Am Mittwochvormittag ist in der Messehalle 1 auf dem Messegelände am Westkreuz das Impfzentrum von Frankfurt (Oder) eröffnet worden. Es ist das fünfte Zentrum, das in Brandenburg den Betrieb aufgenommen hat. Hausarzt Andreas Schwark vom Vorstand der federführenden Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB) dankte den Vertretern der Stadt für die Zusammenarbeit.

Impfstart auf drei von sechs vorbereiteten Impfstraßen

Die Messehalle sei der „ideale Ort“ für ein solches Zentrum, erklärte Frankfurts Oberbürgermeister René Wilke beim Pressetermin zur Eröffnung. Zumal nun zwei Buslinien stündlich an der neuen Haltestelle „Messehalle/Impfzentrum“ am Messegelände halten. Mitarbeiter der Stadtverkehrsgesellschaft haben am Mittwoch das Haltestellenschild eingesetzt.
Impfstart war zunächst auf drei der sechs vorbereiteten Impfstraßen in der Messehalle. Dort erwarteten die Frankfurter Gynäkologin Dr. Antje Lopens, der Frankfurter Hausarzt Dr. Steffen Gerecke und Dr. Beate  Müller, Allgemeinmedizinerin aus Eisenhüttenstadt, mit je zwei Mitarbeiterinnen aus ihren Praxen ab 10 Uhr die ersten Impfwilligen.

„Ich hoffe, dass noch viele meinem Beispiel folgen“

Unter diesen waren Helga (82) und Klaus Müller (84) aus Eisenhüttenstadt. Ihr Mann habe „drei Tage lang jeweils mindestens sechs bis sieben Mal“ die Impftermin-Hotline angerufen, bevor beide ihren Termin hatten, berichtet Helga Müller nach dem schützenden Pieks und sagt: „Ich hoffe, dass noch viele meinem Beispiel folgen.“
Während die Eisenhüttenstädterin mit einer Mon Cherie-Praline von Dr. Beate Müller in den Beobachtungsbereich entlassen wird, füllt sich vorn, vor den Impfstraßen, der Wartebereich. Viele der über 80-jährigen Impflinge aus Frankfurt und den Landkreisen Oder-Spree und Märkisch-Oderland sind mit einer Begleitperson erschienen. Jeweils eine darf mit ins Impfzentrum, erklärt Sara Franke.

Vor dem Eingang kontrolliert Security, wer einem Impftermin hat

Die 36-jährige gebürtige Frankfurterin, die in Ziltendorf lebt, ist die operative Leiterin des Impfzentrums, dessen Betrieb die KVBB dem Regionalverband der Johanniter übertragen hat. Franke, zuvor im Internat der Frankfurter Sportschule tätig, kam vor einem Jahr zu den Johannitern. Für deren Leitspruch „Aus Liebe zum Leben“ steht auch das Impfzentrum.
Auf dessen Eingang weisen Schilder und Pfeile hin. In einem Zelt vorm Zugang zur Messehalle kontrollieren Security-Mitarbeiter, ob der Ankömmling einen aktuellen Impftermin hat. In Begleitung eines Lotsen geht es weiter zur Registrierung, wo Partner vom Arbeiter-Samariterbund (ASB) die Krankenkassen-Chipkarte des Patienten einlesen, den ausgefüllten Anamnesebogen und die unterschriebene Impfaufklärung kontrollieren. Die Unterlagen bekommt jeder nach der telefonischen Terminvergabe zugesandt. Bevor der Lotse den Impfwilligen  einen Platz im großen Wartebereich zuweist, gibt es Armbändchen – ein grünes für den Impfling, ein orangefarbenes für die Begleitperson.

Kurzgespräch und Temperatur messen – dann gibt es den Pieks

Auf der jeweiligen Impfstraße empfängt der Arzt den Impfling zum Kurzgespräch und Temperatur messen, dann gibt es den Pieks. Etwa 120 Mal war das am Eröffnungstag der Fall. Heute soll die Frequenz auf 180, ab Freitag auf täglich 240 zu Impfende steigen,  kündigte KV-Vertreter Andreas Schwark an.
Nach der Impfung werden die Patienten noch bis zu einer halben Stunde beobachtet und von freiwilligen Helfern wie Martina Eichstädt umsorgt. Die Fürstenwalderin ist Inhaberin eines kleinen Modeladens, der jetzt geschlossen ist. „Hier kann ich mich nützlich machen“, sagt die 60-Jährige.

Oder-Spree bekommt vorerst kein eigenes Impfzentrum

Dosen des aufgetauten Biontech-Pfizer-Impfstoffs, die am Nachmittag nicht verimpft sind, kämen „auf keinen Fall in den Müll“, versichert Sara Franke. Das Frankfurter Gesundheitsamt sichere das zügige Verimpfen an Impfwillige aus der jeweiligen Prioritätsgruppe.
Der Landkreis Oder-Spree werde auf Empfehlung des Landes vorerst kein eigenes Impfzentrum einrichten, erklärte Landrat Rolf Lindemann bei der Eröffnung des Frankfurter Zentrums. Begründet liege dies vor allem in der aktuellen Impfstoff-Knappheit. Mobile Impfzentren seien in Zusammenarbeit mit den Kommunen geplant.
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