Kirche und Landwirtschaft gehören durchaus zusammen. Allein im 1. Buch Mose im Alten Testament, tauchte das Wort Acker 18 mal auf, listet das Internet Forum „knowing – Jesus“ auf. Zudem ist die Kirche immer noch großer Landbesitzer. Die Chance, mit dem Berliner Erzbischof Dr. Heiner Koch ins Gespräch zu kommen, nutzten Landwirte aus dem Havelland, wie auch Vertreter der Kirchen und Kommunalpolitik. Der Erzbischof besuchte das von Thomas Große Rüschkamp bewirtschaftete Gut Markee in Nauen, um sich einen Überblick über die Situation der Landwirte in der Region zu verschaffen. Das Treffen war von Landtagsabgeordneten Johannes Funke, Sprecher für Agrar- und Religionspolitik der SPD-Fraktion im Landtag, initiiert worden.

Symbolischer Weizen ausgesät

Zunächst ging es raus auf den Acker, wo Familie Große Rüschkamp mit dem Erzbischof symbolisch Weizen aussäte. Aus Körben, die Körner vor sich her streuend, ist das eine mühselige Tätigkeit, die heute mit modernster Technik ausgestattete Landmaschinen übernehmen. „Ich wollte deutlich machen, wie groß der technische Fortschritt mit Satellitengesteuerten Traktoren und exakt arbeitenden Drillmaschinen inzwischen ist“, erklärte Große Rüschkamp.

Ein Landwirt ernährt 145 Personen

Mit Hilfe dieser Maschinen kann das Saatgut auf ein Feld von 50 Hektar Größe an einem Tag ausgebracht werden, sagt er weiter. In den 1950er Jahren hat ein Landwirt statistisch zehn Menschen ernährt, heute sind es 145, erläutert der Landwirt weiter.
Auf seinem Acker setze er auch Pflanzenschutzmittel ein. „Nämlich dann, wenn eine bestimmte Schad-Schwelle überschritten ist.“ Große Rüschkamp spricht sich für einen sachgemäßen und sehr genauen Umgang mit den umstrittenen Pflanzenschutzmitteln aus. Die Umsicht sei dabei sehr wichtig, sagt er.

Gesprächsrunde über Naturschutz und Landwirtschaft

In der anschließenden Gesprächsrunde wurden viele Themen angeschnitten. Naturschutz und Landwirtschaft, einige sehen hier Differenzen, andere suchen die Gemeinsamkeiten. Detlef Wacker, 2. Vorsitzender der Kreisbauernverbandes Havelland beantwortete die Frage des Erzbischofs nach der Anzahl der Betriebe im Kreis. 350 landwirtschaftliche Betriebe mit rund 1.600 Mitarbeitern gibt es in der Region.

Milchpreis ist zu niedrig

Peter Kaim, Landwirt aus Ribbeck, hat drei wirtschaftliche Standbeine auf seinem „Havellandhof“: Energie, Ackerbau und Milchproduktion. Mit seinen Milchkühen verdient er am Liter Milch seit Jahren 30 Cent. Der Milchpreis ist zu niedrig und somit sei es auch kein Wunder, wenn immer mehr Milchbauern aufgeben, sagt er. „Wir hatten mal 39 Milchviehbetriebe in der Region. Jetzt sind es noch 25.“
Udo Hemmerling, stellvertretender Generalsekretär beim Deutschen Bauernverband, geht auf die Diskrepanz zwischen Kundenwunsch und Kaufentscheidung ein. „80 Prozent der Verbraucher sagen, sie wollen nachhaltig produzierte Produkte, treffen beim Einkaufen dann aber andere Entscheidungen.“
Nauens Bürgermeister Manuel Meger (LWN) bemerkt eine Entfernung zwischen Städtern und Landwirten. 15 landwirtschaftliche Betriebe gibt es in Nauen. Meger sagt, er kenne die Diskussion, wenn der Mais-Transsport durch das Gebiet der Kernstadt führt.

Mehr Achtung für Lebensmittel gewünscht

Einen der vielleicht wichtigsten Aspekte, wenn es um die Landwirtschaft geht, spricht Walburga Kaim vom Havellandhof an. Sie sagt, es werde sehr viel über die Landwirte geschimpft. „Gleichzeitig werden so viele Lebensmittel verschwendet, einfach weggeworfen. Ich würde mir wieder mehr Achtung für Lebensmittel wünschen“, und setzt hinzu: „Trocken Brot ist nicht hart. Kein Brot haben, ist hart.“ Wie dieses tägliche Brot, beziehungsweise wie das Korn dazu entstand, will die Öffentlichkeit immer wieder wissen. „Landwirte müssen sich ständig erklären“, sagt Funke.

Erzbischof beeindruckt von vielfältigen Themen

Erzbischof Koch, zu dessen Bistum neben Berlin auch große landwirtschaftlich geprägte Gegenden in Brandenburg und Vorpommern gehören, zeigte sich beeindruckt von den vielfältigen Themen und Problemen der Landwirte wie Pflanzenschutz, Tierhaltung, Biogas und Bodenpachtmarkt: „Dass ich von Kindheit als Städter geprägt bin, muss ich immer wieder einräumen, dabei kann ich die Gleichnisse Jesu von Aussaat und Ernte, von Unkraut und Weizenkorn auf dem Land viel besser nachvollziehen. Ich bekunde erneut meinen Respekt vor den Landwirten, die mir auch den Respekt vor der Natur und Gottes guter Schöpfung wieder nahebringen. Wir können säen, düngen und ernten, wir können es aber nicht selbst regnen oder gar wachsen lassen.“