Der Präsident höchstpersönlich achtete darauf, dass niemand die Sporthalle an der Sabinushalle betritt. Lothar Würfel stand am Samstagabend an einem Nebeneingang, der wie eine weitere Türe zum Dauerlüften offenstand. Denn Zuschauer waren nicht zugelassen beim ersten Heimspiel des HSV Frankfurt im Frauenbereich. Auch sonst hielten sich die Anwesenden streng an die Hygiene-Bestimmungen – Spielerinnen, Kampfgericht und Betreuer trugen außerhalb des Spielfeldes konsequent einen Mund-Nasen-Schutz.
„Es ist wirklich schade, dass die Stadt Frankfurt keine Zuschauer erlaubt. Wir haben für unser Hygiene-Konzept ausgerechnet, dass 64 Personen mit ausreichendem Abstand auf die Tribüne passen würden. Eine Begründung, warum wir ohne Fans spielen müssen, in Müllrose aber zum Beispiel Zuschauer erlaubt sind, haben wir nicht bekommen“, sagte Würfel, der dem HSV Frankfurt seit der Gründung vor fünf Jahren vorsteht.

Jedes Wort in der Halle zu hören

So war der erste Heimauftritt des ehemaligen Teams des HSC 2000, das im Mai geschlossen zum HSV gewechselt war, ein „Geisterspiel“. In der leeren Halle waren nur das Quietschen der Turnschuhe, das Prellen des Balles und das Rufen der Spielerinnen und Trainer zu hören. „Das war ganz komisch heute. Wir sind eine Mannschaft, die viel Lautstärke mitbringt, daher hat heute jeder in der Halle jedes Wort gehört. Außerdem ist es einfach schöner, wenn man von draußen angefeuert wird. Ohne diese Unterstützung sind wir Mitte der ersten Halbzeit auch ein bisschen eingeschlafen und haben die Spannung nicht hochhalten können“, sagte Frankfurts Rückraumspielerin Elisa Winkowski nach dem 27:24 (15:11) gegen den HSV Falkensee.

Die Gastgeberinnen geraten zu keiner Zeit in Rückstand

Die Gastgeberinnen kamen gegen den Aufsteiger aus dem Havelland zumindest in der Offensive gut ins Spiel, gerieten zu keinem Zeitpunkt des Spiels in Rückstand. Allerdings wurde der zeitweilige 7:3-Vorsprung (11. Minute) leichtfertig durch mangelnde Konzentration wieder verspielt, so dass die Gäste zum Ausgleich kamen (9:9/23.). Nach einem Donnerwetter von Frankfurts Trainer Michael Schuster in einer Auszeit fingen sich die Spielerinnen wieder und zogen bis zur Halbzeit auf 15:11 davon.
Aufgrund der derzeitigen Vorschriften  ging es ohne Seitenwechsel in die zweiten 30 Minuten, deren Start die Oderstädterinnen aber verschliefen. Der Vorsprung wurde erneut leichtfertig vergeben, so dass die Falkenseer in der 50. Minute zum 21:21 ausgleichen konnten. Anschließend blieb die Partie eng und umkämpft, mehr als zwei Tore konnten sich die Frankfurterinnen zunächst nicht absetzen. Erst in der 53. Minute erhöhte Gina-Maria Gothow in doppelter Überzahl auf 25:22 – danach war die Gegenwehr der Gäste gebrochen.

„Zuschauer sind für uns auch ein wirtschaftlicher Aspekt“

„Wir haben nach gutem Beginn stark nachgelassen und nicht konstant unsere Leistung gebracht. Ab der 20. Minute haben wir keine klaren Aktionen mehr gespielt, daher mussten wir uns 40 Minuten durchkrampfen. Auch die Deckung hat nicht so funktioniert wie geplant“, kritisierte Michael Schuster, der aber immerhin auf eine breite Bank zurückgreifen konnte. „Wir haben endlich einen Unterbau durch die Jugend – deswegen haben wir den Vereinswechsel vom HSC zum HSV ja auch gemacht“, erklärte der Frankfurter Trainer.
Auch zu den fehlenden Zuschauern äußerte er sich. „Ich bin während des Spiels sowieso in meiner eigenen Welt, aber für die Spielerinnen ist es schon sehr eigenartig. Vor allem ist nicht zu verstehen, warum in manchen Hallen Fans erlaubt sind und in anderen nicht. Für uns ist das auch ein wirtschaftlicher Aspekt mit dem Verkauf der Tickets und dem Catering – ganz abgesehen von der Stimmung. Auch unser Nachwuchs im Verein und andere Jugendliche können so kein Interesse für die Mannschaft und den Handball entdecken. Das ist einfach höchst ärgerlich. Bei aller Vorsicht – eine gewisse Zahl an Zuschauern sollte man zulassen“, forderte Schuster.

Nächstes Heimspiel bereits am Samstag – wieder ohne Zuschauer

In Falkensee dürfen insgesamt 100 Personen in die Halle, berichtete Gäste-Trainerin Viola Burzlaff. „Das hat sich von der Atmosphäre her angefühlt wie ein Trainingsspiel. Abgesehen davon bin ich zufrieden mit dem Auftritt meiner Mannschaft, am Ende hat uns aber die Kraft gefehlt.“
Am Samstag steht für den HSV Frankfurt gegen den VfB Doberlug-Kirchhain bereits das nächste Heimspiel an. „Auch wenn es heute ein durchwachsener Auftritt war, ein paar guten Ansätze haben wir gezeigt. Daher hoffen wir natürlich, dass wir den Schwung von zwei Siegen aus den ersten beiden Spielen mitnehmen können“, sage die dreifache Torschützin Elisa Winkowski. Zuschauer sind nach wie vor nicht zugelassen.