Ärgernis
: Vandalismus auf Campus bleibt folgenlos

Fehlende Kirschbäume, eingeschlagene Monitore und zerbeulte „Smarties“ – Uni-Platz leidet unter Zerstörungen.
Von
Jan-Henrik Hnida
Frankfurt (Oder)
Jetzt in der App anhören

Der Student Daniel Sadecki macht bei der MOZ-Aktion "Dranbleiben" auf Vandalismus vor dem Audimax aufmerksam: Die Monitore des Info-Points zieren nun Eisenplatten.

Jan-Henrik Hnida

Schade, dass dieser schöne Platz nun schon lange so aussieht“, sagt Daniel Sadecki. Der Student steht auf dem Platz vor dem Audimax. Spielen an sonnigen Tagen während des neuen Sommersemesters Studierende Tischtennis oder sonnen sich auf den Holzbänken, so machen sich abends und am Wochenende oft Jugendliche auf dem Gelände breit. Nicht ohne Folgen: „Oft liegen hier Glasscherben kaputter Bierflaschen rum“, hat Sadecki (24) beobachtet. Seit letztem Sommer fehlen zwei von fünf japanischen Zierkirsch-Bäumen.

„Und der ist auch kaputt“, zeigt der Student auf den Info-Point. Konnte man sich einst an den Monitoren über Veranstaltungen von Stadt und Uni informieren, so hängen vor den Bildschirmen nun Metall-Platten. „Die wurden so tief eingeschlagen, dass andere Leute später auch noch Müll reingestopft haben“, beobachtete Sadecki.

Laut der Viadrina-Pressestelle seien einer der Kirschbäume und die Infostele im Juni 2018 beschädigt worden. „Ein Täter wurde nicht ermittelt, das Verfahren eingestellt“, so Frauke Adesiyan. Bezüglich der Infostele habe die Uni sich entschieden, sie nicht länger zu betreiben, sondern zu verkleiden und als eine „Art Litfaßsäule“ zu benutzen. Der zweite japanische Kirschbaum sei eingegangen und wurde daher entfernt. „Dabei handelte es sich also nicht um Vandalismus“, erklärt Adesiyan.

Tiefe Dellen zeugen auf den kreisrunden, bunten Sitzmöglichkeiten – „Smarties“ getauft –  ebenso von unsachgemäßem Gebrauch. "Die werden gerne von BMX-Fahrern und Skateboardern missbraucht“, erzählt eine Studentin. "Warum installiert man hier keine Kameras zum Schutz?“, fragt sich Sadecki.

An der Eingangsfassade des Gräfin-Dönhoff-Gebäudes ist eine Kamera installiert, um Vandalismus vorzubeugen, so Presse-Referentin Adesiyan. Als „wirksames Mittel“ gegen Schrankeinbrüche seien ebenso im Hauptgebäude im Bereich der Schließfächer vor der Universitätsbibliothek Kameras in Betrieb. Und zur Regulierung der Verkehrsströme gebe es Kameras auf dem Wirtschaftshof. „Die Kameras dienen also vorrangig der Vorlesungsaufzeichnung und anderen technischen Belangen und nur zum Teil dem Vorbeugen gegen Vandalismus und Diebstahl“, erklärt die Uni-Sprecherin.

Generell werde aber kein gehäufter Vandalismus oder Diebstähle rund um die Europa-Universität festgestellt. „Es kommt immer wieder vor, aber nicht häufiger als an anderen innerstädtischen Orten“, sagt Adesiyan.

Der Platz am Audimax-Gebäude ist bis zur Tischtennisplatte Uni-Gelände, dahinter gehört der Platz der Stadt. Was mit den bunten Sitzmöglichkeiten, die seit längerer Zeit nicht mehr leuchten,  passiert, darauf antwortete die Stadt bis gestern Abend noch nicht. Auch die Laternen funktionieren nicht mehr richtig.

Möchten auch Sie uns auf Probleme aufmerksam machen, bei denen wir dranbleiben sollen, dann schreiben Sie uns bitte eine E-Mail an die Adresse dranbleiben@moz.de mit dem Kennwort Frankfurt.

Videoüberwachung im öffentlichen Raum

Anfang 2017 stimmte der Bundestag der Ausweitung der Videoüberwachung im öffentlichen Raum zu. Künftig soll es etwa Betreibern von Einkaufszentren oder Sportstätten leichter möglich sein, Kameras auf ihrem Areal anzubringen. Davor waren Klagen gegen Videoüberwachung oft erfolgreich, weil die Datenschutzbehörden die Grundrechte der Bürger gefährdet sahen. Das Gesetz schreibt nun vor, dass die Behörden bei einer Abwägung die Sicherheitsbelange der Bevölkerung stärker berücksichtigen müssen. Der Schutz von Leben und Gesundheit könnte in Zeiten von Terrorgefahr stärker zählen als das Recht auf informationelle Selbstbestimmung.⇥jhh