Berol Kaiser-Reka: Ein langes Künstlerleben in Frankfurt

Musik-Artist: Der Brandenburger Berol Kaiser-Reka spielte Anfang der 1990er-Jahre im Frankfurter Musikkabinett (Foto) auf annähernd hundert Instrumenten.
Samlung Jörg Kotterba„Ich lebe von den Erinnerungen“
Jetzt ist der Musik-Artist in die Jahre gekommen. Und feiert an diesem Sonnabend in der Nähe von Brandenburg an der Havel seinen 90. Geburtstag. „Ich lebe von den Erinnerungen“, gestand er vor wenigen Tagen am Telefon. „Alles ist nur noch Tapete“, fügte er mit dem ihm so eigenen Galgenhumor an, „der Kopf ist ganz gut in Takt. Aber drumherum...“
Für die Erinnerungen an Berol Kaiser-Reka fühlt sich seit Jahren Frankfurts Museums-Direktor Martin Schieck verantwortlich. Der promovierte Wissenschaftler kennt den exzentrischen Musik-Artisten schon seit 1982 und ist stolz, dass in seinem Haus an der Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Straße 11 die Reka-Sammlung historischer Musikinstrumente zu finden ist. „Ein Teil der wertvollen Instrumente ist in unserer Dauerausstellung zu bewundern“, rührt Schieck die Werbetrommel. Außerdem hebe Musiker Sven Loichen in seiner Veranstaltungsreihe „HeuReka – es klingt!“ Schätze aus der Reka-Sammlung. Schieck: „Die Raritäten werden auf amüsante Art präsentiert und virtuos zum Klingen gebracht.“ Berol Kaiser-Reka ist Sohn des weltbekannten Musikanten Paul Kaiser-Reka. Der kam 1881 als Paul Kaiser zur Welt. Trat aber ab den 1920er-Jahren als Kaiser-Reka auf, weil keiner mehr etwas von einem Kaiser hören wollte. Für den kleinen Berol begann ein Leben inmitten des Varietés. Mit dem Vater und Mutter Margarete, die sich ums Geschäftliche kümmerte, reiste er von Auftrittsort zu Auftrittsort. „Unsere kleine Wohnung in Brandenburg/Havel, meinem Heimatort, sahen wir nur vier bis sechs Wochen im Jahr“, erzählte Berol Kaiser-Reka einmal.
Mehr als 300 historische Musikinstrumente, darunter ein 1748 gebautes Clavichord – ein bis ins 18. Jahrhundert weit verbreitetes Tasteninstrument – und eine Violine von anno 1786, hat der gelernte Instrumentenbauer und Feinmechaniker vor allem in den 60er- und 70er-Jahren gesammelt. Damals zeigte er seine Raritäten in Potsdam-Sanssouci, spielte auf ihnen im Neuen Palais und lieh sie für historische Filme aus.
An Frankfurt hat der Jubilar „mittelgute Erinnerungen.“ Vor allem mit Werner Mandel – zu DDR-Zeiten Stadtrat für Kultur – gab es manchen Zoff.