Corona
: Wie Menschen mit Beeinträchtigung in Frankfurt (Oder) die Krise meistern

Auch in Frankfurt (Oder) warten viele Menschen mit Behinderung darauf, wieder arbeiten gehen zu können. Solange vertreiben sie sich unter anderem mit Bastelarbeiten die Zeit.
Von
Jan-Henrik Hnida
Frankfurt (Oder)
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  • Ob Topflappen oder – wie hier – einen Schal: Ines Feierabend strickt für ihr Leben gern. Weil die Ladenwerkstatt noch zu ist, kann die Bewohnerin vom Blochwitz-Haus ihrer Leidenschaft frönen.

    Ob Topflappen oder – wie hier – einen Schal: Ines Feierabend strickt für ihr Leben gern. Weil die Ladenwerkstatt noch zu ist, kann die Bewohnerin vom Blochwitz-Haus ihrer Leidenschaft frönen.

    Jan-Henrik Hnida
  • Mirco Zimmermann lebt mit seiner Tochter Finja (5) in einer Wohnung der Lebenshilfe – in begleiteter Elternschaft. Zurzeit kann der Mann nicht in der Tischlerei der Gronenfelder Werkstätten arbeiten. Also geht er öfter mit Finja auf den Spielplatz oder widmet sich seinen Modell-Eisenbahnen. Einmal selbstständig in Eisenhüttenstadt zu leben, ist sein Ziel.

    Mirco Zimmermann lebt mit seiner Tochter Finja (5) in einer Wohnung der Lebenshilfe – in begleiteter Elternschaft. Zurzeit kann der Mann nicht in der Tischlerei der Gronenfelder Werkstätten arbeiten. Also geht er öfter mit Finja auf den Spielplatz oder widmet sich seinen Modell-Eisenbahnen. Einmal selbstständig in Eisenhüttenstadt zu leben, ist sein Ziel.

    Jan-Henrik Hnida
  • Catharina Gaitzsch und Lebenshilfe-Mitarbeiterin Ramona Drengner-Baer basteln an einer Hakenleiste, mit Nägeln wird der Name "Lisa" eingraviert, die Freundin von Gaitzsch.

    Catharina Gaitzsch und Lebenshilfe-Mitarbeiterin Ramona Drengner-Baer basteln an einer Hakenleiste, mit Nägeln wird der Name "Lisa" eingraviert, die Freundin von Gaitzsch.

    Jan-Henrik Hnida
  • Matthias bastelt einen Raben im Gemeinschaftsraum der Wohnstätte Ekkehard Berhold, am Oderhang in Hansa Nord, in der 31 Bewohner leben.

    Matthias bastelt einen Raben im Gemeinschaftsraum der Wohnstätte Ekkehard Berhold, am Oderhang in Hansa Nord, in der 31 Bewohner leben.

    Jan-Henrik Hnida
  • Seit zwei Jahren arbeitet Melanie Pukalos im "Café Nord". Nach sieben Wochen ohne Arbeit freut sie sich, wieder Gäste zu bedienen.

    Seit zwei Jahren arbeitet Melanie Pukalos im "Café Nord". Nach sieben Wochen ohne Arbeit freut sie sich, wieder Gäste zu bedienen.

    Jan-Henrik Hnida
  • Christoph Härtel deckt sich im Wichern-Laden vom Blochwitz-Haus mit Schokolade ein. Normalerweise baut Härtel Festplatten-Halterungen für PCs in den Gronenfelder Werkstätten zusammen.

    Christoph Härtel deckt sich im Wichern-Laden vom Blochwitz-Haus mit Schokolade ein. Normalerweise baut Härtel Festplatten-Halterungen für PCs in den Gronenfelder Werkstätten zusammen.

    Jan-Henrik Hnida
  • Die Sternzeichen Skorpion und Löwe hat Lebenshilfe-Bewohner Jens-Uwe Herrmann mit Lack auf Holz kreiert.

    Die Sternzeichen Skorpion und Löwe hat Lebenshilfe-Bewohner Jens-Uwe Herrmann mit Lack auf Holz kreiert.

