Bücherei: Eine Weltreise durch Bücherregale – und durch das Internet

Steffi Hoffmann ist die neue Leiterin der Stadt- und Regionalbibliothek Frankfurt.
Steffi HoffmannIn einer Bibliothek treffen zwei Welten aufeinander: die der Menschen und die der Bücher. Die Aufgabe eines solchen Ortes sei es, beide Welten miteinander zu verbinden, denn "Bücher machen die Welt größer und bunter“, sagt Steffi Hoffmann. „Man kann damit auf Reisen gehen.“ Hoffmann ist seit Juni dieses Jahres Leiterin der Frankfurter Stadt- und Regionalbibliothek. Nachdem die Stelle etwa ein Jahr vakant, die Bücherei immer wieder von Personalknappheit und Krankheit der Angestellten geplagt war, und die Zukunft der Mitarbeitenden noch immer ungewiss ist, gibt es hier aber noch viel zu tun, bis die Weltreise losgehen kann.
Um genau zu sein, sind Bücher schon lange nicht mehr das einzige Medium, das es für Menschen zu erschließen gilt. Auch Hörbücher, Filme, E-Books und sogar Konsolenspiele sind fester Bestandteil des Hauses. „Die Online-Welt ist für Bibliotheken eine Bereicherung“, findet Hoffmann. Aber auch eine Herausforderung: Durch Amazon und andere Internetanbieter seien immer weniger Menschen bereit, auf der Suche nach Medien das Haus zu verlassen. Die Anzahl der Nutzer und Ausleihen sei in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen.
Ein Ort zur Mitgestaltung
Um Menschen wieder in die Bücherei zu locken, soll die zu einem Begegnungsort werden, den Nutzerinnen und Nutzer selbst mitgestalten können. Dafür gibt es im Erdgeschoss des Gebäudes in der Bischofstraße bereits ein Lesecafé zum gemeinsamen Austausch. Hier sollen zukünftig vermehrt Veranstaltungen stattfinden, zum Beispiel Workshops mit Schulen und Kindereinrichtungen. In den vergangenen Monaten seien leider viele Kooperationen eingeschlafen. Auch Vorleseveranstaltungen seien eine Möglichkeit, wie sie am 15. November, dem bundesweiten Tag des Vorlesens, für eine Schulklasse geplant ist. „Wenn unterschiedliche Menschen einen Text vorlesen, wird er erst richtig lebendig“, sagt Hoffmann. „Dieselbe Textstelle scheint manchmal eine ganz neue zu sein, wenn jemand anderes sie liest.“ Am Nachmittag des 15. November sind übrigens alle Kinder zu einer offenen Leseveranstaltung mit Schatzsuche im Haus 2 in der Collegienstraße eingeladen.
Ein Vorbild ist für Hoffman die Zentral- und Landesbibliothek Berlin, die im Oktober vom Deutschen Bibliotheksverband zur „Bibliothek des Jahres“ gekürt wurde, unter anderem für ihr gutes Online-Angebot und viele „Community-Projekte“. Um diese Auszeichnung zu erringen, müssten modernere Medien, wie Tablets oder Online-Angebote, allerdings viel präsenter werden. Im Haus 2 wurde bereits erfolgreich eine Gaming-Zone für Kinder und andere Spielebegeisterte eingeführt.
Eine große Stärke der Frankfurter Bibliothek sieht Hoffmann im Bereich der deutsch-polnischen Literatur. An vielen Bücherregalen kleben kleine Papier-Schmetterlinge, die darauf hinweisen, dass hier Bücher oder Filme in beiden Sprachen oder über die Grenzregion zu finden sind. Mit dem Collegium Polonicum der Viadrina ist außerdem eine Ausstellung zum Thema Übersetzen geplant.
Weiteres Potenzial gebe es im Bereich der „Leichten Sprache“, eine speziell geregelte Vereinfachung des Deutschen, in die Texte übersetzt werden können, um sie auch Menschen zugänglich zu machen, die sich beim Lesen komplexer Texte schwer tun. Noch ist das Leichte-Sprache-Regal in Frankfurt überschaubar, „Moby Dick“ und „Tschick“ liegen beispielsweise darin.
Verpflichtende Förderung
Von der Politik wünscht sich Steffi Hoffmann ein Bibliotheksgesetz, wie es der Deutsche Bibliotheksverband fordert, das öffentliche Büchereien für das Bundesland zu einer verpflichteten Aufgabe machen würde, und mit einer entsprechenden Förderung solcher Bücher-Welten verbunden wäre. In fünf Bundesländern gibt es so ein Gesetz bereits. Was ihr für die Frankfurter Bibliothek aber noch lieber wäre: „Ich würde gerne erleben, dass es so richtig voll ist in der Bibliothek!“