Ehrenamt
: Volkssolidarität und AStA diskutieren gesellschaftliches Engagement

In einer Podiumsdiskussion haben alte und junge Ehrenamtliche über freiwilliger Arbeit geredet.
Von
Louisa Theresa Braun
Frankfurt (Oder)
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Ines Große, Monique Zweig, Ute Wallroth, Marie Glißmann, Silvia Grande, Solveig Kauczynski und Heike Dinnebier (v.l.)

Louisa Theresa Braun

Ob in der Freiwilligen Feuerwehr, in der Kirche oder in der Studierendenvertretung: Ohne Ehrenamtliche läuft in unserer Gesellschaft gar nichts. Was also würde passieren, wenn das Ehrenamt streikt? Unter diesem Motto luden der Sozialverband Volkssolidarität und der Allgemeine Studentische Ausschuss (AStA) der Europa–Universität Viadrina am Donnerstagabend zu einer Podiumsdiskussion ein. Beide Organisationen leben davon, dass Menschen sich freiwillig engagieren — doch das ist oft leichter gesagt als getan.

Auf dem Podium saßen neben Ines Große und Ute Wallroth für die Verbände der Volkssolidarität Brandenburg und Frankfurt, Marie Glißmann für den AStA und Solveig Kauczynski vom Freiwilligenzentrum der Caritas auch Oberbürgermeister René Wilke. Er will finanzielle Anreize setzen. „Engagement wird dann für Leute schwierig, wenn sie auf Kosten sitzen bleiben“, sagt er.

Zu diesem Zweck gibt es in Frankfurt seit September einen vom Land geförderten Engagement–Stützpunkt, bei dem Ehrenamtliche unter anderem 100 Euro im Jahr als Fahrtkostenpauschale beantragen können. Als alleinige Motivation, sich zu engagieren, reicht das vermutlich nicht. Doch schließlich definiere sich Ehrenamt letztlich dadurch, dass es nicht vergütet wird, sagt Wilke.

Ines Große von der Volkssolidarität findet die Frage nach dem Streik des Ehrenamts deswegen widersprüchlich: „Dann würde mit der Idee des Ehrenamts etwas nicht stimmen. Man entscheidet sich ja eigentlich freiwillig dafür, weil es Freude machen soll.“

Marie Glißmann, Hochschulreferentin des AStA, ist anderer Meinung. „Ehrenamt bildet sich dort, wo der Staat untätig ist.“ Gleichzeitig sei es ein Privileg, diese Tätigkeiten zu übernehmen, gerade für junge Leute. „Viele Studierende haben nicht die Möglichkeit, sich zu engagieren, weil sie neben der Uni noch arbeiten müssen. Ehrenamt kann sich nur leisten, wer finanziell abgesichert ist.“ Sie selbst könne nur hochschulpolitisch tätig sein, weil sie ein Stipendium der Hans–Böckler–Stiftung habe.

Vor allem für langfristiges Engagement seien junge Menschen schwer zu gewinnen, sagt auch Solveig Kauczynski. Die meisten Ehrenamtlichen des Freiwilligenzentrums seien schon in Rente. Viele motivierte Studierende wissen jedoch einfach nicht, wo und wie sie sich engagieren könnten. „Es fehlt eine Brücke zwischen der Uni und der Stadt“, meint ein Kommilitone von Glißmann, Aaron Widding. Er arbeitet für eine „digitale Engagementplattform“, die Junge und Alte, Freiwillige und ehrenamtliche Organisationen online miteinander vernetzen will: vostel.de.

Konstruktive Diskussion

Dass generationenübergreifende Zusammenarbeit funktionieren kann, zeigte auch die Podiumsdiskussion selbst: Etwa 15 Studierende und um die vierzig Menschen älteren Semesters waren gekommen, um konstruktiv nach Lösungen für das Ehrenamt zu suchen. Letztlich waren die meisten sich einig: Das Ehrenamt darf nicht streiken, doch es braucht die richtige Absicherung, und auch Wertschätzung. Volkssolidarität und Studierende haben sich jedenfalls vorgenommen, auch in Zukunft zu kooperieren.