Corona-Krise: Frankfurter Gastronomen liefern nun Essen nach Hause
In der S*Kultur können Suppen und Desserts wochentags von 11 bis 15 Uhr abgeholt werden. „Es läuft erstaunlich gut. Wir haben mehr Kundschaft, als in normalen Zeiten“, freut sich Mühlbach. Vorübergehend bietet sie die Möglichkeit der Bestellung über Facebook und Instagram an, mit den Infos: Welche Suppe, wie viele Portionen und wann wird die heiße Ware abgeholt? Dabei wichtig: „Wir nehmen keine mitgebrachten Behältnisse an und die Bezahlung erfolgt bei Abholung“, erklärt die Köchin.
Bis vor die Wohnungstür
Ein „Hilfsangebot für Anwohner im bahnhofsnahen Bereich“ bietet auch Steffen Schwanitz, Betreiber der Mensa in der Handwerkskammer und Inhaber der Firma Stil-Catering – mit warmem Mittagessen. „Wir liefern die Gerichte in Assietten direkt an die Wohnungstür oder stellen sie zur Abholung in der Mensa, Bildungszentrum der Handwerkskammer, bereit“, erläutert Schwanitz. Von 11.30 bis 13 Uhr beliefern seine Mitarbeiter die Frankfurter. Lebensmittelbestellungen nimmt er bis 17 Uhr entgegen, die Lieferungen gehen am Folgetag ab 13 Uhr raus.
Beim Oderhochwasser sei die Situation ähnlich dramatisch gewesen, erinnert sich der Küchenchef. „Da sind mir auch die Veranstaltungen weggebrochen“, sagt er. Seine damalige Lösung: Er versorgte die Helfer am Oderdeich mit belegten Brötchen und Suppen. „Und die Corona-Krise werden wir auch meistern“, meint Schwanitz. Ab 8 Uhr steht er mit einem Koch in der Küche und bereitet die Mahlzeiten zu. Täglich können Kunden zwischen drei Essen wählen. Am Mittwoch gab es beispielsweise Schweinebraten mit Rotkohl, Senfeier mit Kartoffeln und Nudeleintopf. „Heute bereiten wir 30 Portionen vor. Es werden täglich mehr Bestellungen“, sagt Schwanitz. Kurzarbeit hat er noch nicht angemeldet, seine Angestellten arbeiten erstmal im reduzierten Umfang. „Es gibt einfach zu viele Nachteile für Arbeitnehmer, die ich lange vermeiden will.“
Für die Hände hat die Mensa-Küche erstmal noch genügend Desinfektionsmittel. Zum Feierabend hin säubert Schwanitz die Arbeitsflächen mit hochprozentigem Brennspiritus. Andere Mittel seien ausverkauft.
In einen längeren Feierabend musste Rame Hebibi, kurz Ricky, die gut 50 Mitarbeiter seiner drei Lokalitäten schicken. „Das Restaurant Fratelli bleibt also bis auf weiteres geschlossen“, sagt der Gastronom, der neben dem Fratelli in der Karl-Marx-Straße noch das Eiscafé im Spitzkrug-Multicenter (SMC) und das Restaurant Villa del Lago in Müllrose betreibt. „Ich darf ja keinen Lieferdienst anbieten“, sagt Ricky ein wenig verzweifelt. Er werde bald auch Kurzarbeit für seine Mitarbeiter anmelden müssen. Auf MOZ-Nachfrage antwortet die städtischen Pressestelle: „Restaurantbesitzer dürfen einen Abholservice anbieten, ebenso Lieferservices.“ Letzteres allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen, die bei der Lebensmittelüberwachung der Stadt in Erfahrung zu bringen seien.
„Nicht den Kopf in den Sand stecken“ will auch Jürgen Limprecht, Besitzer des Restaurant und Café am Kleistpark. Seit Dienstag bietet er von 11.30 Uhr bis 18 Uhr einen Abholservice an. „Unsere Kunden bestellen am Telefon, dann vereinbaren wir die Abholzeit“, erläutert er. Von paniertem Seelachsfilet über Salatplatten bis zu diversen Braten und frischem Blechkuchen werden in der Küche zubereitet. Für seine 14 Mitarbeiter hat er bereits Kurzarbeit angemeldet. „Aber 60 Prozent des normalen Gehalts reichen für viele nicht aus“, sagt Limprecht. Deshalb versuchen viele auf 80 Prozent zu kommen – und „seine Mannschaft“ freut sich, gebraucht zu werden.

