Frank Herrmann lässt sich von einem jungen Karate-Schüler übers Kreuz legen. Reihuhm führen sie ihre Trittkünste vor.
Kurdisch- und persischsprechende Teenager interessieren sich brennend für die bleischweren spätmittelalterlichen Flinten der Herren, die in gestreiften Ballonhosen am Tisch des Freyfähnleyn zu Frankenforde e.V. sitzen. Sie fragen die alten Männer aus, wie ihre alten Schätze funktionieren. Ein Schwedenfeuer räuchert, der Qualm zieht in Richtung Geburtstagswiese. Dort mischt er sich mit Gitarren- und Ukulelentönen und den Zeilen von "Dirty old town", die Detlef Vandam und sein Lehrer Thomas Strauch als Backgroundstimme gerade zum Besten geben. Zum ersten Mal treten die beiden in der Öffentlichkeit auf. Manche lauschen mit einem Glas Weißwein in der Hand.
Zehnte Kleine Parknacht 2019

Bildergalerie Zehnte Kleine Parknacht 2019

Sauber und gediegen
"Dirty" ist die Parknacht ganz und gar nicht. Kaum vorstellbar, dass am Morgen nach diesem gediegenen Fest, wenn die Organisatoren Sonja und Peter Gudlowski ihre Runde durch den Park drehen, eine Ecke vermüllt sein oder stinken könnte. Das liegt zum einen daran, dass die Frankfurter Gastronomen kaum in Plastikbechern ausschenken, worauf die Gudlowskis und ihre Lennépark-Initiative wert legen. Es hat aber auch mit dem Veranstaltungsformat. "Wir haben ein besonderes Publikum. Die Leute sind aufgeschlossen, freuen sich, genießen", sagt Sonja Gudlowski, Gründerin der Initiative, die mit stolzen 250 ehrenamtlichen Helfenden und Musizierenden die kleine Parknacht zum zehnten Mal auf die Beine stellte. Die Parknacht ist etwas auch für jene, die Stadtfeste und Festivals nicht mögen. Keine zu lauten Bässe oder Mikrofone, keine Klogerüche. Stattdessen flanieren Menschen zwischen den "Geburtstagswiesen", den in grüne Bühnen verwandelten südlichen Parkarealen, treffen Bekannte, erzählen sich von ihren Sommerferien und lassen sich zwischen wechselnden Klängen von Didgiridoo und Dudelsäcken, Trompeten und Trommeln treiben, tanzen zu Folk und Jazz oder schauen sich die Tänze der anderen an.
Zum ersten runden Geburtstag wurde die Parknacht am späten Nachmittag an der Schmeißereiche eröffnet: mit Kanonenschüssen, einem Geburtstagsständchen der Singakademie, Gratulationen vom Oberbürgermeister und einer Kaffeetafel. Sie endete am Abend mit einer Leuchtballon-Parade begleitet von der Fanfarengarde, einem Feuerwerk und einem nochmaligen Geburtstagskonzert zum Mitsingen.Schlangen bildeten sich am Eisstand der Villa Rosengarten. Ein Novum war auch der Malwettbewerb, der nochmal ganz andere Interessengruppen angesprochen habe, sagt Sonja Gudlowski. Die Einsendungen reflektierten allesamt Lennépark-Motive, ob gemalt, gezeichnet oder in Collage aus verschiedensprachigen Zeitungsschnipeln. Betrachter konnten auf Zettel ihre Favoriten schreiben und sie in die Wahlurne stecken, die gegen 19 Uhr bereits randvoll war. Am 20. September werden die ersten sechs prämiert.
Erlös für Stolperstein-Verlegung
16 Hostessen sammelten an den Eingängen zum Park Spenden für die Lennépark-Initiative. Mit dem Erlös soll der im September geplanten Wiederverlegung der sieben Stolpersteine zur namentlichen Erinnerung an Frankfurter Holocaustopfer ein "würdiger Rahmen" gegeben. Man wolle den Bereich gärtnerisch gestalten und einen weiteren Gedenkstein finanzieren, der an das einstige Jüdische Krankenhaus erinnern wird, von dem aus jüdische Frankfurter in den Tod geschickt wurden. Die Stolpersteine waren am 12. Juni entwendet worden. Auch einen Baum würde Sonja Gudlowski gern pflanzen: Einen Jubiläumsbaum zum zehnten Geburtstag der Parknacht.