Abriss
: Brandvilla in Słubice soll Tankstelle weichen

Für viele Słubicer war sie Geburtsort und Kindergarten. Aber in den letzten Jahren brachen in dem Haus ständig Feuer aus.
Von
Nancy Waldmann
Slubice
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Izabela Homziuk ging 1979/80 hier in den Kindergarten. Nach wiederholten Bränden in den letzten Jahren wird die Villa nun abgerissen. Für viele Slubicer war sie Geburtsort und Kindergarten. Aber in den letzten Jahren brachen in dem Haus ständig Feuer aus.

Nancy Waldmann

Von der Seite her sieht man den ausgebrannten offenen Dachstuhl. Schlimmer sieht der Hinterhof aus, Müll und vom letzten Feuer angeschmorter Schutt quillt aus Kellereingängen. Das letzte Mal brannte es Anfang Januar, zwei obdachlose Männer, die in dem leerstehenden Haus Unterschlupf gefunden hatten, kamen dabei ums Leben. Izabela Homziuk wirft einen sehnsüchtigen Blick über das Tor hinunter in den großen Garten mit den alten Bäumen, der sich bis zur Mauer erstreckt, die an die Straße angrenzt. "Der Kindergarten war ein magischer Ort für mich als Kind, mit den alten Weiden in dem geheimnisvollen Garten.“ Das war Ende der 70er. Homziuks Mutter ist in dem Haus geboren, als es noch ein Geburtshaus war. Vor 1945 gehörte das Haus Familie Collath, Inhaber einer Jagdwaffen–Fabrik in der Dammvorstadt. Nun wird die Villa abgerissen.

Im oberen Stock ist bereits ein Bauarbeiter zugange, wirft etwas aus dem offenen Fenster. Viele Słubicer bedauern das Verschwinden ihres Geburtsortes oder ihrer alten Kita wie man in sozialen Netzwerken lesen kann. Izabela Homziuk geht es aber nicht nur um ihre Kindheit. „Solche alten Bauten sind doch die Seele einer Stadt. Und soviele haben wir davon nicht.“ Auf dem Nachbargrundstück wurde schon 2012 ein altes Bürgerhaus von 1830 abgerissen, eins der ältesten Häuser auf dieser Oderseite.

Izabela Homziuk steht noch am alten Kindergarten, deutet auf einen dünnen Maschendraht, mit dem ein offenes Kellerfenster abgesperrt ist. Ein Hindernis, um dort einzusteigen, ist der Draht aber nicht. Izabela Homziuk glaubt, das sei Absicht. Sie rief beim zuständigen Denkmalpfleger der Wojewodschaft Lubuskie in Gorzów an.

Seitdem die Kita „Pinokio“ 2014 umzog in ein neues Domizil, steht die Villa leer. Die Stadtverwaltung überließ das Grundstück einem Privatmann, im Tausch gegen drei kleinere Grundstücke. Seither verfällt das Haus zusehends. Immer wieder brachen Feuer aus. Auch an Roland Semik, der sich in Słubice ehrenamtlich für Denkmalschutz engagiert, trugen besorgte Bewohner die Vermutung heran, der Eigentümer ließe die Villa gezielt verfallen, indem er Türen und Fenster unzureichend sichere und so zuließe, dass Dritte das Haus zerstören könnten. Auch Semik selbst glaubt nicht, dass die Villa zufällig immer wieder in Brand geriet. „Die Hauptschuld für diesen Zustand trägt der private Eigentümer“, sagt er. Schon im September 2018 informierte Semik den Denkmalpfleger in Gorzów. Das Haus stand zwar nicht in der Liste der geschützten Objekte, war aber bis vor kurzem in der städtischen Denkmal–Evidenz verzeichnet.

Eigentümer plant Tankstelle

Błazej Skazinski vom Gorzower Denkmalpflege–Amt sagt, wenn der Eigentümer das Gebäude nicht sichere, könne nicht er, sondern nur das Bauamt einschreiten. Der Streichung aus der städtischen Evidenz habe er letztlich zugestimmt. „Die Villa ist ein durchaus repräsentatives Beispiel für Bauten seiner Zeit, aber auch nicht so besonders, dass ich sie um jeden Preis hätte schützen können“, erklärt Skazinski am Telefon. Zudem sei die Bausubstanz verändert und verschlechtert, teils durch nicht denkmalgerechte Sanierungen nach 1945. Dann durch die die Brände der letzten Jahre. Wände seien gerissen, Nässe eingedrungen. Dachstuhl, Decken und Teile der Außenmauern müssten komplett erneuert werden. „Wenn 60 bis 70 Prozent der Bausubstanz ersetzt werden müssen, fehlt mir die Grundlage, das Objekt im jetzigen Zustand zu schützen. Mein Ziel ist es, soviel wie möglich originale Bausubstanz zu schützen“, sagt er.

Der Eigentümer Ryszard Pawlukowski möchte auf dem Gelände eine Tankstelle errichten, hat also am Erhalt der alten Villa kein Interesse. Ein entsprechender Bauvorbescheid wurde 2019 erteilt und dieser blieb trotz Einwohnerprotesten in Kraft.

„Der Eigentümer machte seine Pläne von Anfang an deutlich und es liegt für das Gebiet auch kein Flächennutzungsplan vor, der dagegen spräche“, sagt Stadtrat Piotr Gołdyn. Izabela Homziuk ärgert das: „Die Stadtverwaltung hat es nicht interessiert, wem sie das Haus überlassen.“