Nach langem Tauziehen wurden am Samstag die Stolpersteine für das von den Nationalsozialisten ermordete Ehepaar Katz an ihrem letzten Wohnort in Dallgow-Döberitz verlegt. Dem unnachgiebigen Engagement der Stolperstein Vorbereitungsgruppe Falkensee ist es zu verdanken, dass Herta und Richard Katz nicht vergessen werden und nach Hause kommen durften.

Letzter Wohnort: Nauener Straße in Dallgow-Döberitz

Rund 70 Besucher sahen zu, wie Rüdiger Schäfer von der Stolperstein Vorbereitungsgruppe Falkensee die beiden auf Pflastersteine befestigten Gedenktafeln umsichtig in die dafür vorgesehenen Löcher versenkte. Unter den Besuchern ist mit Eva Landmann eine Angehörige der Familie Katz. Herta und Richard Katz hatten in der Nauener Straße in Dallgow-Döberitz ihren letzten, selbst gewählten Wohnort.

Deportiert und im Konzentrationslager ermordet

Das betagte Ehepaar überlebte die Nazi-Diktatur nicht, sie wurden in Konzentrationslager verschleppt und ermordet. 78 Jahre nach ihrer Deportation und ihrem gewaltsamen Tod gibt es nun einen Ort, der an das Paar erinnert, der Familie und Freunden als Ort des Gedenkens dienen kann. In einer nachfolgenden Veranstaltung berichtete Christoph Janssen über das Leben der Familie Katz. Janssen hatte gemeinsam mit Claudia Schmidt über das Schicksal der Familie Katz recherchiert.

Katz war studierter Architekt

„Am Anfang war es nur ein Name – am Ende ein ganzes Leben.“ Unter dieser Überschrift gibt Janssen Einblick in das Leben des Paares und damit auch in die Zeit des Nationalsozialismus in Dallgow-Döberitz. Herta Katz wurde 1882 als Herta Posner geboren, Richard Katz kam 1871 zur Welt. Beide stammten aus angesehenen Berliner Familien. Richard Katz hat zunächst in Berlin Architektur studiert, dann geht es nach Stuttgart. Hier hat er Spuren in Stein hinterlassen, zehn von ihm geplante Gebäude haben die Zeit überdauert.

Seit 1930 lebte Ehepaar in Dallgow

1904 heiratet das Paar in Berlin, sie ziehen nach Rom, hier wird auch Tochter Ramona geboren. Die nächste Station führt sie nach Zürich. 1922/23 kommen sie zurück nach Berlin, um 1930 zieht das Paar nach Dallgow. Richard Katz war lange Zeit sehr erfolgreich, doch die Weltwirtschaftskrise setzt ihm schwer zu, wird die Tochter sich später erinnern. Nach 1933 lebt das Paar von Ersparnissen, denn aufgrund seiner jüdischen Wurzeln darf Katz nicht mehr arbeiten.

Repressalien in der Nazi-Zeit nahmen zu

Um dennoch etwas dazu zu verdienen, entwirft Richard Katz Baupläne für Privatleute im Ort. 1938 bekommt er deswegen „Besuch“ vom Bürgermeister, der ihm Strafe androht, sollte er dies nicht unterlassen, erinnert sich die Tochter. Janssen und Schmidt finden bei ihrer Recherche Dokumente, in denen Zeitzeugen berichten, wie die Familie drangsaliert wird. Schließlich traute sich das Ehepaar Katz kaum mehr vor die Tür. Mitleidige Mitbürger sollen das Paar mit Lebensmitteln versorgt haben.

Deportiert nach Theresienstadt

Viel blieb Herta und Richard Katz nicht, das belegt die Vermögenserklärung, die sie vor ihrer Deportation ins Lager Theresienstadt abgeben mussten. Von dem, was im Haus zurückblieb, wurden die Fahrkarten für den Zug in das Konzentrationslager und die Aufnahmegebühr bezahlt. In Theresienstadt traf das Ehepaar Katz auf Alice Krebs, die Schwester von Richard Katz. Krebs überlebte und konnte somit vom Schicksal der Familie Katz berichten.

