Bildungspolitik
: Der Wunsch nach mehr Lehrern

Eltern und Lehrer diskutieren in der Kästner-Grundschule mit Landtagspolitikern über Probleme der Bildungspolitik.
Von
Lisa Mahlke
Frankfurt
Jetzt in der App anhören

Lehrermangel und Digitalisierung: In der Kästner-Grundschule diskutierten Staatssekretär Thomas Drescher (l.), die Landtagsabgeordneten Marie Luise von Halem (B90/Grüne) und Gordon Hoffmann (CDU) sowie OB René Wilke (Linke) über Bildungspolitik.

Gerrit Freitag

Eigentlich sollte es am Donnerstagsabend in der Aula der Erich-Kästner-Grundschule auch um Unterrichtsqualität und Inklusion an Schulen gehen. Am Ende diskutierten Eltern, Lehrer und Politiker aber während der gut anderthalb Stunden fast ausschließlich über das Problem Lehrermangel. Thomas Drescher, Brandenburgischer Staatssekretär für Bildung, Jugend und Sport, sagte etwa, dass man sich annähern müsse, um etwa in Brandenburg und Bayern das gleiche Abitur zu schreiben. „Wie wollen Sie das denn aufgrund des Lehrermangels und der Quereinsteiger schaffen, dass unsere Kinder genauso vorbereitet sind wie in den anderen Bundesländern?“, fragte ihn eine Mutter. „Mit Quereinsteigern ist das einfach nicht machbar.“

Drescher sagte, es dürfe nicht mehr als 50 Prozent Quereinsteiger geben, argumentierte aber mit Probezeit –  wer den Anforderungen nicht gerecht werde, müsse gehen – und der erneuten Eignungsfeststellung nach 15 Monaten. „Dann waren sie aber schon fast zwei Jahre auf die Kinder losgelassen“, so die Mutter.

Der Lehrermangel sei so vorhersehbar gewesen „wie die Dunkelheit vor Mitternacht“, sagte der CDU-Landtagsabgeordnete Gordon Hoffmann bei der Diskussion. Er schlägt vor, die Lehrer von bürokratischen Arbeiten, die nicht direkt zur Lehrtätigkeit gehören, zu entlasten, Lehrern im Ruhestand einen Anreiz für stundenweises Unterrichten zu geben und jenen, die jetzt mehr arbeiten, diese Stunden später anzurechnen. „Wir müssen die Lehrerausbildung bedarfsgerechter steuern“, sagte er.

Die Grünen-Landtagsabgeordnete Marie Luise von Halem konterte, dass das nicht einfach sei. Es gebe die Freiheit der Berufswahl und nicht alle Lehrer blieben nach der Ausbildung in Brandenburg.

Oberbürgermeister René Wilke zählte auf, dass die Stadt in den vergangenen Jahren im Schulbereich 51 interaktive Whiteboards und 360 PC-Systeme neu angeschafft hat. Thomas Drescher sprach über den Digitalpakt, durch den 150 Millionen Euro für digitale Ausstattung in Brandenburg verteilt wird. Beides stieß bei der Diskussion auf Kritik: „Was bringt es, wenn die Kinder einen Laptop kriegen, aber keine Lehrer haben?“, fragte jemand.

Auf Gordon Hoffmanns Aussage „Man hätte früher reagieren müssen“, sagte Jacqueline Eckardt: „Hätte, hätte Fahrradkette.“ Die Kinderbeauftragte der Stadt findet, man brauche jetzt Lösungen und solle in der Bildungspolitik an einem Strang ziehen. Sie forderte die Politiker auf, für die Kinder das Bestmögliche herauszuholen. „Das ist ein reines Wahlkampfgedöns, das uns nicht weiterbringt.“

Karsten Penk, Vorsitzender des Kreiselternrates, erzählte, dass die Ausbildung in Potsdam ab dem kommenden Semester auf 1000 Lehrerstellen hochgefahren werden  soll. Bis diese jedoch ausgelernt haben, vergehen mindestens sechs Jahre. „Wir haben eine gemeinsame Verantwortung und müssen langsam in die Puschen kommen“, sagte Drescher. „Langsam, das ist das Problem“, kommentierte eine Mutter leise.