Ausstellung
: Sichten auf die Oderstadt

Galerist Rainer Schmidt hat 40 Bilder aus seiner Sammlung in einer kleinen Schau in der Deutschen Bank vereint.
Von
Silvia Fichtner
Frankfurt (Oder)
Jetzt in der App anhören

Der Kunstlehrer und Künstler Max Heilmann schuf 1923 ein Ölgemälde der Marienkirche. Es ist eines von 39 Bildern in der Ausstellung in der Filiale der Deutschen Bank.

Repro

Kurz nach der Stadtgründung nahm sie ihren Platz ein — die Marienkirche zu Frankfurt an der Oder, Jahrhunderte bestürmt von der Geschichte, immer wieder verändert, fast zerstört, wieder aufgebaut. Sie blieb. Über die Zeiten ein beliebtes Motiv von Zeichnern, Malern und – seit der Erfindung der Fotografie – von Fotografen, bis heute.

Max Heilmann (1869—1956), der einige Jahre in Frankfurt als studierter Zeichenlehrer am Friedrichsgymnasium wirkte, und dem das Museum Viadrina und das Stadtarchiv zu seinem 150. Geburtstag in diesem Frühjahr eine Einzelausstellung widmete, schuf 1923 ein Ölbild von ihr, das sofort die Blicke derer auf sich zieht, die die derzeitige Ausstellung in der Filiale der Deutschen Bank in Frankfurt besuchen.

Der langjährige Frankfurter Galerist Rainer Schmidt hat in seiner privaten Sammlung nach Frankfurt–Bildern gesucht und 40 – sehr unterschiedlich in Technik und künstlerischer Qualität – in dieser kleinen Schau vereint. Manche der Arbeiten hat er von Künstlern, die einst bei ihm ausstellten, als Geschenk bekommen, manche hat er, „als die Galerie gut lief“, sagt er, gekauft. Gelegentlich sind ihm (Vor)Namen abhanden gekommen, „und auf einigen Bildern stehen nur die Namen derer, die die Radierungen angefertigt haben, nicht aber der des Urhebers“, erklärt der im Südharz geborene, studierte Städtebauer, den es 1970 in diesem Berufsfach an die Oder verschlagen hat, und der hier  35 Jahre eine Galerie betrieb. Den auf Frankfurt Neugierigen werden die spärlichen Informationen in der Ausstellung vermutlich nicht sehr stören, vielleicht kennt er den einen oder anderen der Schöpfer ohnehin.

Michael Voll zum Beispiel. Der Architekt ist seit langem ein ausgewiesener bildnerischer  Künstler. Besucher der MOZ–Kunstpreisausstellungen begegnen seinen Zeichnungen, seiner Malerei immer wieder mit großer Erwartung. Diese Begegnungen machen neugierig auf mehr. In der Bank–Filiale hängen frühe Arbeiten von ihm — Stadtansichten in Acryl zum Beispiel. Auch Albrecht Wuitz, von dem u.a. in der Frankfurter Spectrum Galerie vor nicht allzu langer Zeit eine große Personalausstellung zu sehen war,  hat inzwischen ganz andere künstlerische Intentionen als man nach den frühen am PC bearbeiteten Fotos von Müllroses Ortsteil Kaisermühl vermuten würde. Er zieht die Art Informel, einer Stilrichtung der Kunst, die alle Formen sprengt und spontan aus Gefühlen, aus Augenblicken entsteht, seinem damals noch gegenständlichen Arbeiten vor.

Karl–Heinz Maetzke ist Frankfurtern als Gründungsdirektor der Galerie Junge Kunst vielleicht noch ein Begriff. 1933 hatte er eine Ausbildung als Gebrauchsgrafiker absolviert und leitete die schon damals über regionale Grenzen hinaus bekannte Galerie von 1965 bis 1983. Politisch sehr umstritten, kann man ihm jedoch nicht absprechen, ein gutes Händchen bei der Grundstocklegung des künstlerischen Sammlungsbestandes der im Landesmuseum moderne Kunst aufgegangenen Galerie gehabt zu haben. In hohem Alter hatte Maetzke begonnen, wieder selbst zu malen — und so ist auch eine aquarellierte Oderlandschaft von ihm zu sehen.

Mit hoher Sensibilität fürs Detail

Die  Frankfurter  Erhart Weber,  Wolfram Werner Kipsch und der hochbegabte Thilo Zeil gehören zu den bemerkenswerten Autodidakten, die es zu beachtlicher künstlerischer Meisterschaft gebracht haben. Von Zeil, der vor zwei Jahren 59–jährig starb, sind mit hoher Sensibilität fürs Details entstandene Grafiken  ausgestellt und man ahnt, was von ihm noch zu erwarten gewesen wäre…

Von dem 1877 in Weimar geborenen und 1945 in Frankfurt an der Oder  gestorbenen Carl Alexander Brendel kennt man vornehmlich Tier– und Landschaftsdarstellungen. Er pflegte aber auch die heute hierzulande vielfach vernachlässigte Kunst des Holzschnitts. Wohl genau deshalb, und in Erinnerung an Brendels Frankfurter Jahre, hängt ein solcher,  der „Walther von der Vogelweide“ zeigt, in der kleinen Bilderschau — inhaltlich die Ausstellungsabsicht unterlaufend.

Stiche historischer Frankfurt–Panoramen,  Postkarten, Landschaften, Blumenstillleben ergänzen die „Schmidtschen Stadtbetrachtungen“, die noch bis Ende Januar angeschaut und gekauft werden können.

Bis Ende Januar 2020, Filiale der Deutschen Bank, Karl–Marx–Straße 194, Mo 9.30—13 und 14—16 Uhr, Di/Do 9.30—13 und 14—18 Uhr, Mi/Fr 9.30—14 Uhr