Bahnhof in Frankfurt (Oder)
: Was es mit dem bunten Windspiel auf sich hat

Ein buntes Windspiel und ein schwarzer Tunnel stehen seit einigen Tagen auf dem Bahnhofsvorplatz in Frankfurt (Oder). Was dahinter steckt.
Von
Leonard Palm
Frankfurt (Oder)
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Mit einem bunten Begleitprogramm - etwa Diskussionsrunden und Vorträgen zum Potsdamer Verdikt - lädt eine Ausstellung am Bahnhofsplatz in Frankfurt (Oder) zum Nachdenken über Toleranz ein.

Am Bahnhofsplatz in Frankfurt (Oder) steht noch wenige Tage dieses Windspiel und ein Tunnel. Was es damit auf sich hat.

Leonard Palm

Wer in diesen Tagen zum Bahnhof in Frankfurt (Oder) kommt, wundert sich. Seit wenigen Tagen und noch bis Dienstag (3.09) steht auf dem Bahnhofsvorplatz ein knallbuntes Regenbogen-Windspiel und darunter ein schwarzer Tunnel. Was das Ganze soll?

Im Container verbirgt sich eine Art Spielplatz für Erwachsene und Kinder. Mit bunten und interaktiven Elementen, die viel Spaß machen, erfährt man jedoch Abgründiges: Zum einen, wo Menschen im Alltag Ungerechtigkeit erfahren, zum anderen, wohin Intoleranz und Hass führen. Mit auch provokativen Elementen wird die Ausstellung nicht jedem in Frankfurt (Oder) gefallen.

Auf einer Wand sind die Geschichten von Hass. Die alten von Auschwitz, Warnungen der letzten Zeitzeuginnen. Und die neuen, wie dem Völkermord an den Jesiden. Auch der Mord an Walter Lübcke durch einen Rechtsextremen wird aufgeführt. Alle Geschichten eint: Hier erlaubten Menschen anderen nicht, anders sein zu dürfen. Eine andere Herkunft zu haben etwa, eine andere Religion oder eine andere Meinung.

Eine Ausstellung für Erwachsene und Kinder in Frankfurt (Oder)

Auf der Wand gegenüber hingegen zeigt die Ausstellung, wo Intoleranz in unserer Gesellschaft alltäglich auftaucht: Eine Mutter darf nicht am Badesee stillen. Eine Rollstuhlfahrerin scheitert an den Treppen zum Restaurant. Ein junges Paar bekommt die Wohnung nicht, weil seine Eltern nicht aus Deutschland kommen. Hunderter solcher Motive finden sich auf dem riesigen Wimmelbild, das in dem Container am Bahnhof versteckt ist.

Auf dem meterlangen Comic-Gemälde lassen sich manche Benachteiligungen aber beseitigen: Hier und da lässt sich das Wimmelbild nämlich wie ein Adventskalender aufklappen – zum Vorschein kommt eine Gesellschaft ohne Diskriminierung, in der alle Menschen glücklich sind.

Das Wimmelbild zeigt eine Gesellschaft, in der viel gut läuft, aber auch Menschen diskriminiert werden. Klappt man auf, sieht man einen positiven Gegenentwurf.

Das Wimmelbild am Bahnhof in Frankfurt (Oder) zeigt eine Gesellschaft, in der viel gut läuft, aber auch Menschen diskriminiert werden. Klappt man auf, sieht man einen positiven Gegenentwurf.

Leonard Palm

Programm mit Vorträgen und Publikumsdiskussionen

Christoph Walesch von Toleranzräume, den Machern der Ausstellung, sagt, man habe alle großen Debatten der vergangenen fünf Jahre abgebildet. „Die Grenze der Toleranz ist individuell, bei jedem verschieden.“ In der Ausstellung sollen sich auch die Grenzen der eigenen Toleranz entdecken lassen.

Für manche sind dies nackte Frauen auf einer bunten Demo, für andere protestierende Impfgegner. Andere haben mit beiden kein Problem, aber mit Faschisten, die über angebliche „Rasse“ lehren.

Die Ausstellung tourt durch ganz Deutschland, im Moment durch Brandenburg. Mit dem Potsdamer Verdikt von 1685 sei Brandenburg aus Tradition ein tolerantes Land, betonen die Macher. Sie wird begleitet durch ein vielfältiges Programm aus Vorträgen, Diskussionen und Gesprächsrunden.

Bisher sei es noch zu keinen Gewaltangriffen auf die 24 Stunden am Tag geöffnete Ausstellung gekommen, erklärt Christoph Walesch. „Aber es gab viele hitzige Debatten. Das begrüßen wir sehr, weil wir vor allem den Dialog und das Gespräch suchen. Mir macht das Spaß.“