Strom in Königs Wusterhausen
: Photovoltaik – wie finde ich den richtigen Anbieter?

Strom in Königs Wusterhausen: David Schaible hat sich gut informiert bei der Suche nach einer passenden Photovoltaik-Anlage für sein Haus. Wie ist er vorgegangen?
Von
Maria Häußler
Königs Wusterhausen
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David Schaible mit seinem Hund Elvis vor seinem Haus in Zernsdorf.

Strom sparen in Königs Wusterhausen: David Schaible mit Hund Elvis vor seinem Haus mit seiner Photovoltaik-Anlage in Zernsdorf.

Maria Häußler
  • David Schaible installiert eine Photovoltaikanlage in Königs Wusterhausen, investiert 23.000 Euro.
  • Steuervorteile und Umsatzsteuerbefreiung für Solarmodule und Batterien bis 30 kWp.
  • Solaratlas Brandenburg bietet Orientierung für PV-Anlagen; kein staatlicher Zuschuss in Brandenburg.
  • Empfehlungen: Fokus auf Eigenverbrauch, keine großen Batterien, Vorsicht bei Anzahlungen.
  • Schaible nutzt dynamische Stromtarife, setzt auf nachhaltige Energiequellen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Ein orangefarbenes Ladekabel hängt aus einem großen Auto, das vor dem Haus von David Schaible in Zernsdorf bei Königs Wusterhausen steht. Vom Gartentor aus blickt man auf die Südseite des Dachs, die vollständig mit dunklen Photovoltaik-Modulen bedeckt ist. Am Küchentisch zoomt Schaible auf dem Bildschirm seines Tablets in eine Karte.

Sein Haus ist hellblau eingefärbt und deshalb eigentlich nur „bedingt geeignet“ für Photovoltaik. Schaible klickt auf das Rechteck und gibt Zahlen in den Wirtschaftlichkeitsrechner des Solaratlas Brandenburg ein: die Kosten für Anlage und Batteriespeicher, sowie den Stromverbrauch mit Elektroauto und Wärmepumpe.

„Die Investition von 23 000 Euro ist nach elf Jahren abbezahlt“, sagt Schaible. „Die Technik ist mittlerweile so weit, dass wir einen guten Ertrag haben, obwohl ein großer Baum Schatten wirft. Wir haben aber auch einen hohen Stromverbrauch.“

An der Einspeisung ins Netz verdienen Nutzer von PV-Anlagen derzeit nur 8 Cent pro Kilowattstunde, deshalb lohnt sich die Installation vor allem für den eigenen Verbrauch. Schaible wollte das Thema zügig angehen, sagt er, da sich die steuerlichen Vorteile auch ändern könnten.

Steuern sparen mit Photovoltaik

Die Lieferung und Installation von Solarmodulen und Batterien ist von der Umsatzsteuer befreit, auch die Einnahmen sind bis zu einer Leistung von 30 Kilowattpeak steuerfrei. Förderungen gibt es in Brandenburg derzeit keine. Berlin und andere Städte bezuschussen die Investition dagegen.

„Solarstrom lohnt sich auch wirtschaftlich. Aus diesem Grund gibt es für Photovoltaikanlagen aktuell keine staatliche Investitionsförderung mehr“, heißt es auf der Website des Energieportals Brandenburg, das auch den Solaratlas und den Wirtschaftlichkeitsrechner zur Verfügung stellt.

Für Schaible bot diese Karte eine erste Orientierung. „Da ist man nicht abhängig von jemandem, der etwas verkaufen will und es schön rechnet“, sagt der Zernsdorfer. Schaible gibt „Solaratlas Brandenburg“ in die Suchleiste ein. „Da sollte man nicht draufklicken“, betont er und scrollt weiter. Er meint die gesponserten Webseiten der Anbieter, die ganz oben erscheinen. Vergleichsportale boten ihm einen ersten Überblick, wirklich genutzt habe er sie aber nicht, sagt Schaible.

Einen Anbieter fand der Hausbesitzer aus dem Königs Wusterhausener Stadtteil zum Beispiel über ein Forum, ein anderer hatte bereits die Wärmepumpe im Haus installiert. Schaible erzählt, dass er viele YouTube-Videos gesehen habe, Rezensionen las und sich bei der Stiftung Warentest die optimale Größe der Batterie berechnen ließ. Erst dann sei er an die Solar-Firmen herangetreten. „Da stellt man fest, wie sehr sie versuchen, Geld zu verdienen“, sagt er.

„Photovoltaik-Module gehen nicht kaputt“

Günter Merkel, Energieberater für die Verbraucherzentrale Brandenburg, bestätigt diese Beobachtung. Bei der Wahl des Anbieters müssten Kunden neben dem Preis vor allem auf die Größe der Anlage achten.

