Tesla Grünheide: Chemische Kampfstoffe im Koffer bei Gigafactory?

Es wurden erneut chemische Kampfstoffe auf dem künftigen Tesla-Erweiterungsgelände gefunden: Eine Warntafel weist auf ein Betretungsverbot hin. Ein Sperrkreis ist für mehrere Tage angekündigt.
Lutz Deckwerth/dpaDie Suche nach Kampfmitteln aus dem Zweiten Weltkrieg auf dem Erweiterungsgelände der sogenannten Gigafactory von Tesla in Grünheide bringt weiter Überraschendes zutage. Wie die Gemeinde Grünheide mitteilte, wird deshalb über mehrere Tage ein Sicherheitsbereich eingerichtet sowie eine Landstraße gesperrt.
Im Zeitraum von Montag, 19. August, bis einschließlich Donnerstag, 22. August, sollen die im Bebauungsplangebiet Nr. 60 „Service- und Logistikzentrum Freienbrink Nord“ aufgefundene chemische Kampfstoffe geborgen und für den Abtransport verpackt sowie verladen und abtransportiert werden.
Am Montag wurde klar, was genau der Kampfmittelräumdienst gefunden hat: Bei dem Fund handele es sich um einen Koffer der Wehrmacht, so ein Sprecher der Gemeinde Grünheide. Der Kampfmittelräumdienst vermutet nach Angaben der Gemeinde chemische Substanzen darin. Am Dienstag, 20. August, soll der Koffer ausgehoben und anschließend abtransportiert werden.
Sperrkreis betrifft Auto-, Bus- und Radverkehr der L23
Aus Sicherheitsgründen wurde ein Sicherheits-/Sperrkreis eingerichtet. Er betrage mindestens 100 Meter um die Fundstelle herum, passt sich aber variable dem Einsatzgeschehen an.
Folgende Einschränkungen für die Region sind damit konkret verbunden:
- Die Sperrung eines 25 Meter langen Teilstückes des Radwegs parallel zur L23 vom 19. August, 7 Uhr, bis 22. August, circa 15 Uhr. Das liegt circa 150 Meter nördlich der Baustelle Kreuzung L38/L23.
- Zudem wird die Landesstraße 23 vom Abzweig L38 bis zum Bahnhof Fangschleuse ab 20. August von circa 6 Uhr bis 18 Uhr gesperrt. Sollte diese Maßnahme nicht beendet werden können, werde die Sperrung am 21. August von 6 Uhr bis 18 Uhr aufrechterhalten. Zudem wird der Abschnitt temporär zum Verladen und Abtransport am 22. August von circa 11 Uhr bis 15 Uhr nicht befahrbar sein.
- Auch der Buslinienverkehr des Busverkehr Oder-Spree (BOS) über den Bahnhof Fangschleuse in Fahrtrichtung Süden bis zur L38 ist betroffen. Diese Strecke geht außer Betrieb.

Chemische Kampfstoffe im Wald neben Tesla: Der für die Kampfmittelbeseitigung eingerichtete Sperrkreis betrifft vor allem die L23.
Gemeinde Grünheide
L38 durchgehend befahrbar; Protestcamp kann bleiben
Die L38 ist von der Maßnahme nicht betroffen und durchgehend befahrbar, heißt es vom Bürgermeister. Auch der Bahnhof Fangschleuse sei für Fahrgäste – von Norden aus Richtung Grünheide kommend – jederzeit erreichbar. Weder das Protest-Camp der Umweltaktivisten, noch beispielsweise das griechische Restaurant sollen durch die Maßnahme betroffen sein.
„Bei störungsfreiem Ablauf der geplanten Maßnahme ist mit einer Beendigung der Einschränkungen auch früher zu rechnen“, schreibt die Gemeinde.
Künftiges Tesla-Gelände ist „Kampfmittelverdachtsfläche“
Dass weitere Munition in diesem Gebiet gefunden wurde, galt als wahrscheinlich. Denn bei der 79 Hektar großen Bebauungsplan-Fläche, die seit Mitte Juni für die geplante Tesla-Erweiterung abgesucht wird, handelt es sich um eine sogenannte „Kampfmittelverdachtsfläche“.
Nach Angaben des Brandenburger Innenministeriums sollen auf dem Gebiet insbesondere im Zweiten Weltkrieg Kampfhandlungen im Umfeld von Berlin im April 1945 stattgefunden haben. Das hätten historische Auswertungen und bisherige Funde gezeigt. Die Suche nach Kriegsmunition könne sich deshalb bis Ende September hinziehen.

Kampfmitterverdachtsflächen im Tesla-Umfeld mit Stand von Juli 2022: Die unterschiedlichen Farben zeigen an, welche Areale bereits beräumt sind (hellgrün) und welche noch nicht (dunkelgrün).
MMH/Jörn SandnerBereits zwei 250 Kilogramm schwere Weltkriegsbomben englischen Fabrikats waren in den vergangenen Wochen gesprengt worden. Zudem wurden über 1.000 Stück Kampfmittel gefunden „Hierbei handelt es sich insbesondere um Handwaffenmunition, Waffenteile, Nahkampfmittel, Granaten, aber auch eine Panzerfaust“, sagte Josefin Roggenbuck, stellvertretende Sprecherin des Innenministeriums.
Die Erweiterung der Gigafactory nach Osten gilt als umstritten. Tesla will die zusätzliche Fläche unter anderem für den Bau eines Güterbahnhofs nutzen, um den Verkehr von der Straße auf die Schiene zu verlegen. Ursprünglich sollten dafür mehr als 100 Hektar Wald gerodet werden. Nach einem negativen Votum der Einwohner bleiben jetzt insgesamt rund 70,3 ha Wald erhalten. Tesla musste auf eine geplante Betriebskita und Mitarbeitereinrichtungen verzichten.


