Frankfurt (Oder) Słubice Pride 2025
: Behindern Grenzkontrollen die queere Demo?

Auch bei der sechsten Pride in der Doppelstadt wollen Hunderte für die Rechte queerer Menschen in Słubice und Frankfurt (Oder) demonstrieren. Behindern die Grenzkontrollen die Demo?
Von
Ole Rockrohr
Frankfurt (Oder)
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PRIDE 2022: Demonstranten beim letztjährigen PRIDE-Marsch in der Doppelstadt

Von Słubice nach Frankfurt (Oder): Die Pride in der Doppelstadt findet dieses Jahr zum sechsten Mal statt. (Archivbild von 2022)

Katarzyna Wójtowicz
  • Słubice-Frankfurt Pride 2025 findet am 13. September unter dem Motto „Borders divide, Prides unite“ statt.
  • Demo startet in Słubice, führt über die Stadtbrücke nach Frankfurt (Oder) und endet mit Fest im Mikado.
  • Teilnehmer feiern Vielfalt, begleitet von Drag-Shows und politischen Redebeiträgen – Hunderte werden erwartet.
  • Polizei schützt die Pride, da es regelmäßig zu Störversuchen und Gegenprotesten kommt.
  • Verschärfte Grenzkontrollen sind geklärt, Demonstration darf ungehindert die Grenze überqueren.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Zum sechsten Mal wollen in Frankfurt (Oder) und Słubice Deutsche und Polen auf der Pride für die Rechte queerer Menschen demonstrieren. Unter dem Motto „Borders divide, Prides unite“ ziehen sie erst durch Polen und anschließend über die Grenze in den deutschen Teil der Doppelstadt. Kann die Demo trotz der verschärften Grenzkontrollen ungehindert stattfinden?

Start der Demo ist am Sonnabend, 13. September, um 11 Uhr am Plac Bohaterów in Słubice. Von dort geht es für die Teilnehmer der Demonstration über die Stadtbrücke nach Frankfurt (Oder). Enden wird die Pride am Mehrgenerationenhaus Mikado. Zum Abschluss wird dort ein Fest der Vielfalt mit einem bunten Programm stattfinden.

Wie die Pride in Frankfurt (Oder) und Słubice ablaufen wird

Auf der Veranstaltung selbst wird es verschiedene Redebeiträge von queeren und geflüchteten Personen geben. Zusätzlich spricht ein Vertreter des Büros des Europäischen Parlaments in Wrocław, Jacek Wasik, über die Bedeutung queerer Rechte in Europa.

Neben den politischen Forderungen geht es bei dem Demonstrationszug jedoch auch darum, Vielfalt und queeres Leben auf beiden Seiten der Grenze zu feiern. Und so begleiten verschiedene Drag-Künstler*innen den Zug. Im Mikado gibt es zum Abschluss eine Drag- und Burleske-Show und das Karaoke-Format „CherrYo!kie“.

Treffpunkt der LGBTQ–Gemeinschaft beim „Slubice–Frankfurt–Pride“ war der plac Bohaterów in Slubice. Viele Teilnehmer waren geschminkt und bunt bekleidet.

Mehr als 500 Menschen beteiligten sich am Frankfurter CSD. An der Brücke kam es zu Gegendemos

Auf der Frankfurt (Oder) Słubice Pride werden auch in diesem Jahr wieder Hunderte Teilnehmer erwartet, sie wollen durch beide Städte ziehen und für eine vielfältige Gesellschaft eintreten. (Archivbild von 2022)

René Matschkowiak

Dabei kann das Organisationsteam auf eine breite Unterstützung setzen, wie Mitorganisatorin Ira Helten verrät. Das Organisationsteam und deren Unterstützer und Unterstützerinnen kommen aus verschiedenen Teilen der Bevölkerung. Mit dabei sind Studierende, Schülerinnen und Schüler, aber auch Seniorinnen und Senioren: Viele wollen ein Zeichen für eine vielfältige Doppelstadt an der (Oder) setzen. Doch nicht alle in Frankfurt (Oder) und Słubice unterstützen die Pride. Immer wieder komme es auch zu Gegenprotesten, wie Ira Helten erzählt.

