Fußball
: Frankfurter Fehler-Festival

Die sechste Niederlage in Folge, die neunte von insgesamt 18 Vergleichen seit 2010, war verdient
Von
Hans Eberhard
Frankfurt
Jetzt in der App anhören

Lieferten sich hart umkämpfte Duelle: Frankfurts John-Lukas Sauer (am Ball) und Seelows Anastasios Alexandropoulos

michael benk

Vorn zeigten sich die Gastgeber bei ständigem Nieselregen zu umständlich, ohne Durchschlagskraft, suchten immer den vielleicht noch besser postierten Nebenmann, delegierten die Verantwortung beim Abschluss. Und hinten hatten sie viele individuelle Schnitzer zu beklagen. Anders die routinierten Kreisstädter, im Schnitt acht Jahre älter. In der Defensive ließen sie kaum etwas anbrennen, im Angriff handelten sie meist entschlossener – und hatten dabei auch ein Quäntchen Glück. Sie machten schlichtweg weniger handwerkliche Fehler, ohne spielerischen Glanz zu verbreiten.

Das 1:0 fiel in eine kleine Druckphase der Gäste mit einer Kopfballchance für Sebastian Jankowski (8.). Nach weitem Querpass von Sandro Henning erkannte Robin Grothe die Lücke und zog aus 20 Metern einfach ab – ein Strich, ein Traumtor nach einer Viertelstunde. Kurz zuvor hatten die Nerven nach Foul von Rick Drews an Henning für einen Moment blank gelegen. Alexandropoulos und John Lukas Sauer beteiligten sich am Geschubse, der besonnene Paul Karaszewski ging dazwischen und trennte die Streithähne. Gut so. „Nach dem Rückstand hatten wir etwas den Faden verloren“, urteilte später Frankfurts Ex-Oberliga-Trainer Peter Flaig. Torgefahr gab‘s nur bei Freistößen (Marcel Georgi) und nach Eckbällen (John Lukas Sauer/Jankowski). Aber den Ausgleich noch vor der Pause leitete Georgi mit feinem Lupfer von der Torauslinie ein. Jankowski preschte am stürzenden Paul Peschke vorbei und donnerte die Kugel aus Nahdistanz ins Netz.

Nach dem Seitenwechsel hatten die Frankfurter ihre Möglichkeiten in Gestalt des fleißigen Henning (56.) und des eingewechselten Erik Piotr Kryjak (68.). Einmal musste Erik Huwe vor dem einschussbereiten Robert Budzalek retten (60.). Doch dann kam‘s dicke. Der dribbelstarke Georgi ließ sich dankbar und schlitzohrig über das angewinkelte Bein von Ruven Bertel fallen und holte so einen „Elfer“ heraus. Jankowski verwandelte sicher (70.). „Das war der Knackpunkt“, gab hinterher Jan Mutschler zu Protokoll. Fünf Minuten später grobe Schnitzer von Damian Schobert und Grothe. Ein kurzer Abwurf des Torwarts von der 16-Meter-Linie überraschte offenbar den FCF-Mittelfeldspieler, dem der Ball auf nassem Rasen zu weit vom Fuß sprang – genau vor die Füße von Mariusz Wolbaum. Der Winterpausen-Zugang aus Eisenhüttenstadt fackelte nicht lange bei seiner Bogenlampe ins leere Gehäuse.

Den Sack endgültig zu machte erneut Jankowski. Der 37-Jährige krönte seine starke Leistung mit seinem dritten Treffer: Ballannahme mit rechts, Schuss aus der Drehung mit links – das 8. Saisontor des Spielers, Trainers und jetzigen Assistenten. „Nie war er so wertvoll wie heute“, sagen die Seelower über ihren Co-Coach und Sportlehrer aus Küstrin, der dem SV Victoria seit 15 Jahren die Treue hält. Das 2:4 durch Aufsetzer-Kopfball von Kapitän Huwe nach Eckstoß von Grothe bedeutete nur noch Ergebnis-Kosmetik nach schwacher Präsentation in der zweiten Halbzeit.

Die nun in sieben Partien in Serie ungeschlagenen Seelower sind im Kommen, das haben sie auch beim „Lieblingsgegner“ Frankfurt unterstrichen. Jetzt haben sie Neuruppin vor der breiten Brust. Und der 1. FCF? Nach einer Erfolgsserie hat er in der Rückrunde nun zweimal hintereinander verloren. Wird die Jung-Truppe, auf die Mutschler „nach wie vor mächtig stolz“ ist, nun auch am kommenden Sonnabend in Eisenhüttenstadt wieder Lehrgeld zahlen müssen?

Während sich Spieler und Trainer die Wunden lecken, macht sich Axel Geisler „keine großen Gedanken über die Niederlage gegen clevere Gäste, die uns mit einfachsten Mitteln bezwungen haben“. Der Sportliche Leiter denkt schon weiter. „Wie können wir perspektivisch eine Mannschaft zusammenstellen, die in puncto Cleverness, Robustheit, Durchschlagskraft und individueller Klasse meinen Vorstellungen vom Männerfußball näher kommt als bisher?“, fragt er. Das junge Team verdiene Respekt als Tabellenzweiter, aber „wir haben nicht die Qualität, die wir uns immer wieder gerne bescheinigen“, sagte Geisler.