TV-Show bei Königs Wusterhausen
: Nach Newtopia – was wurde aus Star Kate Merlan?

Vor zehn Jahren startete das Sat.1 das Reality-Format Newtopia. Produziert wurde es in Zeesen. Wie leben Kate Merlan und die anderen Teilnehmer heute?
Von
Jana Scholz
Königs Wusterhausen
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Mit Newtopia wollte Sat.1 im Jahr 2015 ein TV-Highlight in Zeesen bei Königs Wusterhausen auf den Weg bringen. Mit dabei war damals Kate Merlan (links), die anschließend TV-Karriere gemacht hat.

Mit Newtopia wollte Sat.1 im Jahr 2015 ein TV-Highlight in Zeesen bei Königs Wusterhausen auf den Weg bringen. Mit dabei war damals Kate Merlan (links).

Jana Scholz (Fotos & Montage)
  • Sat.1 startete 2015 die Reality-Show "Newtopia" in Zeesen, die nach 4 Monaten abgesetzt wurde.
  • Ein Vorfall mit einer betrunkenen Produzentin führte zu sinkenden Einschaltquoten.
  • Kate Merlan ist die bekannteste Teilnehmerin und weiterhin im Reality-TV aktiv.
  • Andere Teilnehmer wie Steffen Wagner und Heiko Terno haben unterschiedliche Wege eingeschlagen.
  • Heidi Wollschlaeger erinnert sich positiv an ihre Rolle als "Postfrau".

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Sie kamen nach Zeesen, um die Welt zu verändern. 15 Pioniere zogen Mitte Februar 2015, vor genau zehn Jahren, in eine Scheune, die eigens für die TV-Produktion auf einem riesigen Gelände in dem Ortteil von Königs Wusterhausen errichtet wurde. Der Münchener Sender Sat.1 versprach ein noch nie dagewesenes TV-Highlight. Ganz ohne Drehbuch sollten sich die Newtopia-Bewohner eine neue Welt nach ihren Wünschen erschaffen.

Der Traum platze allerdings nach nur sechs Wochen, als mitten in der Nacht eine unter Alkoholeinfluss stehende Produzentin mit einer Kiste Bier, Zigaretten und sehr viel Redebedarf in die TV-Show platzte. Leider hatte man zu dem Zeitpunkt in der Regie vergessen, die über dem Esstisch hängende 360-Grad-Kamera auszuschalten, sodass das eigentlich geheime Gespräch zwischen  Produktion und Kandidaten im Internet übertragen wurde. Von diesem Tag an hieß Newtopia „Faketopia“ und die Einschaltquoten sanken zusehends.

Nach vier Monaten beendete Sat.1 das TV-Projekt in Zeesen

Ob das Reality-Format ohne diesen Schummel-Vorfall durch die Produzentin von Erfolg gekrönt gewesen wäre, konnte schon damals niemand genau beantworten. Sowohl Sender als auch die TV-Produktion rund um TV-Show-Spezialist John de Mol (Erfinder von Big Brother und Traumhochzeit), hatten mit ihren Pionieren sehr viel vor. Allerdings war für die 19-Uhr-Sendung nach 106 Episoden am 24. Juli 2015 alles vorbei.

  • In dieser unbeheizten Scheune sollten sieben Frauen und acht Männer ein neues Leben beginnen. Unter dem Motto „Alles auf Anfang“ startete das TV-Abenteuer offiziell am 23. Februar 2015 in den Wäldern Brandenburgs.

    In dieser unbeheizten Scheune sollten sieben Frauen und acht Männer ein neues Leben beginnen. Unter dem Motto „Alles auf Anfang“ startete das TV-Abenteuer offiziell am 23. Februar 2015 in den Wäldern Brandenburgs.

    picture alliance / dpa | Andre Kowalski
  • Die 15 Pioniere bekamen ein mehrere Hektar großes Areal zur Verfügung gestellt. Darunter befand ich ein Stallgebäude, in dem Hühner und Kühe untergebracht waren.

    Die 15 Pioniere bekamen ein mehrere Hektar großes Areal zur Verfügung gestellt. Darunter befand ich ein Stallgebäude, in dem Hühner und Kühe untergebracht waren.

    picture alliance / dpa | Andre Kowalski
  • Die Kuh Clyde lebte ebenfalls in Zeesen.

    Die Kuh Clyde lebte ebenfalls in Zeesen und war ein festes Newtopia-Mitglied.

    picture alliance / dpa | Andre Kowalski
  • Auch ein Schwimmteich wurde eigens für die TV-Show angelegt. Die Bewohner haben die eingesetzten Fische damals abtransportieren lassen und den Tümpel zum Baden genutzt.

    Auch ein Schwimmteich wurde eigens für die TV-Show angelegt. Die Bewohner haben die eingesetzten Fische damals abtransportieren lassen und den Tümpel zum Baden genutzt.

    picture alliance / dpa | Andre Kowalski
  • Die ländliche Idylle wurde 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche von 105 Kameras und 57 Mikrofonen überwacht. Für die Show wurden auf dem Zeesener Gelände 80 km Kabel verlegt.

