Freizeit: Gaming-Zone in der Frankfurter Stadtbibliothek

Neben Autorennen und Jump ’n’ Runs ist das FIFA-Videospiel bei Kindern sehr beliebt. An die Konsole trauen sich übrigens häufiger Jungs als Mädchen.
Ingo RoscheMit flinken Sprüngen hüpft der kleine Beuteldachs durch die animierte Dschungel-Landschaft auf dem Bildschirm, weicht einem riesigen Krebs aus, schlägt einen Salto und plumpst prompt in ein Loch. „Crash Bandicoot“ ist ein Jump’n’Run-Spiel für die Playstation und wird seit diesem Sommer öfter in der Frankfurter Stadt- und Regionalbibliothek gezockt. Im Juli hat hier eine „Gaming Zone“ eröffnet: ein kleiner Raum mit großem Bildschirm, einer Playstation 4 und lässigen Sitzsäcken, aus denen kleine und große Bibliotheksnutzerinnen und –nutzer entspannt den Controller bedienen können.
„Konsolenspiele gehören genauso in Bibliotheken wie Bücher und inzwischen schon lange auch Filme und Musik. Die Vorstellung, dass wir ausschließlich fürs Lesen zuständig sind, ist sehr antiquarisch“, sagt Angela Stern, Bibliothekarin und Leiterin der Gaming Zone. Sie zockt selbst seit über zwanzig Jahren – ihr Sohn hat sie darauf gebracht, als er mit 13 seinen ersten PC bekam.
Bei vielen Eltern fehle das Verständnis dafür, dass Kinder heutzutage viel Zeit vor dem Bildschirm verbringen. Außerdem hat Gaming als Suchtfaktor ein schlechtes Image. Umso wichtiger sei es, Kinder pädagogisch an die Konsole heranzuführen. In der Bibliothek dürfen Kinder nur unter Sterns Anleitung nur altersgerechte Spiele und die für höchstens eine halbe Stunde spielen.
Dass übermäßiges Zocken Gefahren birgt, diskutiert Stern mit Kindern, die meistens zwischen zehn und 14 Jahre alt sind, in der Veranstaltungsreihe „Let’s talk about Games“. Etwa ein Drittel der Kinder gebe zu, daheim Spiele zu machen, für die sie noch nicht alt genug sind - die Dunkelziffer ist mit Sicherheit höher, schätzt Stern. Für sie gebe es beim Medienkonsum Grenzen, die überschritten würden, bei einer gewissen Brutalität, wenn es um Nazi-Armeen gehe wie im Ego-Shooter „Wolfenstein“ oder ein sexistisches Frauenbild vermittelt werde. Innerhalb dieser Grenzen wirbt Stern jedoch um Toleranz für alle Medienformen und um Vertrauen zwischen Eltern und Kindern, dass beide ein Gespür für diese Grenzen entwickeln.
Gaming habe jedoch wesentlich mehr positive Aspekte: Strategiespiele fördern logisches Denken, der Umgang mit der Konsole die Koordinationsfähigkeit und das Spielen im Team soziale Kompetenzen. Deshalb sei es auf jeden Fall besser, wenn Kinder in der Bibliothek mit anderen spielen würden als alleine daheim. „Ich habe auch schon erlebt, dass Ältere den Jüngeren geholfen haben, wenn die an einer Stelle im Spiel nicht weitergekommen sind“, sagt Stern. Die Resonanz im letzten halben Jahr sei von Kindern wie Eltern durchweg positiv, bis zu drei Mal am Tag werde die Playstation durchschnittlich genutzt.
Kinder oder auch Erwachsene, die spielen wollen, können das im Haus 2 der Stadtbibliothek mit Bibliotheksausweis innerhalb der Öffnungszeiten von Dienstag bis Samstag tun.