Bildungsangebot: Lerncafé der VHS gut besucht

Während die ehrenamtliche Lehrerin Sylvia Höhndorf der 28-jährigen Hanna einen Text zur Übung diktiert, macht der 21-jährige Smuy aus Eritrea seine Deutsch-Hausaufgaben. Bei bis zu maximal drei Schülern in einer Gruppe sollen sich die Dozenten besser auf das Lernniveau der Lernenden einstellen können. Neben Lesen und Schreiben wird beim Lerncafé auch viel das Deutschsprechen geübt.
Viktoria WaldvogelDas Lerncafé der Volkshochschule (VHS) in Frankfurt erfreut sich an großer Beliebtheit. Der bereits seit drei Jahren existierende Lernort zählte allein seit Januar dieses Jahres über 450 Besuche. Es handle sich dabei um ein offenes Angebot des Grundbildungszentrums der VHS. Die Angebote richten sich vor allem an Menschen die Deutsch lernen und an Muttersprachler, die wenig lesen und schreiben können.
Während des Lerncafés können Hausaufgaben gemacht, für Prüfungen gelernt oder Deutsch geübt werden. Das Besondere an dem Angebot sei, dass das Team aus drei Dozenten und vier Ehrenamtlichen meistens eine individuelle Betreuung oder Lernen in kleinen Gruppen ermögliche. Zudem können spezielle Lernmaterialien und Onlineprogramme wie das Lernportal der Volkshochschulen vor Ort und auch online zu Hause genutzt werden. Laut den Dozenten nutzen hauptsächlich Nicht–Muttersprachler und Geflüchtete das Angebot der VHS. „Manche kommen regelmäßig, manche holen sich nur kurz Rat“, erklärt Carmen Winter, die Leiterin des Cafés und Grundbildungszentrums. Durchschnittlich seien meist acht Schüler da, es gab aber auch schon Tage an denen sogar 16 da gewesen sein sollen. Da es sich um ein offenes Angebot ohne notwendige Anmeldung handle, sei es jedes Mal wieder eine Herausforderung und zugleich Überraschung für die Lehrbeauftragten. Aufgrund der verschiedene Niveaustufen die beim Lerncafé aufeinander treffen, werde in kleinen Gruppen bis zu maximal drei Personen gearbeitet.
Beim Sprechen lernen
Der 23–jährige Achmed aus Tschad nutzt seit drei Monaten das Lernangebot der VHS: „Ich übe jeden Tag zu Hause Lesen und Schreiben, aber hier kann ich viel deutsch sprechen, das hilft.“ Mohamed aus Pakistan spricht schon sehr gut Deutsch und besucht das Lerncafé seit zehn Monaten regelmäßig. Er nutze die extra Stunden für Hausaufgaben die er von seinem Deutschkurs mitbringt. Doch vor allem schätze er es, sich aktiv mit Muttersprachlern unterhalten zu können. „Es ist nicht immer einfach mit Deutschen in Kontakt zu treten“, stellt er fest. Seine großen Fortschritte schreibt er vor allem seiner ehrenamtlichen Arbeit im Frankfurter Weltladen und bei der Wichern Diakonie zu. Wie unterschiedlich die Bedürfnisse der Lernenden sind sieht man bei der Schülerin Hanna aus Eritrea: Diktiere man ihr deutsche Sätze, schreibt sie diese fast fehlerfrei auf. Doch beim Sprechen und Inhaltsverständnis habe sie noch Schwierigkeiten. „Manche kommen zu uns und können unsere Buchstaben nicht lesen. Da muss man kreativ werden“, schildert Sylvia Höhndorf die ehrenamtlich beim Lerncafé unterrichtet. Die Lernenden und Dozenten sind sich einig: Deutsch ist keine einfache Sprache. Das Lerncafé soll helfen diese Hürde ein Stück weit zu überkommen.
Das Lerncafé ist jeden Dienstag und Mittwoch von 13 bis 14.30 Uhr und donnerstags von 14 bis 15.30 geöffnet. Auch im Eltern–Kind–Zentrum Süd gibt es montags ein Lerncafé – 10 bis 11.30 Uhr.