Krisensichere und systemrelevante Jobs bietet Dirk Vogel an, sagt er. Er ist Geschäftsführer der dispo-Tf Holding GmbH, die mit ihrer Ausbildungsfirma seit Kurzem auch ein privates Schulungszentrum in Frankfurt (Oder) hat. Dort kann man sich in zwölf Monaten zum Lokführer ausbilden lassen – oder im Fachjargon: Triebfahrzeugführer. Selbst in der Corona-Zeit, als der Lkw-Verkehr durch die Grenzschließungen lahmgelegt war, wurde Ware auf den Schienen transportiert, erzählt er. Es konnte dann passieren, dass ein Schiff aus China nur halb voll ankam – der Zug fuhr aber trotzdem, da immer fürs ganze Jahr im Voraus geplant wird.
Zur Holding gehört auch die Firma dispo-Tf Rail, in der beispielsweise Öl, Getreide oder Stahl transportiert werden. Wer eine Ausbildung zum Lokführer in dem Unternehmen macht, kann danach also in den Güterverkehr gehen. Die zweite Möglichkeit ist, über ein anderes Tochterunternehmen in den Schienen-Personenverkehr anderer Eisenbahnunternehmen einzusteigen. Ausgebildet wird bei dispo-Tf beides.

Ausbildung kostet 25.000 Euro

Es gibt eine Übernahmegarantie. In den Tochterfirmen, in die die Teilnehmer dann überführt werden, gilt der Tarif der Gewerkschaft GDL – das bedeutet brutto 3000 Euro Einstiegsgehalt, unbefristete Anstellung. Die medizinischen und psychologischen Untersuchungen im Vorfeld der Ausbildung führen Ärzte und Psychologen einer weiteren Tochterfirma der Holding durch. Das „rundum sorglos Paket“, wie Vogel es nennt, hat jedoch auch einen stolzen Preis: Die zwölf Monate kosten 25.000 Euro, die die Arbeitsagentur über Bildungsgutscheine übernehmen kann. Es gibt aber auch Selbstzahler, die mit 12.500 Euro dabei sind.

Ist die Arbeit als Lokführer einsam?

Der 21-jährige Til Hoffmann aus Seelow findet die Ausbildung interessant und „eine gute Chance“. Er ist zur wöchentlich stattfindenden Informationsveranstaltung gekommen. Vorher war er bei der Bundeswehr, wollte dann eigentlich Fachverwaltungsangestellter werden, hätte dafür aber ein Jahr warten müssen. „Lieber machen“, begründet er seine Umorientierung.
Ob er sich die Arbeit als Lokführer nicht einsam vorstellt? „Auf Dauer schon“, glaubt er. Aber zu Hause habe er seine Familie und solange er jung ist und kein Haus und Kinder auf ihn warten, „kann man das gut machen“. In den Lokführerhotels, so Dirk Vogel, trifft man außerdem Kollegen, unterwegs habe man Kontakt zum Fahrdienstleiter und die immer neuen Strecken seien abwechslungsreich.

Die Grenze ist in Frankfurt ein Vorteil

„Meine Lehrerin hat immer gesagt: ‚Dennis, hör auf, aus dem Fenster zu gucken, damit kannst du kein Geld verdienen.’ Und dann bin ich Lokführer geworden“, scherzt Dennis Mashemke, als Regionalleiter Ost für betriebliche Belange und Sponsoring zuständig. Der Beruf des Lokführers sei mehr als „aus dem Fenster zu gucken“. Nach drei Jahren könne man außerdem an der Ausbildung mitwirken – etwas, das sich auch Til Hoffmann irgendwann vorstellen könnte.
Ein Vorteil am Frankfurter Standort ist die Oderbrücke. Polnische Lokführer fahren in der Regeln nur bis zur Grenze, dann gibt es einen Lokführerwechsel, und umgekehrt. „Will man weiterfahren, braucht man eine Zusatzausbildung für das entsprechende Land“, sagt Dirk Vogel. Er hofft, dass in Frankfurt auch polnische Lokführer die deutsche Ausbildung machen, und dann durchfahren können. Wer die eine Ausbildung schon hat, komme mit einem Monat zusätzlich ungefähr hin.

Die zwölf Monate sind vergleichbar mit Fahrschule

Bislang ist das Interesse in Frankfurt noch nicht besonders groß – obwohl es durch die Arbeitslosigkeit, die Corona brachte, andernorts einen Boom gibt und sich viele beruflich neu orientieren wollen. Vogel hofft auf mehr Interessierte durch den Umzug Anfang des Monats an den Kleistpark. Die ersten drei Monate saß die Firma in der Birnbaumsmühle.
Was er jedoch betont: Die Ausbildung ist keine ABM-Maßnahme. „Man sollte sich das genauso wie Fahrschule vorstellen.“ Nur die, die erfolgreich sind, werden schlussendlich auch Lokführer. In den letzten drei Monaten der Ausbildung wird unter Aufsicht dann nur noch gefahren. Interessant ist, dass in einer Klasse mit 15 Teilnehmern nur eine, manchmal zwei Frauen sind. „Aber die Erfolgsquote ist bei Frauen wesentlich höher als bei Männern“, sagt Vogel.

Das Unternehmen und die Ausbildung


Dispo-Tf Rail ist ein Güterverkehrsunternehmen. Die Ladungen werden von Hamburg in Richtung Italien, Niederlande, Belgien, Polen und Tschechien transportiert. Das übergeordnete Unternehmen ist die dispo Tf Holding GmbH mit Sitz in Neuenhagen bei Berlin. 2013 kaufte Dirk Vogel die insolvente Personaldienstleistungsfirma mit sechs Angestellten auf und expandiert seitdem. Inklusive Lokführer hat das Unternehmen nun mindestens 550 Angestellte. Mit Frankfurt sind es mittlerweile 27 Schulungszentren, die zum Tochterunternehmen dispo-Tf Education gehören, eins davon in Szczecin. In Brandenburg sind in den vergangenen zwei Jahren Ausbildungszentren in Cottbus und Neuenhagen entstanden. Für die Ausbildung zum Lokführer muss man einen Haupt- oder Berufsschulabschluss vorweisen können und Deutsch auf Level B2 sprechen. Teilnehmer müssen mindestens 19 Jahre alt sein, zum Prüfungszeitpunkt dann 20.

Adresse: Am Kleistpark 16, Anmeldung für Informationsveranstaltungen, die donnerstags, 15.30 Uhr, stattfinden, unter Tel. 0800 5770138 oder E-Mail bildung@dispo-tf.de; Homepage