1. Mai: Brückenfest mit mehr Politik und mehr Besuchern

Mehrere zehntausend Besucher flanierten an der Oder entlang. Die Meile des von Linken und DGB veranstalteten Brückenfests reichte in diesem Jahr von der Oderbrücke bis zur Havana Bar.
René MatschkowiakBürgerdialoge sind nicht immer einfach. „Warum muss ich meinem Sohn komplett neue Schulbücher kaufen, nachdem wir umgezogen sind?“ fragt ein aufgeregter Frankfurter Vater. „Er hat doch nur innerhalb der Stadt die Schule gewechselt.“ Jan Augustyniak hatte noch am Vormittag als Kreisvorsitzender der Linken das Brückenfest eröffnet und auf die zahlreichen Gesprächsangebote von Abgeordneten und Kandidierenden zur Stadtverordnetenversammlung, etwa im eigenen „Politzentrum“ hingewiesen. Nun murmelte Augustyniak etwas ratlos zu dem Vater: „Das ist Landespolitik.“ Er winkte seine Parteigenossin Bettina Fortunato heran, die im Landtag sitzt. Die übernahm und der Bürgerdialog wanderte zum „besseren Bildungssystem in der DDR“ und der Idee gemeinsamer Beschulung in den ersten acht Jahren.
Einige Bratwurststände weiter ein Bürgerdialog am Stand von „Der Partei“: Ein älteres Paar nähert sich. Mann zum uniformierten Standpersonal: „Das alte SED-Lied von der ‚Partei, die immer recht hat’ kennen sie aber nicht?“ Die Parteileute antworten, indem sie textsicher das Lied anstimmen. Das Paar wartet höflich ab bis sie die Strophe beenden und geht weiter. "Fand ich nicht lustig. Wir hatten das ja früher schon mal“, sagt die Frau auf Nachfrage.
Mit den Mitteln von Satire Politik zu machen, wie es Philipp Hennig, der junge Kreischef der "Partei“ formuliert – ist nicht immer ganz einfach. Es brauche ein auch bisschen Intellekt, sagt er. Und in der Kommunalpolitik verfolge man ja ernsthafte Anliegen. Mitstreiterin Cindy Rosenkranz ist gerade nach Frankfurt zurückgezogen und will dafür sorgen, dass es noch mehr tun.
Europathemen kommen kurz
Offenbar gab es ein Bedürfnis nach solchen Gelegenheiten in lockerer Atmosphäre mit Politikern in Kontakt zu kommen, denn das Brückenfest, das größte politische Maifest Brandenburgs, schien in seinem 27. Jahr noch besser besucht zu sein als in den Vorjahren. Die Zahl von 35 000 Besuchern machte unter den Veranstaltern die Runde. Selbst das Hickhack im Vorfeld um die Aus- und Wiedereinladung der FDP schien dem Fest keineswegs geschadet zu haben.
Die FDP hielt trotzdem an ihrem reservierten Platz vor der offiziellen Brückenfestmeile und damit fernab der anderen Parteien fest. Nur die tatsächlich nicht eingeladene AfD hatte daneben ihren Stand. „Der Platz, der uns noch angeboten wurde, war zu klein für unseren Pavillion. Und dieser Platz ist super“, sagte der FDP-Kandidat zur SVV Thomas Wolf zufrieden während er gelbe Luftballons verteilte.
Etwas kurz kam das Thema Europa. Zum angekündigten „Europa-Talk“ kam am Tag genau 15 Jahre nach der EU-Osterweiterung, anders als geplant, kein Politiker aus Polen und Tschechien. Lediglich die Grünen stießen mit drei Kollegen aus Osno Lubuskie an.
Infotitel
Hier beginnt der Infotext fett danach wieder normal⇥Autor XXX