    Die ländliche Idylle wurde 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche von 105 Kameras und 57 Mikrofonen überwacht. Für die Show wurden auf dem Zeesener Gelände 80 km Kabel verlegt.

    picture alliance / dpa | Andre Kowalski
  • Hinter diesen Toren sollte eine neue Gesellschaft gegründet werden. Zugang hatten nur Ausgewählte, beispielsweise Bauer Heiko oder Postfrau Heidi.

    Hinter diesen Toren sollte eine neue Gesellschaft gegründet werden. Zugang hatten nur Ausgewählte, beispielsweise Bauer Heiko oder Postfrau Heidi.

    picture alliance / dpa | Anna Ringle-Brändli
  • Das Gelände in der Zeesener August-Bebel-Straße wurde damals rund um die Uhr von Sicherheitspersonal überwacht. Wer hinauf wollte brauchte einen Dienstausweis oder eine Einladung aus der Produktion.

    Das Gelände in der Zeesener August-Bebel-Straße wurde damals rund um die Uhr von Sicherheitspersonal überwacht. Wer hinauf wollte brauchte einen Dienstausweis oder eine Einladung aus der Produktion.

    picture alliance / dpa | Matthias Balk
  • Als Mitte Juli 2015 bekannt wurde, dass die Reality-Show abgesetzt werde, nutzten Fans und Anwohner die Chance, noch mal ein bisschen Newtopia-Luft zu schnuppern. Belinda und Andreas G. aus Bestensee stehen am 20.07.2015 vor dem Gelände der Produktionsfirma Talpa Germany in Königs Wusterhausen.

    Als Mitte Juli 2015 bekannt wurde, dass die Reality-Show abgesetzt werde, nutzten Fans und Anwohner die Chance, noch mal ein bisschen Newtopia-Luft zu schnuppern. Belinda und Andreas G. aus Bestensee stehen am 20.07.2015 vor dem Gelände der Produktionsfirma Talpa Germany in Königs Wusterhausen.

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  • Der Niederländer John de Mol hat neben Newtopia auch diverse andere TV-Formate entwickelt. Er ist der Erfinder von Big Brother und machte seine Schwester Linda de Mol in den 90er Jahren mit der Traumhochzeit zu einer der beliebtesten Fernsehmoderatorinnen. In den Niederlanden lief das Scheunenspiel übrigens über drei Jahre.

    Der Niederländer John de Mol hat neben Newtopia auch diverse andere TV-Formate entwickelt. Er ist der Erfinder von Big Brother und machte seine Schwester Linda de Mol in den 90er Jahren mit der Traumhochzeit zu einer der beliebtesten Fernsehmoderatorinnen. In den Niederlanden lief das Scheunenspiel übrigens über drei Jahre.

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Die Mitarbeiter vor Ort in Zeesen wurden durch die TV-Produktion Talpa Germany gekündigt, das gesamte Areal an der August-Bebel-Straße zurückgebaut. Sowohl die Bürocontainer als auch die Scheune, in der das Fernsehspiel stattfand – alles musste wieder weg.

Newtopia war Sprungbrett für Kate Merlan

An die meisten Kandidaten, die damals vor den südlichen Toren der Haupstadt Berlin eine neue Welt erschaffen wollten, kann sich heute fast niemand mehr erinnern. Enrico Wer? Was, ein Vati? Nanu, Bauer Heiko? Die hatten sogar eine Postfrau? Hatten sie, die 15 Pioniere. Allerdings ist die einzige, die dem Medien- und Realitiy-TV-Business standgehalten hat, Kate Merlan.

Die Kölnerin zog Anfang März, kurz nach dem Start der Sendung, in die Scheune in den Königs Wusterhausener Ortsteil Zeesen. Sie war damals jung. Und bis auf ein paar Rollen in Gerichtsshows hatte sie bis dato kaum TV-Erfahrung. Kate Merlan erzählt im MOZ.de-Interview: „Ich wollte unbedingt in diese Show. Ich kam durch sämtliche Casting-Runden und beim letzten Treffen hieß es dann plötzlich ‚Du bist es leider nicht‘. Für mich ist da eine Welt zusammen gebrochen.“

Kate Merlan ist dem TV treu geblieben

Der Kummer über die Absage war aber nur von kurzer Dauer, denn: „Kurz nach dem Start kam der erlösende Anruf von der Produktion und ich durfte doch meine Kiste packen und teilnehmen.“ Die heute 38-Jährige gehört inzwischen zu den beliebtesten Reality-Kandidaten in der deutschen TV-Landschaft. Ob „Prominent getrennt“, „Das Sommerhaus der Stars“ „Kampf der Realitystars“ oder wie aktuell das RTL+-Sex-Experiment „Stranger Sins“ – Kate Merlan ist inzwischen gut und gerne gebucht.

