Seit Anfang November war der Plan, den OB René Wilke als "visionär und realistisch" bewarb, in vier Frankfurter und zwei Słubicer Ausschüssen diskutiert worden. Bereits am 9. Mai hatten die Stadtparlamentarier die den Maßnahmen zugrundeliegenden Visionen und Ziele vereinbart. Damals – noch vor den Kommunalwahlen in Frankfurt – fiel der Beschluss einstimmig, diesmal gab es vier Gegenstimmen und vier Enthaltungen, erwartungsgemäß aus der AfD-Fraktion.
Lieblingsorte gezeigt
Im zweiten Teil der formal gehaltenen Sitzung berichteten Mitarbeiter des Frankfurt-Słubicer Kooperationszentrums, für welche doppelstädtischen Anliegen sie die 1,5 Millionen Euro aus dem Programm "Europäische Modellstadt"– davon 85 Prozent EU-gefördert – eingesetzt haben.
Dazu gehört die Kampagne "Lieblingsorte der Doppelstadt", die erstmals öffentlich präsentiert wurde. Seit ein paar Wochen schon liegen die blau-grünen Broschüren mit dem Titel "Doppelt schön" in der Tourist-Information aus, gleichzeitig ging die Seite doppelt-schoen.eu online. Beschrieben und empfohlen sind darin hundert Orte in Frankfurt und Słubice – auf der Webseite sind sie auch auf kartografiert – vom Ziegenwerder bis zur persönlichen Angelstelle an der Oder, vom Theater des Lachens zum Kulturhaus Smok, vom Burgwall bei Kliestow bis zur Pferderanch in Drzecin – Natur, Gastronomie, Blicke, Einkaufstipps, Sehenswertes. Seit Mai waren Frankfurter und Słubicer aufgerufen, Fotos ihrer Lieblingsorte in der Doppelstadt hochzuladen oder per Post einzuschicken und persönliche Erinnerungen dazu zu teilen. Tatsächlich sind einige Ausflugstipps in Ich-Form enthalten, jedoch ohne Namen. Rund 50 Personen aus beiden Städten hätten insgesamt etwa 150 Orte vorgeschlagen, manche mehrfach. Hundert davon habe man ausgewählt, sagt Sören Bollmann, Leiter des Kooperationszentrums auf Nachfrage. Die Kampagne gab ursprünglich das Ziel aus, 200 Lieblingsorte zu finden. Man sei dennoch zufrieden, so Bollmann. Das Projekt führte das Kooperationszentrum gemeinsam mit der Berliner Agentur Runze & Partner durch, die bereits das gemeinsame Logo der Doppelstadt entwickelt hat.
Enttäuscht von der Broschüre zeigte sich Radtourenleiter Roland Totzauer aus Frankfurt, der sich bei der Kampagne beteiligt hatte. 47 Lieblingsorte habe er beschrieben und hochgeladen. Tatsächlich habe er 40 seiner persönlichen Ortsbeschreibungen wieder gefunden, jedoch weit weniger seiner Fotos dazu. Zudem sei die Redaktion mit ihm als Autoren nicht in Kontakt getreten, kritisierte er. "Für die Broschüre haben wir eine redaktionelle Auswahl treffen müssen und die haben wir nicht mit jedem Autor einzeln abgestimmt", entgegnet Sören Bollmann. Einzelne Autoren hätten viele Vorschläge einreicht, man hätte diese nicht überrepräsentieren wollen.
Die 50 000 Euro teure Kampagne hatte Runze & Partner zunächst in Workshops mit Stadtverordneten und Mitarbeitern der Rathäusern entwickelt. Neben Broschüre und Website entstanden auch ein Film und Givaways wie Bleistifte wurden bedruckt.