Herta Katz in Auschwitz ermordet

In Theresienstadt erkrankt Richard Katz, erholt sich dann aber nach Aussagen seiner Schwester wieder. Umso erstaunter ist sie, als sie erfährt, dass ihr Bruder in ein Krankenhaus verbracht wird. Kurze Zeit später erfährt sie, dass er dort gestorben sei. Bald darauf wird Herta Katz mit dem 31. Osttransport ins Konzentrationslager Ausschwitz deportiert und dort ermordet.

Platz für Andenken

Die Tochter Ramona überlebt in einer Haftanstalt. „Man wollte sie gegen Gefangene austauschen können“, berichtet Klaus-Peter Herberg. Herberg war ein Freund der Familie. Er ist zur Stolpersteinverlegung aus Kassel angereist. Ein beruhigendes Gefühl sei es, nun endlich einen Platz für das Andenken zu haben, sagt er. Herberg kannte Alice Krebs, die er „sehr verehrte“ und die nach dem Krieg wieder in Deutschland lebte, wie er berichtet.

Weiter Weg bis zu den Stolpersteinen

Das es nun einen Platz der Erinnerung an Herta und Richard Katz gibt, ist den ehrenamtlich aktiven der Stolperstein Vorbereitungsgruppe Falkensee zu verdanken. Rüdiger Schäfer hatte den Anstoß und erste Informationen über das Schicksal der Familie Katz gesammelt. 2008 brachten die Fraktionen der Bündnisgrünen und Die Linke einen entsprechenden Antrag in der Gemeinde ein. Doch dieser wurde abgelehnt. Neben der politischen Entscheidung waren es die neuen Bewohner der Adresse, die keine Stolpersteine vor ihrer Tür wollten.

Bewohner verhindern über Jahre die Verlegung der Steine

Sie verhinderten über Jahre erfolgreich das Verlegen der Steine auf dem öffentlichen Straßenland. Der Grund hierfür soll in der Familiengeschichte der derzeitigen Grundstücksbesitzer liegen. 2013 fasste die Gemeinde den Beschluss, Stolpersteine dürften nur im Einverständnis mit den Grundstückseigentümern verlegt werden. Der Beschluss wurde 2019 gekippt. Doch inzwischen beherrschte eine weltweite Pandemie und die Verlegung der Steine musste erneut warten.

40 Stolperstein-Verlegungen in und um Falkensee organisiert

Seit 1992 verlegt der Initiator der Stolperstein-Idee Gunter Demnig die kleinen Messingplatten zum Andenken an die gewaltsam verschleppten und Getöteten. Von Seiten den Anwohner treffe die Stolperstein-Vorbereitungsgruppe selten auf Widerspruch, sagt Ines Oberling, die der Gruppe vorsteht.
Auch sie ist erleichtert, dass die beiden Steine nun endlich dort sind, wo sie hingehören. Auf solch einen Widerstand war sie bisher noch nicht gestoßen. Im Gegenteil, es finden sich meist rasch Sponsoren für die Steine. 40 Stolperstein-Verlegungen hat die Gruppe bisher in Falkensee und Umgebung initiiert.

75.000 Stolpersteine in Deutschland verlegt

Das es dennoch immer wieder mal zu Problemen bei der Verlegung von Stolpersteinen kommt, zeigt ein Fall aus Dänemark. Auch hier hatte man die Gedenktafel für Axel Mogens Metz aus Rücksichtnahme auf Anwohner, die den Stolperstein als „unangenehm“ empfinden könnten, nicht verlegt. Inzwischen konnte auch dieser Stolperstein verlegt werden. Rund 75.000 Stolpersteine wurden bisher in Deutschland verlegt.