„Was sich wirtschaftlich wirklich lohnt, ist der Eigenverbrauch“, sagt er. Von riesigen Batterien, um die dynamischen Stromtarife für zusätzliche Energie aus dem Netz zu nutzen, rät er ab. Eine Batterie halte inzwischen weit länger als zehn Jahre. Langlebige Batteriespeicher aus Lithium-Eisen-Phosphat-Zellen ersetzten inzwischen die aus Cobalt, Mangan und Nickel.

Die Südseite eines Dachs mit einem Neigungswinkel von etwa 30 bis 35 Grad bringt am meisten Energie. Je südlicher der Standort, desto flacher sollte der Winkel sein. Schaible hat eine Dachneigung von 35 Grad und Süd- Südostseite, also nahezu optimale Bedingungen.

Doch die Verschattung sei ein so großer Faktor, dass er nur 60 Prozent der physikalisch möglichen 98 Prozent Sonnenenergie nutzen kann. Solarmodule auf der Ost- und Westseite können ebenfalls von Vorteil sein: Viele Familien verbrauchen vor allem morgens und abends Strom.

„Die Anlagen auf den Dächern gehen gar nicht kaputt“, sagt Merkel. „Ich hatte erst einen Fall. Da war ein Baum auf die Module gefallen. PV-Anlagen brauchen auch keine Wartung.“ Von einem Rundum-Sorglos-Paket inklusive Wartung sollten Kunden deshalb Abstand nehmen. Trotz der Ärgernisse mit manchen Anbietern ist der Berater von der Art der Energiegewinnung überzeugt: „Ich kann Photovoltaik jedem nur empfehlen“, sagt er.

Preis für PV-Anlage – welche Anzahlung normal ist

Als Risiko bei der Anschaffung von PV-Anlagen wird häufig eine mögliche Insolvenz der Unternehmen genannt. Es gibt Berichte über Kunden, die hohe Anzahlungen verloren haben. Eine Anzahlung von 20 bis 30 Prozent sei normal, wenn die Module geliefert werden, erklärt der Energie-Experte Merkel.

Vor dem Anschluss der Anlage 80 Prozent und aufwärts zu bezahlen, sei dagegen nicht angebracht: „Da haben die Unternehmen gar keinen Anreiz wieder zu kommen“. Verbraucher sollten sich nicht von Angeboten unter Druck setzen lassen, die angeblich nur noch am selben Tag verfügbar sind. „Wichtig ist ein gutes Gefühl“, sagt Merkel und empfiehlt, eine Nacht darüber zu schlafen.

Der Königs Wusterhausener Schaible hat zusätzlich darauf geachtet, wie lange die Unternehmen existieren. Er hat sich vier Angebote machen lassen. Der Anbieter, für den er sich entschied, sei der Einzige gewesen, der ihn fragte, was er sich vorstellt. „Die anderen haben an meinem Bedarf vorbei argumentiert. Teilweise haben sie mir Module auf der anderen Dachseite angeboten.

Das ist bei einem Nord-, Nordwestdach Unsinn.“ Außerdem habe sein Solarteur ihm für jede einzelne Komponente einen Preis gemacht, so konnte er beispielsweise den Preis der Module im Netz mit dem des Anbieters vergleichen. „Das fand ich deutlich seriöser als die pauschalen Angebote“, sagt Hausbesitzer aus KW.

Dynamischer Stromtarif: Den Strom nutzen, wenn er da ist

Die PV-Anlage in Zernsdorf ist seit Ende September angeschlossen, aber noch nicht angemeldet. Nutzen darf Schaible sie trotzdem schon, wegen des Zweirichtungszählers, den er schon vorher besaß. Dieser Stromzähler erfasst, welche Energie aus dem Netz und welche vom Dach kommt. Zusätzlich kann er dynamische Stromtarife nutzen, das heißt er sieht, wann der Strom günstig ist. Schaible wirft einen Blick auf seine App und schaltet die Spülmaschine ein – gerade ist die Preiskurve auf einem Tief.

Eine Beratung bei der Verbraucherzentrale hat Schaible nicht in Anspruch genommen. Er fühlte sich gut informiert, sagt er. Die telefonische Beratung der Verbraucherzentrale und Vorträge über Photovoltaik sind kostenfrei, bestimmte Anbieter empfehlen die Berater allerdings nicht, um unabhängig zu bleiben.

Der Markt boomt, Solarmodule werden derzeit immer günstiger. Manche Anbieter geben die Preisnachlässe weiter, andere nicht. Schaible hat neben der Wirtschaftlichkeit auch aus Überzeugung investiert. „Aus meiner Sicht ist das die Zukunft – dass wir uns von fossilen Energieträgern unabhängig machen“, sagt der Mann aus Königs Wusterhausen. „Deutschland hat kein Gas und Öl, aber Wind und Sonne.“