E-Sport: Viel Lob für erste Veranstaltung im E-Sport in der Region

25 Monitore waren in der Frankfurter Messehalle aufgebaut. Die Spieler kamen überwiegend aus der Region. Interessante Partien wurden auf einer großen Leinwand übertragen.
michael benkDie meisten Spieler vor den Konsolen, die am ersten Tag ihre Vorrundenspiele in der Frankfurter Messehalle austragen, agieren ruhig und konzentriert. Doch als Paul Peschke seine Mannschaft gegen Jon Lukas Sauer in Führung bringt, springt er auf und freut sich lautstark – genau wie beim echten Fußball.
Anders als die beiden Akteure vom 1. FC Frankfurt, der zum ersten Turnier „International E-Sports Brandenburg" mit Fifa 19 auf der Playstation eingeladen hat, gehen die meisten der 86 Teilnehmer rein virtuell dem Sport nach. „Angemeldet waren ja etwa 110, aber einige waren doch noch keine 18 Jahre alt und durften wegen des späten Abends nicht teilnehmen“, erklärt André Wolf. Der Mitorganisator hat selbst noch nie eine der Fifa-Versionen gespielt, war aber begeistert: „Von Weitem ist auf den Bildschirmen nicht zu erkennen, ob da die Champions League live übertragen wird oder jemand an der Play-Station sitzt.“
In zwei Vorrundengruppen á sechs bzw. drei Untergruppen wurde im Modus jeder gegen jeden über jeweils sechs Minuten gespielt. Für die besten 64 E-Sportler ging es tags darauf in der Zwischenrunde im Wimbledon-Modus (1. gegen 64., 2. gegen 63., ....) bis zu den Halbfinals und dem Finale weiter.
Unter die besten 50 hat es Kevin Triebler geschafft. Der 26-Jährige ist seit elf Jahren von Fifa begeistert und sitzt zumeist bei Online-Spielen vor dem Bildschirm. Als er in der Weltrangliste kurzzeitig auf Rang 60 lag, „hatte ich ein Pflichtspiel gegen den Ersten der Rangliste, Yannick Reiners alias Jeff, der bei Borussia Mönchengladbach professioneller E-Sportler ist“, zeigt sich Triebler immer noch begeistert. Als „leidenschaftlicher Fifa-Spieler mit Lust auf mehr" würde er sich als künftig vielleicht professioneller Spieler gern die Unterstützung eines Vereins sichern – wegen des damit verbundenen Coachings, der Suche von Spielpartnern, der Übernahme von Fahrt- und Übernachtungskosten beispielsweise. „Ich finde es toll, dass der 1. FC Frankfurt wie Bayern München oder Gladbach E-Sport groß aufziehen will. Das hier ist schon mal toll, ich freue mich mega“, so Triebler über die größte derartige Veranstaltung in der Region.
Der Schritt ins Professionelle ist Falko Schindler bereits gelungen, wenn auch beim Karten-Strategiespiel Heartstone für Stage5 Gaming. „Fifa spiele ich hobbymäßig drei-, viermal im Monat und habe mich schon für das Finale der Top 16 der Leipzig-Liga qualifiziert. Da will ich aber noch ein paar mehr Punkte sammeln“, erzählt Schindler, der sagt, dass man bei Offline-Spielen meist nervöser und das Spielverhalten wegen der festgelegten Ausgangswertung schwerer einzuschätzen sei. Am Ende war der 29-Jährige, der als „xRockedx“ unterwegs ist, mit seinem Platz unter den besten 32 zufrieden. "Ich hatte mit einem Eigentor etwas Pech und spiele eben nicht oft.“
Zufrieden war Sandro Henning als Wettkampfleiter, „auch wenn die Besucherzahlen nicht explodiert sind. Wir wollten schauen, wie E-Sports ankommt, es ist ein Probelauf und wir haben ein sehr gutes Feedback erhalten“, erzählt der Abiturient der Sportschule, der ebenfalls beim 1. FCF spielt. Er schätzt Fifa wie auch professionelle Fußballer: „Man kann sich taktisch weiterbilden, steigert sein Spielverständnis und lernt, einen kühlen Kopf zu bewahren“, nennt er einige Vorzüge.
Vielleicht auch deshalb haben in Frankfurt zwei Aktive gewonnen: Julian Drescher von Lok Frankfurt führte Union Berlin im Finale zum 5:3 über den FC Barcelona von Felix Hackel, der beim Müllroser SV spielt. Um Platz 3 siegte David Hertel aus Müllrose 1:0 gegen Philipp Drosdek.
Die Verantwortlichen des 1. FC Frankfurt wollen jetzt die Veranstaltung, zu der etwa 500 Zuschauer kamen, auswerten und das Konzept gegebenenfalls überarbeiten. „Dann entscheiden wir, ob es noch im Herbst oder im nächsten Jahr eine weitere Veranstaltung gibt und wie wir die 16-, 17-Jährigen einbinden können“, so André Wolff.
Wertungen und Organisationsformen beim eSports
In Frankfurt wurde nach dem 85er-Modus gespielt. Die Voraussetzungen aller Mannschaften, egal, ob Champions-League-Vertreter oder Drittligist, sind hier gleichgesetzt, u. a. Spielzüge ungenauer als bei einer 90er Wertung.
Sportsimulationen gibt es neben derFifa-Serie als Renn-simulation Gran Turismo und GT Academy.
E-Sport ist vom Deutschen Olympischen Sportbund nicht als Sportart anerkannt. Einige Fachverbände erkennen aber einzelne Disziplinen an.
Der 1. FC Frankfurt hat eine Abteilung E-Sport gegründet. Wer Mitglied werden will, kann eine Mail schicken: info@fcfrankfurt.de
