Handball: „Diese Niederlage wirft uns nicht um“
Bundesliga-Reserve cleverer
In dem mit Spannung erwarteten Spitzenspiel entwickelte sich von Beginn an eine intensive und packende Partie. Die Gastgeberinnen konnten zwar mit 1:0 und kurz darauf mit 2:1 vorlegen, doch nach gut zwei Minuten sollte dies ihre letzte Führung an diesem Tag gewesen sein. Denn in der Folge zog die junge Bundesliga-Reserve des BSV ihr schnelles Spiel auf und traf vor allem von den Außenpositionen nach Belieben. „In einigen Situationen müssen wir uns cleverer anstellen. Auch die beiden Torhüterinnen haben heute nicht das abgerufen, was sie können“, analysierte Ziemer.
In der Tat: Während Buxtehudes Torfrau Jule Nitt einen starken Tag erwischte und zahlreiche FHC-Angriffe vereiteln konnte, bekamen die Frankfurter Keeperinnen Valeryia Kurliandchyk und Mandy Schneider kaum einmal die Hand an den Ball. „Wir waren sehr aufgeregt vor diesem Spitzenspiel. Der Druck war vielleicht einfach zu groß“, gestand Mandy Schneider. „Dabei haben wir gut trainiert und wurden auch gut vom Trainer auf den Gegner eingestellt. Aber die Absprachen mit der Abwehr waren nicht stimmig, unsere Leistungssteigerung kam heute zu spät“, meinte die 24-jährige Schlussfrau, die nach mehreren Spielen überwiegend auf der Bank erstmals wieder mehr Einsatzzeit bekam. „Wir haben so versucht, neuen Schwung hereinzubringen. Aber der Druck war deswegen für mich natürlich besonders groß.“
Mit ihrem schnörkellosen und konzentrierten Offensivspiel konnten die Gäste aus Niedersachsen vor der Pause auf bis zu sieben Tore wegziehen und sahen schon wie der sichere Sieger aus (8:15/23.). Kaum ein Ball ging beim BSV verloren, kaum ein Angriff wurde vergeben. Doch der FHC fing sich wieder und lag zur Halbzeit mit erträglichen drei Treffern in Rückstand. „Im ersten Abschnitt waren wir überhaupt nicht da, 18 Gegentreffer in einer Halbzeit sind eindeutig zu viel. Da hat es bei uns an Einstellung und Aggressivität gefehlt. Die Leistung der Torhüterinnen steht auch in Wechselwirkung mit der Abwehr“, sagte FHC-Trainer Dietmar Schmidt.
Nach dem Seitenwechsel trat der Gastgeber zielstrebiger auf und konnte Treffer um Treffer aufholen. Den Buxtehuderinnen hingegen ging nach und nach etwas die Luft aus, so dass auch sie den ein oder anderen leichtfertigen Ballverlust hinnehmen mussten. 24:28 hieß es in der 53. Minute – ehe die Frankfurterinnen binnen knapp drei Minuten mit vier Toren in Folge tatsächlich zum umjubelten 28:28-Ausgleich kamen – diesen markierte die pfeilschnelle Michéle Dürrwald mit ihrem achten Treffer (57.).
Doch nach dem 28:29 sah die 23-Jährige nach ihrer dritten Zeitstrafe die Rote Karte. Die cleveren Gäste nutzten die Überzahl und erzielten in der 59. Minute ihren 30. Treffer. Monika Odrowskas viertes Tor neun Sekunden vor dem Ende zum 29:30 kam zu spät. „Schade, vor allem weil heute so viele Zuschauer da waren. Wir haben zwar gut gekämpft, aber in der Abwehr nicht gestanden. Das war einfach zu wenig“, sagte Odrowska.
Große Freude herrschte hingegen bei den Gästen. „In Frankfurt zu gewinnen, ist sehr, sehr schwer. Wir sind hierher gefahren, um ein gutes Spiel zu machen. Frankfurt ist sehr stark im Eins-gegen-Eins und in der Tiefe, aber wir haben eine sehr gute erste Halbzeit gespielt und ich bin wahnsinnig stolz auf meine junge Mannschaft“, sagte BSV-Trainerin Heike Axmann.
Auf der Gegenseite blieb Linksaußen Jessica Jander mit nur einem Treffer wie viele ihrer Mannschaftskolleginnen hinter den Erwartungen zurück. „Wir haben den Anfang verschlafen. Dabei wollten wir zeigen, dass wir die Hausherren sind. Wir haben in der Abwehr keinen Zugriff bekommen, da müssen wir einfach mehr zupacken. Der Gegner hat die ganze Zeit das Spiel gemacht und war schnell und beweglich. Daher bin ich auch stolz auf uns, dass wir zurückgekommen sind. Schade, dass es nicht wenigstens zum Unentschieden gereicht hat“, sagte Jander, die von einem herben Rückschlag im Aufstiegsrennen sprach. „Jetzt müssen wir noch mehr Willen zeigen und in jedem Spiel alles geben.“
Am Sonntag in Owschlag
Auch Mandy Schneider blickte bereits nach vorn. „Diese Niederlage wirft uns nicht um. Wir glauben noch definitiv an uns und geben den Rest der Saison noch alles“, sagte die Torhüterin. Für den FHC bedeutet die knappe Niederlage im Rennen um den Aufstieg in die 2. Bundesliga einen Dämpfer, mit nun sechs Punkten Rückstand auf die Tabellenspitze fällt man auf Tabellenrang 5 zurück. Da Buxtehude als zweite Mannschaft nicht aufsteigen kann, würde allerdings auch Rang 2 für das selbst erklärte Saisonziel genügen. „Wir haben noch genügend Spiele und es ist nach wie vor noch alles offen“, bleibt auch Trainer Dietmar Schmidt optimistisch. Die nächste Gelegenheit zum neunten Saisonsieg gibt es am Sonntag um 17 Uhr beim Tabellenvorletzten HG Owschlag-Kropp-Tetenhusen.
Frankfurter HC: Valeryia Kurliandchyk, Isabell Gerlach, Mandy Schneider – Anja Ziemer 10 (7/8), Julia Hinz, Cora Bertram, Kamila Szczecina 2, Michelle Strauß 1, Jessica Jander 1, Monika Odrowska 4 (1/2), Michéle Dürrwald 8, Sophie Pickrodt 1, Kathleen Müller 1, Anny Philipp, Elisa Schmidt 1, Pauline Wagner
Siebenmeter: FHC 8/10, BSV 4/6 – Zeitstrafen: FHC 4 und 1 Rote Karte, BSV 4 – Schiedsrichter: David Große, Maik Hornuff – Zuschauer: 668


