Flüchtlingsintegration: Von der Schul- an die Schraubbank

Ken Wegener von der SVF erklärte den Teilnehmern des OSZ-Kurses das Fahrwerk einer Straßenbahn.
René MatschkowiakDer letzte der Kurse Grundbildung Plus, der vor zwei Jahren für geflüchtete Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren am Oberstufenzentrum Konrad Wachsmann aufgelegt wurde, geht dem Ende entgegen. In dieser Woche nahmen die Schüler an einer Ausbildungsrallye durch mehrere Betriebe wie etwa die Dekra, das Hotel zur Alten Oder und auch die Stadtverkehrsgesellschaft teil.
„Einen neuen Kurs wird es nach heutigem Stand nicht geben“, sagt Schulleiter Andreas Wendt. Es gibt nicht genügend Jugendliche, um eine Klasse aufzumachen. Es ist rückblickend auch eine Geschichte von Erfolgen und geplatzten Träumen. „Jugendliche, die in diesem Alter nach Deutschland kommen, haben es besonders schwer“, erklärt er.
Die Träume der Schüler sind groß. Pilot etwa oder Arzt wollen einige werden. Das Brandenburger Schulsystem lässt es beispielsweise aber nur in sehr seltenen Ausnahmefällen zu, dass diese Schüler nach der Grundbildung am OSZ auch ein Abitur ablegen können. Für jüngere Kinder und Jugendliche, die vorher eine Grund- oder weiterführende Schule besuchen, ist das kein Problem.
Auch für die Lehrer war der Kurs nicht immer einfach. „Für die Vermittlung des Alphabets sind Berufsschullehrer nicht unbedingt ausgebildet“, so Andreas Wendt. „Viele der Schüler hatten gar keine Deutschkenntnisse, als sie in die Klassen kamen, was natürlich den Unterricht aufgehalten hat. Schließlich sind nicht alle zur selben Zeit in die Klasse gekommen“.
Ausbildung nach Schulabschluss
Trotz allem: Nach dem Kurs haben die jungen Menschen die einfache oder erweiterte Berufbildungsreife erworben, erklärt Lehrerin Christine Kanzius-Wolff. Auf der Ausbildungsrallye ging es nun darum, festzustellen, welche Interessen die Schüler haben. „Ich hoffe, dass wir einige in unserer Schule wiedersehen, etwa in Lehrberufen, die hier unterrichtet werden“, so Andreas Wendt. Es gibt dort Lehrberufe im Bereich Gastronomie und verschiedene Büroberufe.
Der Weg zum Mechatroniker
Bei der Stadtverkehrsgesellschaft hingegen ging es während der Rallye eher um Berufe wie Kfz-Mechatroniker oder um Fahrer für Bus und Bahn. Achmed aus Syrien zeigte sich interessiert. Dass er erst einmal über drei Jahre lernen muss, ist eben so, findet er und sagt: „Kein Problem.“ In Syrien hat er schon in diesem Bereich gearbeitet.
„Im letzten Jahr haben wir einen Jugendlichen aus einem Grundbildungskurs des OSZ in eine Qualifizierungsmaßnahme zum Mechatroniker übernommen“, so SVF-Geschäftsführer Christian Kuke. Dieser soll sich so auf einen Lehrbeginn im September vorbereiten. Insbesondere bei zukünftigen Fahrern aus solchen Qualifizierungsmaßnahmen ist die Finanzierung des Führerscheins noch nicht geklärt. „Wir suchen nach Lösungen“, so Kuke.
„Das größte Problem für zukünftige Ausbildungen ist nach wie vor die Sprache“, sagt Christine Kanzius-Wolff. „Umgangssprachlich geht es sehr gut“, findet sie. Wird es jedoch fachspezifisch, dann sei es schwieriger. Eng betreut werden die Jugendlichen vom Kommunalen Integrationszentrum (KI) der Stadt, so KI-Mitarbeiterin Izabela Bliss. „Allerdings sind wir auch auf Mitarbeit der Jugendlichen angewiesen“, erklärt sie. Im Juni erhalten die Schüler ihr Abschlusszeugnis, dann geht auch für sie die Suche nach einem Ausbildungsplatz los.