Grüne Stadt
: Klimaschützer in Frankfurt (Oder) begrüßen Strategiepapier von OB René Wilke

Seit 2019 gibt es mit dem Runden Tisch Klima und Umwelt eine neue politische Kraft in Frankfurt (Oder).
Von
Thomas Gutke
Frankfurt (Oder)
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Katrin Volprich und Bernhard Ziegler vom Runden Tisch Klima und Umwelt Frankfurt (Oder).

Thomas Gutke

Vor etwa einem Jahr, kurz vor der Wahl, gingen in mehreren Städten in Brandenburg Tausende junge Menschen für mehr Klimaschutz auf die Straßen. Auch in Frankfurt (Oder) gab es eine Fridays–for–Future–Demo. Zwölf Monate später hat die Corona–Pandemie den Kampf gegen den Klimawandel aus den ganz großen Schlagzeilen verdrängt. Doch die Rufe nach weniger CO2–Emmissionen, mehr Nachhaltigkeit und Umweltschutz sind deshalb nicht verstummt.

In Frankfurt (Oder) gaben die Klimaproteste im Oktober 2019 sogar den Anstoß für eine neue politische Initiative – den Runden Tisch für Klima und Umwelt. Die Gruppe hat mittlerweile rund 40 Mitglieder. Einer von ihnen ist Bernhard Ziegler. „Die Fridays for Future–Proteste  und die Zuspitzung der Klimakrise  haben mich aktiviert, mitzumachen. Es gibt so viele Probleme, die wir lösen müssen“, erklärt der Frankfurter im Ruhestand.

„Jeder bringt ganz unterschiedliche Motivationen mit“, sagt Mit–Initiatorin Katrin Volprich. Sie mischt sich vor allem in den politischen Gremien der Stadt mit ein. Dass die Stadtverordneten im Herbst 2019 einem Antrag der Grünen für mehr kommunalen Klimaschutz zustimmten, wertet sie als ersten großen politischen Erfolg für den Runden Tisch — und kritisiert zugleich, dass die Verwaltung von dem Beschluss bis heute kaum etwas umgesetzt hat.

Es gibt weder einen Klimaschutzbeauftragten, noch ist ein neues Klimaschutzkonzept in Sicht. Eine Auswertung des auslaufenden Konzeptes liegt ebenfalls noch nicht vor. „Das hat uns enttäuscht“, sagt sie.

Der Runde Tisch kommt etwa einmal im Monat zusammen, in Zeiten des Lockdowns auch virtuell. Da die Aufgaben vielfältig und die Interessen unterschiedlich sind, wurden mehrere Arbeitsgruppen gebildet — von Naturschutz über Mobilität bis Energiewende. In den vergangenen Monaten sprachen die Frankfurter Klima– und Umweltschützer mit Rathausmitarbeitern, Geschäftsführern städtischer Gesellschaften, sie gingen in Schulen, vernetzten sich mit Stadt– und Landespolitik oder beteiligten sich an klimafreundlichen Aktionen. Erst kürzlich rief der Runde Tisch die Frankfurter zum Gießen und Pflegen von Bäumen auf (Aktion Baumretter).

Strategiepapier von OB Wilke wird begrüßt

Das Strategiepapier des Oberbürgermeisters für die Stadtpolitik nach Corona — vorgelegt in der vergangenen Woche — haben die Mitglieder der Initiative aufmerksam gelesen. „Das Thema Klimaschutz ist darin ein ganz wesentlicher Punkt. Der OB wünscht sich beispielsweise eine autoarme Stadt bis 2035 — das begrüßen wird ausdrücklich“, erklärt Katrin Volprich. „Es ist allerdings nur ein Papier, jetzt müssen Taten folgen…“ Bernhard Ziegler stimmt ihr zu, er sagt: „Wir würden die Verwaltung gern bei der Umsetzung unterstützen.“

Der Runde Tisch hat selbst viele Ziele und Ideen für eine klimaneutrale Stadt formuliert. Dazu gehören Verbesserungen im Radwege– und Fußwegenetz, der Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektroautos, der konsequente Schutz von Altbäumen, höhere Strafen für Umweltsünder oder einwegplastikfreie Stadtfeste. Darüber hinaus macht sich der Runde Tisch für die Einführung einer  Photovoltaikpflicht auf Dächern stark. In einigen Städten etwa in Baden–Württemberg gebe es dies bereits, so Katrin Volprich, und mit Dachverpachtungsmodellen müssten die Investitionen dafür noch nicht einmal von den Eigenheimbesitzern oder Bauherren selbst getragen werden. Die Stadt könne hier mit gutem Beispiel voran gehen und verstärkt kommunale Dächer mit Solarpanelen ausstatten, findet sie. „Bis 2050 soll die Stadt klimaneutral werden. Viel Zeit bleibt nicht mehr. Wir werden das Ziel verfehlen, wenn wir nicht bald damit anfangen, etwas zu tun.“

Mehr zum Runden Tisch Klima und Umwelt: https://klimaffo.7of7.de