Vandalismus: Graffiti-Tags als Form politischer Teilhabe

Spur des Vandalismus: kaputtes Fenster in der Mädchentoilette im Jugendclub Erkner
Joachim EggersZwei Jugendliche seien als mutmaßliche Urheber der Randale in der Nacht zum Sonnabend identifiziert. Das sagte der Geschäftsführer des Vereins Future, Falk Urzynicok, am Montagabend im Bildungsausschuss. Die Polizei hat diese Angaben am Dienstag indes nicht bestätigt.
Nach einer Feier im von Future betriebenen Jugendclub waren mehrere Jugendliche durch Erkner gezogen, hatten unter anderem elf Autos beschädigt. Außerdem stahlen sie ein Boot vom Gelände des Anglervereins Neuseeland. Das Grundstück des Vereins wird mit Kameras überwacht. Wie der Vereinsvorsitzende, Wolfgang Trogisch, berichtete, sind die Kameras zwar selbst auch beschädigt worden. „Aber eine haben sie übersehen“, so Trogisch. Das Aufzeichnungsgerät laufe ohnehin weiter. Das Boot von Vereinsmitglied Ronny Ertelt wurde nach dessen Angaben am Montagmorgen wieder gefunden, im Wasser des Dämeritzsees. Wie bei dem gesamten Streifzug ging es offenkundig auch hier nicht darum, etwas zu erbeuten, sondern um Vandalismus.
Nach Angaben von Urzynicoks Stellvertreterin Christin Stepputat hatte eine Mutter den Jugendclub für eine private Feier gemietet. Die mutmaßlichen Randalierer hätten nicht zu den eingeladenen Gästen gehört.
Es war Zufall, dass am Montagabend im Bildungsausschuss ein Bericht über die Arbeit des Vereins Future anstand. Die Aussprache drehte sich dann recht schnell um den aktuellen Vorfall und seine Hintergründe. Er steht im Kontrast zu dem gesetzlichen Auftrag der Stadt, Kinder und Jugendliche für mehr politische Teilhabe zu gewinnen. Damit hat die Stadt Future beauftragt. „Teilhabe bedeutet für diese Jugendlichen, dass sie ihre Tags da anmalen, wo sie wollen“, so das bittere Fazit Urzynicoks mit Bezug auf die weit verbreiteten Graffiti in der Stadt. „Was da passiert ist, wirft uns weit zurück“, sagte Bürgermeister Henryk Pilz mit Bezug auf die aktuellen Vorfälle. Er sei sich indes sicher, dass die Täter nicht zu den Stammbesuchern des Jugendclubs gehören, die sehr engagiert seien. Schon vor drei Monaten habe es die Tendenz gegeben, dass bestimmte Gruppen aufgrund der Einflussnahme der Jugendlichen selbst den Club gemieden hätten.
Erik Nickel von der CDU-Fraktion, von Beruf Polizist in Berlin, plädierte dafür, dem Vandalismus mit massiver anhaltender nächtlicher Polizeipräsenz zu begegnen. Das sei unrealistisch, entgegnete Pilz, er sei schon stolz, dass er eine gemeinsame Tagstreife von Polizei und Ordnungsamt hinbekommen habe. Siegfried Unger von der Gesellschaft für Arbeit und Soziales (Gefas) berichtete von schlimmen Umtrieben im Stadtpark und schloss sich Nickel an. Ausschuss-Vorsitzende Elvira Strauß (Die Linke) plädierte für einen runden Tisch.
