem Monat fast 1.000 Bürger öffentlich ihren Unmut über den geplanten Abriss und die Bebauung des Grundstücks kund getan.

Wie lautet der Wunsch nach Veränderung?

Im Gespräch mit der Bürgermeisterin fällt immer wieder das Wort Veränderung. Das wünscht sie sich auch für die Empörung, mit der viele KWer dem geplanten Abriss des Gasthofes entgegneten. Wenn Michaela Wiezorek sich etwas in Bezug auf die Veränderung wünschen könnte, dann: „Schreit endlich auf und sagt, hört auf, Atomwaffen bei uns in Deutschland zu stationieren. Da wünsche ich mir eine richtige Empörungswelle.“ Aber allein mit dem Wunsch nach Weltfrieden, kann man den KWern ihr beliebtes Ausflugslokal nicht erhalten.

Der Blick in den urigen Biergarten von Riedels Gasthof. In den Sommermonaten ist die Gaststätte unter anderem ein Ausflugsmagnet für Rad- und Sportbootfahrer. Aber auch bei KWern und Bürgern aus der Umgebung ist das Restaurant sehr beliebt.

Der Blick in den urigen Biergarten von Riedels Gasthof. In den Sommermonaten ist die Gaststätte unter anderem ein Ausflugsmagnet für Rad- und Sportbootfahrer. Aber auch bei KWern und Bürgern aus der Umgebung ist das Restaurant sehr beliebt.

Jana Scholz

Hier wird es noch viele weitere Gespräche geben müssen. Oder wie die Bürgermeisterin der Stadt KW es nennt: „In solchen Angelegenheiten wünsche ich mir einen sachlichen Streit über die Chancen, die wir haben, um uns weiterzuentwickeln.“

Die Betreiber von Riedels Gasthof wollten sich auf Nachfrage nicht zur aktuellen Situation äußern. Die PSD Bank als Eigentümerin wiederum verwies in der Sache auf die Stadt KW.

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Von der Lausitz bis ins Oderbruch, vom Havelland bis in die Uckermark - Brandenburg ist keineswegs die kulinarische Wüste, als die das Land oft geschmäht wird.

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