Polizei muss auch 2025 noch die Pride schützen

Ob es dieses Jahr zu Gegendemonstrationen komme, wisse das Organisationsteam nicht, sagt Ira Helten. Man stehe aber in engen Kontakt mit den Behörden, um einen ungestörten Ablauf zu ermöglichen. In den letzten Jahren sei es immer wieder zu Störversuchen gekommen, berichtet sie, darunter unter anderem von christlichen Gruppierungen und rechten Gegendemonstranten. Auch von der polnischen Polizei habe man in der Vergangenheit Auflagen auferlegt bekommen, die von den Teilnehmenden eher als Schikane wahrgenommen worden seien.

In den ersten Jahren der deutsch-polnischen Pride in der Oderstadt gab es solchen Gegenwind vor allem auf der polnischen Seite. „Das hat sich inzwischen nach Deutschland verlagert“, sagt Ira Helten. Sie spricht von einem zunehmenden Rechtsruck in der deutschen Gesellschaft, den auch die Organisatoren und Organisatorinnen der Pride in der Doppelstadt wahrnehmen. Auch wenn, wie sie sagt, es in Frankfurt „noch lange nicht so schlimm ist, wie in anderen Teilen Brandenburgs“.

Polnische Katholiken protestierten bereits beim ersten Pride 2020 gegen die LGBTQ+-Gemeinschaft in Słubice. Auf Transparenten war unter anderem zu lesen: „Lasst unsere Kinder in Ruhe, die Familie ist stark durch Gott“.

Polnische Katholiken protestierten gegen die Aktivitäten der LGBTQ+-Gemeinschaft. Auf Transparenten war zu lesen: lasst unsere Kinder in Ruhe, Die Familie ist stark durch Gott", Polen ist für die Zivilisierung des Lebens, Stoppt die Sexualisierung und Demoralisierung der Kinder.

Immer wieder kommt es bei der Pride in Frankfurt (Oder) und Słubice zu Störversuchen und Gegendemonstrationen. So etwa wie hier 2022 von christlichen Organisationen, die vor einer vermeintlichen „Sexualisierung und Demoralisierung der Kinder“ warnen.

Lisa Larossa

Trotzdem: Vorfälle wie die Eier- und Böllerwürfe auf die Pride oder im letzten Jahr die vorübergehende Ingewahrsamnahme eines 15-jährigen Frankfurters, der damals auch die Pride als potenzielles Anschlagsziel ins Auge gefasst haben soll, zeigen: Der Kampf für die Gleichberechtigung und Sichtbarkeit queerer Menschen zieht immer noch viel Hass auf sich. So wird auch die Pride in diesem Jahr wieder durch ein Polizeiaufgebot geschützt werden müssen.

Behindern Grenzkontrollen die Pride in der Doppelstadt?

Hinzu kommen mit den verschärften beziehungsweise nunmehr doppelten Grenzkontrollen an der Stadtbrücke zusätzliche Hürden für den länderübergreifenden Protest. Doch das Organisationsteam blickt entspannt auf die Lage. „Eigentlich kennen wir das gar nicht anders“, sagt Ira Helten und erinnert zum Beispiel an Einschränkungen an der Grenze zu Corona-Zeiten. Mit den Behörden hätten sie sich deshalb bereits lange im Voraus verständigt.

Allerdings sei auf polnischer Seite zuletzt lange noch unklar gewesen, wie die Polizei mit der Demonstration umgeht. Zwar habe man von der Politik aus Słubice viel Unterstützung wahrgenommen. Da aber die Grenzkontrollen Sache der Zentralregierung in Warschau sind, mussten sich die Veranstalter und Veranstalterinnen der Pride auch dort absichern.

Zuletzt kam, knapp eine Woche vor der Pride, nun auch das Okay aus Warschau: Die Demonstration darf ungehindert die Grenze überqueren. Damit steht auch der sechsten Słubice-Frankfurt Pride nichts mehr im Weg. Eine Veranstaltung, die sich als „partizipatives Zeichen gegen Antifeminismus, autoritäre Strukturen und Queerfeindlichkeit“ versteht, wie es in der Pressemitteilung des Organisationsteams heißt.