Während ihrer Zeit in Zeesen war sie eher die verträumte Gärtnerin. Sie pflanzte Blumen ein, malte Steine an und hatte eine Liebelei mit Newtopia-Kollegen Sebastian. Auch Sex in der Scheune soll es laut Kate gegeben haben. Aber das ist für sie heute alles Schnee von gestern. „Der Basti ist inzwischen verheiratet und hat Kinder und Newtopia ist eigentlich kein Thema mehr. Ich denke allerdings gerne an die Zeit zurück. Und wenn ich ehrlich bin, würde ich so ein Format immer wieder machen.“

Kate Merlan: „Es waren keine Momente, es waren die Menschen!“

Während sie diese Sätze spricht, beginnen ihre Augen zu leuchten. Was ihre schönsten Momente waren? „Keine Momente, es waren die Menschen. Auch wenn wir uns in den vergangenen 10 Jahren auseinander gelebt hat, ist da immer noch eine Verbindung.“ Sie spielt zum Beispiel auf Mitspieler Steffen Wagner an, den in Newtopia alle „Vati“ nannten.

Das wurde aus den anderen Newtopia-Pionieren

Für den heute 72-Jährigen war die Teilnahme bei Newtopia das Erlebnis seines Lebens. Vor seiner Teilnahme war er lange arbeitslos. Nach der Absetzung der TV-Show war er es wieder. Der Mecklenburger erlebte in den 106 Tagen in KW ein Leben, das er nie zu träumen wagte. Die jungen Menschen beflügelten ihn, für die Hühner, die ebenfalls Teil der Sendung waren, war er der beste Freund. Man spielte mit ihm „Vaddi ferngesteuert!“ und ganz nebenbei wäre Steffen Wagner auch fast noch Ballermann-Star geworden. Der Song „Bierchen“, angelehnt an sein Lieblingsgetränk, war bereits geschrieben – unter anderem von Kate Merlan.

Die Reality-Ikone telefoniert heute noch häufig mit dem Rentner, der inzwischen im nördlichen Brandenburg wohnt. „Er ist mir wichtig. Ich besuche ihn auch mindestens einmal im Jahr, meistens um seinen Geburtstag herum.“ Im Moment hätte Vati aber viel mit seiner Frau Conny zu tun. Sie ist durch eine heimtückischen Krankheit an den Rollstuhl gefesselt und er selbst an Krebs erkrankt. Derzeit sei der TV-Rentner zwar krebsfrei, jedoch schmecke ihm das Bierchen nicht mehr so wie früher, erzählt er gegenüber MOZ.de.

Newtopia hat auch Menschen aus der Region KW beschäftigt

Während die Kandidaten in der Scheune an einer für sich besseren Welt bastelten, mussten sie trotzdem häufig Unterstützung von außerhalb bekommen. Ein heimlicher Star der damaligen Sat.1-Show war unter anderem Heiko Terno aus Kümmritz bei Luckau. Als Bauer Heiko war er damals ein gern gesehener Gast in der Sendung und auch bei den Teilnehmern. Der heutige Vizepräsident des Landesbauernverbandes Brandenburg und stellvertretende Vorstandsvorsitzende bei Pro agro stand den Pionieren während den Dreharbeiten mit Rat und Tat rund um die Tiere zur Seite, aber gab auch so manch väterlichen Ratschlag mit auf den Weg.

Der Landwirt Heiko Terno aus Kümmritz bei Luckau. Nach dem Show-Ende blieben ihm einige Requisiten von der Reality-TV-Show.

Der Landwirt Heiko Terno aus Kümmritz bei Luckau. Nach dem Show-Ende blieben ihm einige Requisiten von der Reality-TV-Show.

picture alliance / dpa | Patrick Pleul

Wenn auch nur vorsortiert und in kleinen Dosen, dennoch erhielten die Bewohner von Newtopia täglich Post. Diese Rolle übernahm damals Heidi Wollschlaeger. Die heutige Rentnerin kam zu der Rolle der Postfrau Heidi wie die Jungfrau zum Kinde. Sie sagt: „Meine Tochter hat damals in der Produktion gearbeitet und es wurde spontan jemand für den Job gebraucht. Ich hatte nicht einmal Zeit darüber nachzudenken und war plötzlich täglich dabei.“ Ihre Erinnerungen an das TV-Spektakel sind durchweg positiv: „Wenn ich ehrlich bin, würde ich heute immer noch die Post in Newtopia ausliefern, das hat sehr viel Spaß gemacht.“

Auch Kate Merlan erinnert sich noch an Heidi. „Heidi war immer lieb zu mir. Manchmal hat sie mir auch einfach nur ihr Ohr geliehen und ich habe ihr ein bisschen was erzählt.“ Heute sieht Heidi Kate in so mancher Trash-TV-Show und sagt: „Sie ist ihren Weg gegangen und das, was sie macht, das macht sie toll. Ich bin ein bisschen stolz, dass ich sie schon kannte, bevor Nino de Angelo kam.“ Heidi muss lachen. Mit dem „Jenseits von Eden“-Sänger war Kate 2017 für eine Zeit liiert. Momentan lebt sie in Scheidung von ihrem Mann Jakub. „Es ist einfach zu viel passiert“, schließt sie das Kapitel ab.