1. September
: ZDF überträgt Gottesdienst  aus Frankfurt

Am 80. Jahrestag des Überfalls auf Polen predigt der EKD-Ratsvorsitzende in der Friedenskirche an der offenen Grenze.
Von
Ines Weber-Rath
Frankfurt (Oder)
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  • Pfarrerin Gabriele Neumann an der Friedenskirche, aus der der ZDF-Fernsehgottesdienst übertragen wird.

    Pfarrerin Gabriele Neumann an der Friedenskirche, aus der der ZDF-Fernsehgottesdienst übertragen wird.

    Gerrit Freitag
  • Heinrich Bedford-Strohm wird in Frankfurt predigen.

    Heinrich Bedford-Strohm wird in Frankfurt predigen.

    Daniel Karmann/dpa
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Die ersten Techniker des Senders waren längst da, um sich die Friedenskirche anzuschauen. Das Programm für den Gottesdienst am 1. September stehe. Die Proben haben begonnen, sagt Gabriele Neumann. Die geschäftsführende Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Frankfurt (Oder)-Lebus bekennt, durchaus etwas aufgeregt zu sein. Doch das ist kein Wunder. Schließlich schaut am Weltfriedenstag in diesem Jahr ganz Deutschland nach Frankfurt: Zum ersten Mal seit 16 Jahren überträgt das ZDF an diesem Sonntagmorgen wieder seinen Fernseh-Gottesdienst live aus der Oderstadt. Zuletzt gab es 2003 eine Liveübertragung aus der katholischen Kirche Heilig Kreuz.

Der Sender habe sich mit der Bitte, am 80. Jahrestag des Überfalls von Nazi-Deutschland auf Polen aus der Frankfurter Friedenskirche senden zu dürfen, an die Kirchengemeinde gewandt, sagt Gabriele Neumann. Und: Eigentlich hätten es die Verantwortlichen hier lieber gesehen, wenn aus der Marienkirche, dem Aushängeschild der Gemeinde, übertragen worden wäre. Aber die Fontane-Ausstellung, die dort gezeigt wird, verhindert dies.

Die Sorgen um die spartanische Ausstattung der Friedenskirche, in der es keinen Altar, nur einen Altartisch gibt und dessen alte Bestuhlung aus der Konzerthalle stammen soll, sind inzwischen gegenüber dem Anliegen in den Hintergrund getreten.

Schließlich bietet die Friedenskirche an diesem besonderen Tag viel Symbolkraft: Die älteste Kirche der Stadt befindet sich nicht nur in unmittelbarer Nähe zur Stadtbrücke und damit zur deutsch-polnischen Grenze. In ihr hat auch das Oekumenische Europa-Centrum seinen Sitz, das den interkonfessionellen Austausch, vor allem mit Osteuropa fördert.

Gabriele Neumann freut sich auf die Begegnung mit Heinrich Bedford-Strohm. Dass der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) die Predigt im Frankfurter ZDF-Fernsehgottesdienst übernimmt, habe der Sender organisiert, sagt die Pfarrerin. Bedford-Strohm soll schon am Vortag anreisen und an der Generalprobe teilnehmen. „Wir wollen ihn danach zu einem Gemeindeabend in die Gertraudkirche einladen, zu dem Interessierte willkommen sind“, so Gabriele Neumann.

Mitglieder ihrer Gemeinde, aus der Frankfurter Kinder- und Jugendkantorei und aus dem Oekumenischen Europa-Centrum werden den 45-minütigen Gottesdienst mitgestalten. Es gehe darum, an Beispielen zu zeigen, wie Deutsche und Polen heute zusammen leben, erklärt die Pfarrerin.

Als Herausforderung sehen alle Beteiligten das Zeitmanagement für die Sendung, das genau einzuhalten ist. „Um 9 Uhr müssen alle auf ihren Plätzen sitzen. 9.30 Uhr beginnt die Übertragung, 10.15 Uhr ist Schluss“, weiß Gabriele Neumann. Die Proben, auch des Posaunenchores, haben begonnen. Die Leitung des Gottesdienstes wird sich übrigens der Superintendent des ev. Kirchenkreises Oderland-Spree, Frank Schürer-Behrmann, mit Heinrich Bedford-Strohm teilen.

Die kommenden acht Wochen werden Frankfurts Christen mit vielen Proben schnell vergehen, weiß Gabriele Neumann.

Hinweis: In einer früheren Version hieß es, es handele es sich um den ersten vom ZDF übertragenen Fernsehgottesdienst. Das stimmt so nicht. Wir haben den Beitrag entsprechend korrigiert.

Wissenswertes

Der ZDF-Fernsehgottesdienst wird seit 1979 übertragen, anfangs 14-täglich, seit 1986 im wöchentlichen Wechsel evangelisch und katholisch. Er hat aktuell deutschlandweit rund 900 000 Zuschauer pro Sendung.

Der Weltfriedenstag wird in der Bundesrepublik seit 1966 am 1. September, dem Jahrestag des Überfalls Nazi-Deutschlands auf Polen 1939 begangen. Er war der Ausgangspunkt für den Zweiten Weltkrieg.

Die Frankfurter Friedenskirche wurde um 1226 erbaut. Sie ist der älteste Steinbau der Stadt und war einst dem Heiligen Nikolaus, dem Schutzpatron der Schiffer und Kaufleute gewidmet. Die Stadt ist für 99 Jahre Pächterin.⇥ir