Großprojekt: Archiv zieht in hochmodernen Altbau
Die Baustelle alte Bürgerschule in der Rosa–Luxemburg–Straße geht auf die Zielgerade. Der Innenausbau des neuen Stadtarchivs ist, von kleineren Restarbeiten abgesehen, inzwischen abgeschlossen. Mitte September kann der Umzug von mehr als drei Kilometern Archivgut aus der Collegienstraße beginnen – eine Mammutaufgabe. Die Eröffnung ist für den Januar geplant.
Bevor die ersten von Hunderttausenden Akten, Fotografien oder Büchern in die neuen Rollregale und Paternosterschränke einsortiert werden, finden am Sonnabend Führungen durch das umgebaute und komplex sanierte Gebäude statt. Freie Plätze dafür gibt es jedoch keine mehr. Die sechs Rundgänge, für die sich Interessierte anmelden mussten, waren sofort ausgebucht. „Das Interesse ist riesengroß. Wir wollen später, nach der Eröffnung, weitere Rundgänge anbieten“, verspricht Denny Becker, Leiter des Stadtarchivs. Einblicke in sämtliche Bereiche des Hauses werde es dann nicht mehr geben. Denn die oberen beiden Etagen mit den Magazinräumen gleichen „einem Hochsicherheitstrakt“.
„Für den Publikumsverkehr wird an der Holztreppe im Erdgeschoss Schluss sein“, erklärt Sabine Wunderlich, Abteilungsleiterin Technisches Immobilienmanagement bei der Stadt. Eine Lichtschranke registriert vor der ersten Treppenstufe jeden unbefugten Schritt nach oben, in der ersten und zweiten Etage versperren schwere Sicherheitstüren aus Glas den Weg für unautorisierte Besucher. „Nicht einmal alle Mitarbeiter kommen dann in alle Räume“, sagt Mandy Baumann, die als Magazinmeisterin den Umzug des Archivgutes managt.
Umbau läuft seit Januar 2016
Im Januar 2016 begannen Sanierung und Umbau der einst im Jahr 1862 erbauten Bürgerschule. Zu diesem Zeitpunkt stand das Haus bereits seit 19 Jahren leer. Für das Architektur– und Ingenieurbüro brachte das Projekt viele Herausforderungen mit sich: vom Ringen um Kompromisse mit dem Denkmalschutz bis zu den technischen Anforderungen an eine fachgerechte Lagerung von Archivgut. Beispielsweise wurden die beiden Holzbalkendecken zwischen dem Erdgeschoss und dem zweiten Obergeschoss gegen verstärkte Decken ausgetauscht, „damit sie die großen Lasten der Schränke und Dokumente tragen können“, erklärt Architektin Susanne Hilgenfeld. Ziel sei es jedoch gewesen, so viel historische Bausubstanz wie möglich zu erhalten. Am sichtbarsten wird das an der Holztreppe, an den Fenstern, und an den Holztüren, die alle aufgearbeitet und erhalten geblieben sind. „Um die Türen hat der Denkmalschutz gekämpft. Weil sie charakteristisch sind für dieses Haus. Da ist viel Geld hineingeflossen. Aber es hat sich gelohnt“, findet Susanne Hilgenfeld.
7,9 Millionen Euro kostete der Umbau, finanziert aus Fördermitteln und 1,9 Millionen Euro Eigenmitteln der Stadt. Hinzu kommen rund 430 000 Euro für die Ausstattung mit Rollregalen, Möbeln, Ausstellungsvitrinen und Werkbänken. Vor dem Baustart hatte die Stadt mit 6,1 Millionen Euro geplant. Steigende Baupreise, Zeitverzögerungen und erst später ersichtliche Schäden im Mauerwerk führten dann zu Mehrkosten. Dafür dürfen sich Beschäftigte und Nutzer nun auf ein hochmodernes Arbeitsumfeld freuen.
Der Haupteingang befindet sich am Lennépark. Im von dort aus gesehen rechten Flügel des Erdgeschosses befinden sich die Anmeldung, Büroräume und zwei Lesesäle, darunter einer mit Computern, Abspiel– und Lesegeräten. Im gegenüberliegenden Bereich gibt es unter anderem einen Ausstellungssaal und einen Raum für Veranstaltungen wie Seminare, Vorträge, Konferenzen oder Treffen des Historischen Vereins.
Ein Herzstück: die Kühlkammer
Das Magazin erstreckt sich über die beiden oberen Etagen. Dazu gehören insbesondere vor UV–Licht geschützte, klimatisierte Räume für den Bestand an Urkunden, Akten, Amtsbücher, Plakate, Grafiken, Film– und Tonaufnahmen und Bücher. Ein Herzstück des Magazins befindet sich in der ehemaligen Aula. Hier wurde neben Rollregalen auch eine riesige Kühlkammer für die Lagerung wertvoller Glasplatten, Planfilme oder Negative verbaut. Ein Quarantäne– und Werkstattbereich komplettieren das Magazin. „Wir haben auch die Aufgabe, Archivalien konservatorisch zu behandeln und zu erhalten“, erklärt Denny Becker. Dafür stünde künftig ein geschützter Arbeitsplatz samt Abzug für Schimmelspuren oder Pollen zur Verfügung. „In den letzten Jahren musste Vieles liegen bleiben. In der Collegienstraße war das aus Gründen des Arbeitsschutzes nicht zu leisten. Es fehlten uns einfach die Räume. Nach dem Umzug können wir den Rückstau professionell abarbeiten“.