    Jan-Henrik Hnida
  • Gesellige Runde in der Wohnstätte Ekkehard Berhold (v.l.): Jörg Hanisch, Frank Fechtner, Charleen Becker, Katja Wolter, Karsten Abraham und Mario Schulz spielen "Mensch ärgere dich nicht".

    Gesellige Runde in der Wohnstätte Ekkehard Berhold (v.l.): Jörg Hanisch, Frank Fechtner, Charleen Becker, Katja Wolter, Karsten Abraham und Mario Schulz spielen "Mensch ärgere dich nicht".

    Jan-Henrik Hnida
  • Basteln unterm Carport mit einer Stichsäge aus Holz eine Blumenbank – Sascha Stahlberg und René Schuldt.

    Basteln unterm Carport mit einer Stichsäge aus Holz eine Blumenbank – Sascha Stahlberg und René Schuldt.

    Jan-Henrik Hnida
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„Bisher gibt es noch keine Anzeichen für eine Wiedereröffnung unserer Werkstätten“, sagt Wohnstättenleiterin Lisa Breitkopf. Die Gronenfelder Werkstätten der Wichern–Diakonie bieten berufliche und soziale Rehabilitation für Menschen mit Behinderungen an. Doch seit Mitte März sind die Räume wegen der Eindämmungsverordnung geschlossen. In den Werkstätten, der Wäscherei, dem Tierpark, der Wichern–Küche oder der Ladenwerkstatt arbeiten 500 Menschen mit geistigen und psychischen Beeinträchtigungen.

Alles über das Coronavirus und seine Folgen für Brandenburg und Berlin in unserem Corona–Blog.

Als die Anordnung kam, die Werkstätten zu schließen, musste schnell gehandelt werden, berichtet Sabrina Nielen von der Öffentlichkeitsarbeit bei Wichern. „Ein Teil der Bewohner wurde in die Häuslichkeit geschickt, ein Teil wurde intensiver betreut“, erklärt sie. Die Arbeit in den Werkstätten gab vielen Bewohnern eine Tagesstruktur. Jetzt musste der Alltag ohne Arbeit mit Unterstützung der Betreuer neu geregelt werden. Ideen wurden entwickelt, neue Beschäftigungen  angeboten: Ein Tischler baute im Garten mit Bewohnern Sommermöbel aus Paletten. Auch Kochkurse, Basteln, Spiele oder Gartenarbeiten wurden rege angenommen, so Nielen.

Viel gebastelt wird auch im Gemeinschaftsraum der Wohnstätte „Ekkehard Berhold“ der Lebenshilfe. Ob eine Hakenleiste für Schlüssel, Sternzeichen aus Holz oder eine Blumenbank — alles selbstgemacht und liebevoll von den 31 Bewohnern gestaltet. "Ein Teil lebt seit zweieinhalb Monaten zu Hause – eine Nagelprobe für Klienten und Angehörige“, sagt Leiterin Ines Crummenerl.

Zusätzliche Betreuung

Viele vermissen die Gesellschaft, ihre Freunde in der Wohnstätte  — oder die Arbeit in den Werkstätten. „Seit der Schließung haben wir ein hausinternes Programm, täglich von 9 bis 15 Uhr“, erläutert die Leiterin. Sport, Tanzen, Zeitungsschau, Gespräche oder nun wieder Café-Besuche – für den erhöhten Betreuungsaufwand mussten zusätzliche Mitarbeiter aus anderen Bereichen aushelfen. Sport im Innenhof und pädagogische Angebote gab es auch für die Familien in „begleiteter Elternschaft“ der Lebenshilfe.  „Gerade die 1,50 Meter Abstand waren anfangs für viele unserer Bewohner schwer zu verstehen“, sagt Fachbereichsleiterin Ronni Haase. Deshalb wurden die Corona–Regeln in einfacher Sprache ausgehängt – „Oft Hände waschen“ und „Andere Leute nicht anhusten“.

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