American Football: Paul Rubelt - „Von 0 auf 100 in einer Sekunde“

Paul Rubelt steht auf dem "Siegfield", der Trainingsstätte der Red Cocks. Der 2,13 Meter große Frankfurter absolviert derzeit ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bei seinem Heimatverein.
Hubertus RößlerSchon als Kind war er immer einen Kopf größer als seine Mitschüler. „Mit 13 Jahren war ich 1,85 Meter groß, mit 16 hatte ich die Zwei-Meter-Marke geknackt.“ Er probierte sich im Schwimmen und beim Judo, „aber das war nichts“, sagt er zurückblickend. Vor sechs Jahren kam er über einen Arbeitskollegen seiner Mutter zu den Red Cocks, die im Nachwuchsbereich die Variante Flag Football spielen. „Zu der Zeit war ich wie ein nasser Sack, konnte keinen einzigen Liegestütz. Ich war echt richtig unsportlich.“ Doch schnell begeisterte er sich für das Spiel mit dem ovalen Ball und wurde immer sportlicher.
In der 11. Klasse ging er als Schüler des Karl-Liebknecht-Gymnasiums für einen einjährigen Austausch in die Nähe von Chicago – unter anderem auch mit dem Hintergedanken, dort American Football zu spielen. „Bei der Schulmannschaft wurde täglich trainiert. Ich war allerdings nicht besonders gut, fiel höchstens durch meine Körpergröße auf“, erzählt Paul Rubelt, der an der High School neben Football und Basketball auch andere Sportarten betrieb.
Zurück in der Heimat war er somit auf einmal topfit, hatte in dem Auslandsjahr 15 Kilo abgenommen. Den Frankfurter Trainern Dan Kohn, Andreas Lange und Jens Enke kam die Idee, das Talent dem Scout Björn Werner vorzustellen. Dieser spielte einst für die Berlin Adler und schaffte es später zum Profi in der National Football League (NFL). Mittlerweile vermittelt er Talente aus Europa in die USA. „Sie haben ihm ein Highlights-Video mit den besten Spielszenen von mir gezeigt. Er meinte, ich hätte Potenzial und hat mich mit auf Tour durch die Staaten genommen“, berichtet Rubelt, der auf der Position des Guard spielt – bei der er den Quarterback vor gegnerischen Angreifern verteidigt.
Bei den sogenannten „Tryouts“, quasi einer Art Probetraining, spielte er vor unzähligen Trainern. „Da hatte ich schon richtig Muffensausen, schließlich kann man Football in den Staaten und hierzulande nicht vergleichen.“ Doch der Frankfurter machte Eindruck und erhielt gleich beim ersten Camp zwei Stipendien-Angebote. „Man muss mit seinem Körper umgehen können, trainierbar sein und neue Techniken anwenden können“, zählt er auf. Am Ende konnte Paul Rubelt unter sieben Anfragen auswählen und entschied sich für Arizona. „Vom sportlichen Niveau her war es für mich das beste Angebot, die Trainer dort haben Profi-Erfahrung. Außerdem ist die Uni die größte ihrer Art.“
Tino Meyer, einer seiner Jugendtrainer bei den Red Cocks, freut sich für seinen Schützling: „Paul ist ungeachtet seiner körperlichen Voraussetzungen sehr talentiert. Ob er es zum Profi schaffen kann, kann ich ehrlich gesagt nicht einschätzen. Wichtig ist, dass er viel spielen kann.“ Auch abseits der Platzes hält Meyer große Stücke auf den Hünen: „Er ist hilfsbereit, freundlich, zuvorkommend – das findet man bei den jungen Leuten heutzutage leider nicht mehr allzu häufig.“
Allzu häufig gibt es wohl auch nicht ein Liebespaar mit mehr als einem halben Meter Unterschied hinsichtlich der Körpergröße – Paul Rubelts Freundin misst 1,59 Meter. „Sie trifft es am meisten, dass ich so weit weggehe. Aber wir wollen es natürlich probieren und zusammenbleiben“, sagt der Frankfurter, der derzeit ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bei seinem Heimatverein Red Cocks absolviert und dabei den Trainingsplatz „Siegfield“ in Schuss hält und bei organisatorischen Dingen hilft.
Zum Auswärtsspiel per Flieger
Eine völlig andere Welt erwartet ihn ab Januar: Die College-Mannschaft trainiert und spielt unter professionellen Bedingungen, zu Auswärtsspielen geht es auch mal mit dem Flugzeug. Das Stipendium beinhaltet neben Taschengeld auch Unterkunft, Verpflegung und die sportliche Ausrüstung. „Vor drei Jahren war diese Entwicklung noch undenkbar für mich. Dieser Schritt ist für mich wie von 0 auf 100 in einer Sekunde, als würde man aus der Kreisliga zu Bayern München wechseln. Natürlich weiß ich, dass es erst eine Handvoll Deutsche geschafft haben, Profi in der besten Football-Liga der Welt zu werden. Aber ich habe den ersten kleinen Schritt gemacht“, bleibt er realistisch. Daher ist es dem Oderstädter wichtig, einen Plan B zu haben. Paul Rubelt studiert Geographie und möchte Lehrer werden – unabhängig davon, ob es mit dem großen Traum NFL klappt.
