Handball
: Handballer Hans Engel erzählt bei Talk im Kiez

Handballer Hans Engel gelangte einst auf abenteuerliche Weise zum ASK Vorwärts.
Von
Heike Bettino
Frankfurt (Oder)
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Hans Engel hat beim Mittwochs-Talk im Kiez zwischen den HSV-Nachwuchsspielerinnen Isabell und Michelle sowie Vereinspräsident Lothar Würfel Platz genommen.

michael benk

Hans Engel kennt noch die Zeit, als auf dem Großfeld zu elft Handball gespielt wurde — in der DDR bis 1967. Im selben Jahr, während seiner Armeezeit in Torgelow/Drögeheide, wurde er für den ASK Vorwärts Berlin gesichtet. Doch der Regimentskommandeur wollte ihn nicht gehen lassen. Die Chance eröffnete sich erst mit dem Marschbefehl nach Weißwasser, wo ihm der Kompaniechef hinter dem Rücken des Kommandeurs freie Hand ließ. „Und so saß ich nachts um drei Uhr auf dem Bahnhof in Weißwasser, wartete auf einen Zug nach Strausberg, wo der ASK seinen Sitz hatte, und traf unterwegs Boxer Ulli Beyer mit seinem Seesack“, erinnert sich Hans Engel.

Stimmung in der Kamieth–Halle

Mit der ersten Männermannschaft debütierte er nach der Verlegung des ASK nach Frankfurt in der Oberliga–Saison 1969/70 gegen Dynamo Berlin. „Wir haben damals deutlich verloren, wurden aber in der Kamieth–Halle vom Publikum gefeiert und haben gemerkt, dass wir etwas in die Waagschale werfen mussten, um die Erwartungen zu erfüllen.“ Die Frankfurter standen dann 1974 vor ihrem zweiten DDR–Meistertitel nach 1964. „Es war immer eine Riesenstimmung in der Halle, wir standen dicht an dicht“, erinnert sich Moderator Köppen an Kindheitstage. Engel gewann mit der Sieben das entscheidende Spiel — gegen Dynamo Berlin, sie konnte den Titel ein Jahr später verteidigen. „Es war ein Meilenstein, aber im Europa–Pokal wurde es ungleich schwerer.“

Doch zuvor sollte der Hüne bei den heimischen Weltmeisterschaften 1974 in seinem fünften Jahr der Nationalauswahl seinen größten sportlichen Erfolg feiern. Der WM–Gastgeber unterlag im Finale Rumänien nach zwei Verlängerungen 12:14. Wenn Engel von anderen, ähnlichen Ergebnissen erzählt, wundern sich die Zuhörer. Heutzutage erleben sie eine Trefferflut. „Damals wurde mehr auf die Deckung geachtet“, erklärt Engel. Auch trainiert wurde mehr — beim ASK dreimal am Tag zwischen 6 und 20 Uhr: Neben Technik blieb viel Raum für Kraft und Kondition mit Läufen rund um den Helenesee. Das hat sich ausgezahlt, wie beim Europapokal der Landesmeister 1975: Geschichtsträchtig das Halbfinale gegen den als unschlagbar geltenden VfL Gummersbach mit dem späteren Bundestrainer Heiner Brand. Die Armeesportler unter Trainer Waldemar Pappusch und Manfred Förster zogen nach Hin– und Rückspiel dank besseren Torverhältnisses ins Finale ein, wo Engel, Joachim Pietzsch, Wilfried Weber, Josef Rose und Co. Borac Banja Luka (Jugoslawien) 19:17 besiegten.

Was die vergeigte Olympia–Teilnahme 1976 der DDR anbetrifft, da ist Hans Engel mit sich im Reinen. Er hatte im entscheidenden Gruppenspiel gegen die BRD den letzten Siebenmeter Sekunden vor dem Abpfiff nicht im Tor unterbringen können, Torhüter Manfred Hofmann konnte mit dem Knie abwehren. Ein Treffer hätte die Fahrkarte bedeutet. „Mit solch einer Situation müssen viele Sportler leben“, sagt Engel heute. „Ich hatte zuvor drei Siebenmeter verwandelt und unser Mannschaftskapitän wollte am Ende nicht mehr an den Punkt.“

Tragisch war für den Talk–Gast, dass er für Olympia 1980 drei Tage vor dem Abflug aus dem Kader fiel, obwohl er in einem Vorbereitungsturnier Torschützenkönig geworden war. „Ich habe Jahre später erfahren, dass es nicht sein konnte, dass vier ASK–Spieler in der Auswahl spielen sollten, aber niemand von Dynamo“, schildert Hans Engel. So fuhr neben den Frankfurtern Hans–Georg Beyer, Klaus Gruner und Dietmar Schmidt der Berliner Rainer Höft statt Engel nach Moskau — sie kehrten als Olympiasieger zurück.

Zwei Jahre später beendete Engel seine aktive Laufbahn. Als Mannschaftsleiter der ASK–Handballer ab 1985 erlebte er im Wendejahr deren DDR–Meistertitel mit. Beim Verein Blau–Weiß wirkte er bis zu dessen Zusammenschluss mit dem BFV 1994 zum FHC als Trainer, führte dann bis 2011 drei Sportgeschäfte in der Stadt und in Seelow. Zwei Jahre später fand er zum neu gegründeten HSV, trainierte dort unter anderem seine beiden Enkeltöchter und betreut nach einer kurzen Pause jetzt die weibliche E–Jugend. „In der Mannschaft steckt viel Potenzial, einige wollen zur Sportschule“. Ein Jahr will er vielleicht noch weitermachen. Seine Frau Helena würde ihn gern schon eher öfter zu Hause sehen.